Krypto-Dementi aus Nordkorea: "Absurde Rhetorik" der USA
Nordkorea hat den Vorwurf der USA zurückgewiesen, für die Entwendung von mehreren Milliarden US-Dollar bei der Handelsplattform Binance verantwortlich zu sein. Die Anschuldigung des FBI sei "absurde Rhetorik" und eine "schwerwiegende politische Provokation", erklärte Kim Yo Jong, Schwester von Machthaber Kim Jong Un.
Die Vereinigten Staaten wollten die internationale Öffentlichkeit "in die Irre führen", indem sie so täten, "als seien sämtliche Cyberverbrechen in verschiedenen Teilen der Welt unser Werk", heißt es in der von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Stellungnahme. Die wiederholten Anschuldigungen zielten darauf ab, das internationale Ansehen Nordkoreas zu beschädigen und dessen Souveränität zu verletzen, so die Schwester des Machthabers.
Wie groß ist die Beute?
Beim Binance-Fall handelt es sich - gemessen an der Schadenssumme von mutmaßlich mehr als sechs Milliarden Dollar (rund 5,4 Milliarden Euro) - um den bisher größten Hackerangriff auf eine Kryptobörse überhaupt. Zum Vergleich: Die südkoreanische Zentralbank schätzt, dass Nordkoreas gesamter Außenhandel im vergangenen Jahr ein Volumen von rund 3,1 Milliarden Dollar hatte - also nur rund die Hälfte der mutmaßlich erbeuteten Summe.

Kurz nach der Attacke vom Donnerstag gaben die Kurse der meisten Kryptowährungen stark nach. Binance, das nach eigenen Angaben 335 Millionen Nutzer zählt, setzte vorübergehend Auszahlungen für Kunden aus.
Welches Verbrechen wurde begangen?
Die juristische Einordnung des Verbrechens steht noch aus. Nach deutschem Recht eher unpassend wären die Begriffe "Raub" (weil keine Gewalt angedroht beziehungsweise eingesetzt wurde) oder "Diebstahl" (weil keine "fremde bewegliche Sache" entwendet wurde). Je nach konkretem Ablauf könnte - vorbehaltlich einer Würdigung durch Experten - ein "Computerbetrug" nach § 263a des Strafgesetzbuchs (StGB) vorliegen.

Dieses Verbrechens macht sich schuldig, "wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er das Ergebnis eines Datenverarbeitungsvorgangs durch unrichtige Gestaltung des Programms, durch Verwendung unrichtiger oder unvollständiger Daten, durch unbefugte Verwendung von Daten oder sonst durch unbefugte Einwirkung auf den Ablauf beeinflusst". Allerdings ist fraglich, ob im konkreten Fall überhaupt deutsches Recht zur Anwendung käme.
Welche Gruppe wird verdächtigt?
Das FBI hatte Nordkorea in der vergangenen Woche für den Diebstahl bei Binance verantwortlich gemacht. Die US-Bundespolizei erklärte, die Hackergruppe Tradertraitor, die Verbindungen zum Geheimdienst des abgeschotteten Landes haben soll, sei an dem Angriff beteiligt gewesen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Vereinigten Staaten Pjöngjang beschuldigt, hinter einem Hackerangriff auf die Kryptobörse Bybit zu stecken. Damals waren rund 1,5 Milliarden Dollar (1,34 Milliarden Euro) in Digitalwährungen erbeutet worden. Auch diese Tat geht laut Experten vermutlich auf das Konto von Tradertraitor.
Wozu dient mutmaßlich die Beute?
Nordkoreanische Hacker werden von internationalen Sicherheitsforschern seit Jahren mit zahlreichen Angriffen auf Kryptoplattformen in Verbindung gebracht. Die erbeuteten Gelder sollen unter anderem zur Finanzierung der nordkoreanischen Waffenprogramme dienen. Bislang ist jedoch unklar, wie belastbar die aktuellen Vorwürfe des FBI sind.
Inmitten der Anschuldigungen führte Nordkorea neue Waffenversuche aus. Wie KCNA berichtet, testete Pjöngjang am Montag strategische Marschflugkörper. Erst einen Tag davor hatte der sozialistische Einparteienstaat im Rahmen eines Probelaufs Sprengköpfe mit Streumunition eingesetzt.
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