Googlebook OS: Das ist Googles Android-basiertes Betriebssystem für Notebooks
Nach dem ersten Teaser im Mai hat Google sein neues Android-basiertes Betriebssystem für Notebooks vorgestellt. Googlebook OS ist das erste eigenständige Desktop-Betriebssystem von Google seit 15 Jahren. Im Jahr 2011 stellte Google sein cloudbasiertes ChromeOS vor, das gegen Microsofts Windows und Apples macOS antreten sollte. Das Ganze war überwiegend in den USA, Skandinavien und Großbritannien erfolgreich und dort vor allem im Bildungsbereich. Mit der neuen Plattform verspricht das Unternehmen nun eine nahtlose Integration ins Android-Ökosystem – also im Grunde das, was man schon mit ChromeOS erwartet hätte. Damit verfolgt Google im Grunde einen ähnlichen Ansatz wie Apple, allerdings mischt der Hersteller noch eine ordentliche Portion KI mit in sein neues OS.
Notebooks für Android-Nutzer
Wie John Maletis, Googles VP für Laptops und Tablets, im Zuge eines Events in London erklärt, will das Unternehmen mit Googlebooks den Notebook-Formfaktor nicht weniger als neu definieren. Zielgruppe seien die mittlerweile mehr als drei Milliarden Android-Nutzerinnen und -Nutzer.
John Maletis, Googles VP für Laptops und Tablets in London.
(Bild: Andreas Floemer / heise medien)
Googlebook OS besteht gewissermaßen „aus den besten Teilen von Android und ChromeOS“, so Maletis. Das sagte auch schon Sameer Samat, Googles Chef des Android-Ökosystems. So basiert Googlebook OS, das zunächst unter dem Codenamen Aluminium OS kursierte, auf dem nativen Android-Techstack und weitgehend der für Notebooks optimierten Bedienoberfläche von ChromeOS mit der Designsprache Material 3 Expressive, die Google zuerst für Smartphones mit Android 16 eingeführt hatte. Weitere Komponenten des OS sind ein Linux-Kernel (wie bei Android) sowie Optimierungen für x86- und ARM-Architekturen. Viele Android-Apps seien entsprechend für beide Architekturen angepasst; nur ältere Apps erhalten für x86 eine Übersetzungsschicht, die die Performance jedoch nicht merklich ausbremsen soll.
Googles Senior Director of PM für Googlebooks und Tablets, Alexander Kuscher, erklärt den Techstack von Googlebook OS.
(Bild: Andreas Floemer / heise medien)
Wie bei Android-Smartphones bezieht Googlebook OS seine Apps zum einen aus dem Play Store und über den Browser. Google zufolge könne man auf die gesamte Bibliothek des Play Store zugreifen, allerdings habe der Konzern mit zahlreichen Unternehmen zusammengearbeitet, um ihre Apps speziell für den Einsatz am Desktop – und damit die Bedienung mit Tastatur und Touchpad/Maus – zu optimieren. Für den Desktop optimierte Apps sind im Play Store als solche gekennzeichnet. Unter anderem sind etwa Adobe Photoshop und Lightroom, die Kalender-App Fantastical sowie Luminar, Figma und CapCut vertreten. Wie auf Smartphones und Tablets lassen sich die Apps Netflix und Disney+ auch im Offline-Modus verwenden; Serien und Filme lassen sich lokal auf den Googlebooks speichern und wiedergeben.
Googlebook OS: Apps im Play Store deuten auf Desktop-Optimierung hin.
(Bild: Andreas Floemer / heise medien)
Zudem spricht Google von Support von Android-Spielen und AAA-Games über GeForce NOW. Über ein „Google Play Games Level Up“-Programm ist dem Unternehmen zufolge „die Hälfte der 100 Top-Titel für Tastatur, Maus und große Bildschirme optimiert, wobei monatlich neue Spiele hinzukommen“. Auch das Zocken mit Controller wird unterstützt.
Des Weiteren unterstützen Googlebooks für Entwickler Googles Entwicklungsplattform für KI-Agenten „Antigravity“. Mit dieser lassen sich Apps direkt auf dem Gerät erstellen, testen und bereitstellen. Überdies gibt es eine vollständige Terminalumgebung, um Tools „wie Claude CLI oder Antigravity CLI auszuführen und anspruchsvolle Agent-Programmierung zu betreiben“.
Außerdem verfügt Googlebook OS über einen Hypervisor mit Sicherheitszertifizierung der Stufe 5, der auf pKVM-Isolation (Protected Kernel-based Virtual Machine) basiert. Dieser Hypervisor ermöglicht eine isolierte Linux-Umgebung mit vollem Terminalzugriff, sodass sich beliebige Linux-Entwicklertools sicher ausführen lassen, Code-Repositorys abrufen, auf Netzwerke und Ports zugreifen oder autonome Agenten ausführen können, erklärt Google.
Für Nutzerinnen und Nutzer, die eher ausgefallene Anwendungen verwenden, dürften Googlebooks aufgrund des eingeschränkten App-Angebots nicht unbedingt erste Wahl sein. Vielen dürfte das App-Ökosystem jedoch womöglich ausreichen, zumal Google offenbar daran arbeitet, es mit Partnern weiter auszubauen.
Nahtlose Verbindung zum Android-Smartphone
Googlebooks können auch als Erweiterung von Smartphones verstanden werden. Denn Google hat die beiden Gerätekategorien enger, als es mit ChromeOS möglich war, miteinander verwoben.
Bei der Einrichtung eines Googlebooks werden mittels der Anmeldung mit dem Google-Konto die Einstellungen des Android-Smartphones, gespeicherte Passwörter, WLAN-Netzwerke und Nachrichten Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Sind die Geräte verbunden, können Apps auf einem der Geräte gestartet und dann auf dem anderen Gerät nahtlos fortgesetzt werden. Als Beispiel zeigte Google die App BandLab: Die auf einem Smartphone gestartete Session ließ sich auf dem Googlebook dort fortsetzen, wo sie auf dem Phone beendet wurde. Diese Funktion nennt sich „geräteübergreifende Kontinuität“ und ist Teil von Android 17.
Das neue Betriebssystem verfügt überdies über einen neuen Dateimanager, in den auch das gekoppelte Android-Gerät integriert ist. Mit einem Klick auf den entsprechenden Reiter lassen sich sämtliche Daten des Smartphones durchsuchen, darauf zugreifen und sie bearbeiten. Mittels der smarten Suchfunktion lassen sich Bilder oder Dokumente finden, die keine eindeutige Bezeichnung haben. Sucht man etwa ein Foto seines Hundes, hilft die Objekterkennung dabei, auch wenn das Bild eine kryptische Bezeichnung hat.
Mit der Funktion „Cast My Apps“ lassen sich außerdem auf dem Android-Smartphone installierte Apps auf dem Googlebook starten und nahtlos ausführen. Als Beispiele nennt Google etwa die Essensbestellung per Liefer-App oder das Abrufen eines Einmalcodes für den Login. Auch die Größe der App lässt sich auf dem Googlebook verändern und an eine beliebige Stelle auf dem Bildschirm positionieren.
KI-Cursor: Magic Pointer und Rambler
Für die Interaktion mit den Googlebooks hat der Hersteller dem klassischen Mauscursor eine Portion KI verpasst und ihn in „Magic Pointer“ umgetauft: Ruckelt man mit dem Mauszeiger über das große Trackpad, das jedes der Android-basierten Notebooks verpasst bekommen hat, oder per Maus, lässt sich Gemini direkt auf das richten, was gerade auf dem Bildschirm zu sehen ist. So kann man Gemini darum bitten, einen Kalender zu ordnen oder Text zu übersetzen, ohne zwischen mehreren Fenstern hin- und herwechseln zu müssen. Google stellt klar, dass Gemini nur dann aktiv ist, wenn Nutzerinnen und Nutzer es aktivieren.
Googlebook: Der Magic Pointer dient unter anderem zum schnellen Erstellen mehrerer Kalendereinträge.
(Bild: Andreas Floemer / heise medien)
In einer Demonstration ließen sich mit dem Magic Pointer mehrere Termine aus einem PDF eines Trainingsprogramms auf einen Streich herauskopieren und mehrere Kalendereinträge erstellen.
Zudem zieht die mit Android 17 – zunächst für ausgewählte Samsung- und Google-Smartphones – eingeführte Diktierfunktion Rambler ein: Die erweiterte Diktierfunktion hilft dabei, Gesprochenes zu strukturieren und in teilbare Texte umzuwandeln. Nutzer sollen einfach drauflossprechen, Rambler macht daraus dann Notizen, To-do-Listen, Mails oder strukturierte Listen. Laut Google versteht die KI-Funktion mehrere Sprachen parallel.
Eigene Widgets erstellen mit „Create my Widget“ auf einem Googlebook.
(Bild: Andreas Floemer / heise medien)
Auch mit Android 17 angekündigt hatte Google „Create My Widget“. Diese Funktion, mit der Nutzerinnen und Nutzer eigene Widgets für verschiedenste Funktionen oder Aktionen entweder aus Vorlagen oder in Vibe-Coding-Manier erstellen können, feiert nun auf den Googlebooks Premiere. Später soll sie auch auf Smartphones erscheinen. Für Smartphone-Nutzer nicht neu, aber praktisch, ist Circle to Search. Damit lassen sich Inhalte oder Orte, die auf dem Bildschirm zu sehen sind, einkreisen und recherchieren.
10 Jahre Updates
Für das neue Betriebssystem hat Google sich in puncto Hardware mit den Herstellern Acer, Asus, Dell, HP und Lenovo zusammengetan, die jeweils ein Modell beisteuern. Für die Googlebooks hat Google Mindestvoraussetzungen gesteckt: So muss jedes Googlebook über hochwertige Materialien wie Aluminium, Magnesiumlegierung oder Kohlefaser verfügen. Ferner müssen „reaktionsschnelle Touchscreens mit bis zu 2,8K-OLED-Displays“, haptische Glas-Trackpads und hintergrundbeleuchtete Tastaturen an Bord sein.
Googlebook OS: Die für Google wichtigsten Eckdaten.
(Bild: Google)
Unter der Haube sollen Prozessoren von Intel (x86) und Qualcomm sowie MediaTek (beide ARM) gepaart mit dedizierten NPUs mit einer Leistung von über 45 TOPS verbaut sein. Die Akkulaufzeit muss bis zu 14 Stunden für Videowiedergabe oder für 16 Stunden Webbrowsing betragen. Zudem verfügen die Geräte trotz Speicherkrise über mindestens 16 GByte RAM. Die Anforderungen ähneln damit sehr denen von Microsofts Marketing-Logo Copilot+, welches 16 GByte und mindestens 40 Tops vorschreibt.
Googles Glowbar in einem Dell XPS Googlebook.
(Bild: Andreas Floemer / heise medien)
Als Wiedererkennungsmerkmal der Googlebooks setzt Google auf die sogenannte Glowbar, die zuerst im Pixel C zu finden war. Sie ist bei den neuen Notebooks an der Außenseite angebracht, leuchtet beim Hochfahren auf und zeigt „durch eine Schwenkbewegung den Akkustand an und reagiert mit verspielten Animationen, wenn Sie mit Gemini sprechen“, erklärt Google. Weitere Funktionen sollen hinzukommen, auch Entwickler erhalten begrenzten Zugriff auf die Glowbar.
Hinsichtlich der Updategarantie orientiert Google sich an seinen Chromebooks: Die Googlebooks erhalten 10 Jahre Android-Updates und alle drei Monate Aktualisierungen. Ob Google diese 10 Jahre auch für seine Pixel-Phones, die ja auch auf Android basieren, realisieren wird, hat das Unternehmen nicht gesagt. Jedoch ist für die Smartphones eine andere Abteilung zuständig.
Ab über 1000 Euro geht es los
Die fünf ersten Googlebooks.
(Bild: Google)
Die ersten Googlebooks sind ab heute vorbestellbar und werden ab dem 5. Oktober ausgeliefert. Das günstigste Modell ist Acers Googlebook 14 (14 Zoll, Core Ultra 300), das bei 900 US-Dollar startet. Euro-Preise lagen bei Redaktionsschluss nicht vor, doch hierzulande dürften sie vierstellig ausfallen. Alle anderen Googlebook-Erstlinge sind noch teurer: Dell verlangt für sein XPS Googlebook (13 Zoll, Snapdragon X Elite) ab 1200 US-Dollar, während das Asus Googlebook 14 (14 Zoll, Core Ultra 300), das HP GoogleBook 14 (14 Zoll, Snapdragon X Elite) und das Lenovo Googlebook 15 (15,3 Zoll, Core Ultra 300) sogar erst bei 1300 US-Dollar starten.
Wie gut sich Googlebook OS und damit bestückte Notebooks im Alltag schlagen, werden erste Tests zeigen müssen. Wir werden schnellstmöglich einen solchen veröffentlichen.
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