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Sunday, September 27, 2026

«Kinderwunsch-Behandlungen sind im Ausland nicht immer billiger»

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  • Viele Frauen und Paare aus der Schweiz reisen für Kinderwunschbehandlungen ins Ausland, weil dort bestimmte Verfahren erlaubt sind oder sie tiefere Preise und kürzere Wartezeiten erwarten.
  • Laut Reproduktionsmediziner Mischa Schneider ist eine IVF im Ausland jedoch oft nicht günstiger, wenn zusätzliche Kosten eingerechnet werden.
  • Die hohen Kosten einer IVF entstünden unter anderem durch Medikamente, engmaschige Kontrollen und die aufwendige Laborarbeit unter strengen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen.

Viele Frauen reisen für eine IVF-Behandlung ins Ausland. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Manche suchen dort Verfahren, die hier nicht erlaubt sind, andere hoffen auf tiefere Kosten oder schnellere Termine – mehr dazu liest du hier. Mischa Schneider, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (SGRM) und CEO des Kinderwunschzentrums Baden, erklärt, weshalb der Preisvergleich oft täuscht und was eine IVF so teuer macht.

Mischa Schneider, viele Schweizerinnen und Paare lassen Kinderwunschbehandlungen im Ausland durchführen. Warum?

Es gibt zwei Hauptgründe. Erstens suchen Menschen Behandlungen, die in der Schweiz nicht erlaubt sind. Der Klassiker ist die Eizellspende. Zudem können Single-Frauen in der Schweiz derzeit keine Samenspende in Anspruch nehmen. Zweitens spielt der Preis eine Rolle. Viele gehen davon aus, eine IVF sei im Ausland deutlich günstiger.

Single-Frauen können in der Schweiz derzeit keine Samenspende in Anspruch nehmen.

Single-Frauen können in der Schweiz derzeit keine Samenspende in Anspruch nehmen.Urs Jaudas

Ist das denn nicht so?

Nicht unbedingt. In Ländern mit vergleichbarem Qualitätsstandard, etwa Spanien oder Dänemark, ist eine Behandlung oft nicht billiger als in der Schweiz, wenn man alle Kosten berücksichtigt. Im Ausland bezahlt man manchmal nur die eigentliche IVF, während Ultraschallkontrollen, Blutanalysen und Medikamente hierzulande anfallen. Dazu kommen Reise, Hotel und Arbeitsausfälle. Aus einer vermeintlich günstigen Behandlung für 3500 Franken können so rasch Gesamtkosten von mindestens 7000 Franken werden.

Warum bleibt dann der Eindruck, die Behandlung sei hier besonders teuer?

Viele Schweizer Zentren publizieren keine vollständigen Preislisten. Es wird vom ärztlichen Berufsstand nicht gerne gesehen, dass man mit Zahlen auf Kundenfang geht. Zudem wollen wir uns nicht über Kosten definieren: Wir wollen gute Medizin machen und Menschen mit einem Problem helfen. Doch das erschwert Vergleiche. Und es gibt je nach Zentrum grosse Preisunterschiede. So kann Social Freezing an einem Ort 5000 und an einem anderen 8000 Franken kosten. Ich bin mir jedoch sicher, wer mehrere Offerten einholt und alle Nebenkosten einrechnet, findet meist ein Schweizer Angebot, das konkurrenzfähig ist.

Warum sind die Preise für IVF überhaupt so hoch?

Eine IVF ist viel mehr als eine Befruchtung im Labor. Es braucht Medikamente, engmaschige Kontrollen und die Eizellentnahme unter Narkose. Danach folgt hoch spezialisierte Laborarbeit: Spermien werden analysiert und aufbereitet, jede Eizelle mit einem Spermium befruchtet und Embryonen mehrere Tage unter exakt kontrollierten Bedingungen kultiviert. Dafür braucht es teure Geräte, zertifizierte Labore, qualifiziertes Personal und eine lückenlose Überwachung. Unser Labor muss sieben Tage pro Woche funktionieren, mit Notstrom, Reservegeräten und einem Notfallkonzept. Diese Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen kosten.

Neben dem Preis klagen mehrere Frauen über lange Wartezeiten an Schweizer Zentren.

Besonders für Frauen, die gegen 40 gehen, ist der Zeitfaktor zentral. Einzelne Zentren haben lange Wartezeiten. Das gilt aber nicht für alle. Bei uns in Baden erfolgt ein Erstgespräch innerhalb von vier Wochen. Wenn die Unterlagen und die medizinische Abklärung vollständig sind, kann eine Behandlung danach direkt beginnen. Auch im Ausland braucht es jedoch Termine, Planung um den Zyklus und oft Abklärungen, die schon in der Schweiz erfolgen müssen.

Weitere Patientinnen berichteten, in der Schweiz sei ihnen zunächst eine Insemination statt IVF vorgeschlagen worden. Wieso wird das so gehandhabt?

Das sollte nicht schematisch passieren. Ich frage Frauen immer: Wie geduldig sind Sie noch? Bei jüngeren Paaren mit leichter Einschränkung der Spermienqualität kann eine Insemination sinnvoll sein, ebenso wenn Sex schwierig ist, etwa wegen Schmerzen oder Erektionsstörungen. Dabei werden Samenzellen des Partners oder eines Spenders in die Gebärmutter eingeführt.

Bei Frauen etwa ab 38 Jahren, muss man aber ehrlich prüfen, ob sie nur Zeit kostet, ohne genügend Erfolgsaussicht zu bieten. Eine IVF hat die besseren Erfolgschancen, ist aber belastender, bringt einzelne Risiken mit sich und muss selbst bezahlt werden. Entscheidend ist eine transparente Beratung: Wie gut sind die Chancen, wie dringend ist der Kinderwunsch und was möchte die Patientin?

Lynn Sachs

Lynn Sachs (sac) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin des Ressorts News.

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