Urs-Treffen in Schwyz – Treffen sich 30 Männer namens Urs in einer Beiz

Wer in einer gut besuchten Beiz laut «Urs!» ruft, erntet im Normalfall einen fragenden Blick. Nicht so am Namenstag von Urs, dem 30. September, im Pub zum alten Löwen in Schwyz: Praktisch der ganze Raum dreht sich um. Über 30 Männer, jung und alt – und alle heissen Urs.
«Die Idee zum Treffen ist eigentlich nicht von mir», sagt der Organisator des Urs-Treffens, Urs Betschart. Er kenne zwei Ritas und habe sich von deren Rita-Treffen inspirieren lassen. «Ich fand das einfach eine coole Idee», so Betschart.
Via Social Media und Whatsapp-Status trommelt er seine Namensvetter zusammen. Nach und nach melden sich auch Medien bei ihm und verschaffen ihm so zusätzliche Aufmerksamkeit. «Ich war vom medialen Interesse ehrlich überrascht», sagt der 51‑Jährige. Seine ursprüngliche Erwartung war bescheiden, mit fünf bis zehn Leuten hatte er gerechnet. Aufgetaucht sind knapp über 30.
Der Wunsch nach dem Comeback
Dass sich Betschart für ein Urs-Treffen einsetzt, hat neben der reinen Geselligkeit noch einen zweiten Hintergrund: «Ich fände es schön, wenn man wieder mehr von diesem Namen hört», sagt er.
Im Interview mit Radio SRF bestätigen Sprachforscherin Simone Berchtold von der Uni Zürich und die selbstständige Babynamen-Beraterin Andrea Horka: Möglich ist es, dass der Name Urs plötzlich wieder in Mode kommt.
«Nach 80 bis 100 Jahren kommen Namen wieder zurück – aber nicht alle», so Andrea Horka. Entscheidend sei, ob der Name ins aktuelle Klangmuster passe. Emma und Emil waren Anfang des 20. Jahrhunderts beliebt und kehren nun zurück, weil die Namen den momentanen «Wohlklang-Kriterien» entsprechen. Ob das gleiche dereinst auch mit Urs passiert, ist offen.
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Seinen bisherigen Höhepunkt hatte der Name Urs in den 50er- und 60er-Jahren. Insgesamt leben in der Schweiz knapp über 25'000 Personen namens Urs, 2025 kamen zwei neue hinzu.
Anreise aus Bern und dem Thurgau
Am grossen Abend tauchen nicht nur Teilnehmer aus Schwyz und den Nachbargemeinden auf. Ein Urs reist sogar aus dem Kanton Bern an, ein anderer aus dem Kanton Thurgau. «Sie haben wohl am Radio vom Treffen gehört», vermutet Organisator Betschart.
Vielleicht ist man mit dem gleichen Namen ja auch ein bisschen gleich gestrickt.
Am lauen Spätsommerabend kann die Urs-Truppe zu Beginn draussen sitzen – und so beobachten, wenn ein «neuer» Urs suchend die Beiz betritt. «Wir haben viel gelacht, das war lustig. Schon nur bei der Begrüssung.»
«Mit 51 war ich einer der Jüngsten»
Trotz der Tatsache, dass sich die meisten Teilnehmer vorher noch nie begegnet sind, sei das Eis sofort gebrochen gewesen. «Das ist ganz unkompliziert verlaufen. Vielleicht ist man mit dem gleichen Namen ja auch ein bisschen gleich gestrickt», sagt Urs Betschart schmunzelnd.
In ein paar Monaten wird es ein zweites Urs-Treffen geben.
Geredet wird über Gott und die Welt – und über Urs. Auch darüber, dass der Name immer seltener vergeben wird. «Ich war mit 51 Jahren einer der Jüngsten», sagt Organisator Betschart. Umso mehr freut er sich, den Namen wieder ins Gespräch zu bringen. Er habe kürzlich sogar eine schwangere Bekannte mit einem Augenzwinkern gefragt, ob der Nachwuchs nicht Urs heissen könnte. «Es wurde aber ein Mädchen», sagt er lachend.
Fortsetzung folgt
Vielleicht muss der Name Urs einfach wieder mehr in Erinnerung gerufen werden. Anlass dazu wird es auf jeden Fall wieder geben: «In ein paar Monaten wird es ein zweites Urs-Treffen geben», ist Urs Betschart überzeugt. Bis dahin sammelt er fleissig Telefonnummern und vernetzt die Urse – was ist eigentlich die Mehrzahl von Urs? – in einer Chatgruppe.
Viel mehr Vorbereitung braucht es gar nicht. Namensschilder braucht an dieser Veranstaltung zumindest keiner.
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