Nach Erdrutschen – Isolation beendet: Strasse ins Calancatal wieder offen

Nach Erdrutschen Isolation beendet: Strasse ins Calancatal wieder offen
Für Bevölkerung und Unternehmen endet damit eine aussergewöhnliche Zeit. Die Sperrung hinterlässt jedoch Spuren.
03.09.2026, 18:46
Nach fast zwei Wochen Isolation ist das Calancatal seit gestern Mittwochabend wieder auf dem Strassenweg erreichbar. Der Abschnitt zwischen Molina und Arvigo wurde für den Verkehr freigegeben.
Das sagen Menschen aus dem Tal zur Strassenöffnung:
Die Strecke ist jedoch nur einspurig befahrbar und tagsüber von 6:30 bis 20:30 Uhr geöffnet. Zudem ist mit Wartezeiten zu rechnen, da die Räumungsarbeiten weiterhin andauern.
Während der Sperrung organisierten die Behörden Helikopterflüge, um die Verbindung zwischen dem Tal und dem Rest Graubündens aufrechtzuerhalten. «Viele haben die Helikopterflüge genutzt, sowohl für die Hin- als auch für die Rückfahrt», sagt Daniele Corecco, Kommandant der Feuerwehr Calanca, gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz, RSI.
Jeden Tag fliege ich mit dem Helikopter, das ist schön.
Vor allem Berufstätige hätten die Verbindung genutzt, um zur Arbeit ins Tessin oder in andere Teile Graubündens zu gelangen. Auch Personen, die Besorgungen erledigen mussten, seien auf die Flüge angewiesen gewesen.
Mit dem Helikopter zur Schule
Zu den Passagieren gehörte auch Elia, der einzige Schüler aus dem Tal, der täglich die Sekundarschule in Roveredo besucht. «Jeden Tag fliege ich mit dem Helikopter, das ist schön», erzählt er.
Die Primarschülerinnen und Primarschüler blieben im Tal und wurden an drei verschiedenen Standorten unterrichtet. Eine Schülerin beschreibt die Situation positiv: «Es war sehr lustig, weil wir mit jüngeren Schülerinnen und Schülern zusammen waren, die wir normalerweise nicht in der Klasse haben.» Schulleiterin Eleonora Righetti sagt, man habe versucht, den Kindern trotz der besonderen Lage einen möglichst normalen Schulalltag zu ermöglichen.
Gleichzeitig verweist sie auf die politische Dimension des Ereignisses. Als Grossrätin des Kreises Roveredo fordert Righetti weitere Investitionen in die Verkehrsverbindung des Tals. Die Situation habe gezeigt, dass Handlungsbedarf bestehe und rasche Lösungen nötig seien.
Wirtschaftliche Folgen
Für einige Betriebe hatte die Isolation spürbare Konsequenzen. Igor, Betreiber eines Bed and Breakfast, spricht von erheblichen Einbussen.
«Die letzten beiden Augustwochenenden sind ausgefallen», sagt er. Da das Wetter gut gewesen sei und die Auslastung hoch erwartet worden sei, entspreche dies für seinen Betrieb rund einem Viertel bis einem Drittel des gesamten Augustumsatzes.
Weniger stark betroffen waren die Steinbrüche von Arvigo. Unternehmensinhaber Giovanni Polti spricht zwar von einer schwierigen Situation, vor allem aus emotionaler Sicht. Dank alternativer Lösungen habe der Betrieb jedoch weitergeführt werden können, sodass der finanzielle Schaden begrenzt geblieben sei.
Ruf nach langfristiger Lösung
Für Polti zeigt das Ereignis erneut die Verwundbarkeit der Talverbindung. Langfristig sieht er vor allem den Bau einer künstlichen Galerie als «einzige Lösung». Aus technischer Sicht sei dies die sinnvollste Variante.
Mit der Wiedereröffnung der Strasse kehrt im Calancatal zwar ein Stück Normalität zurück. Die Diskussion über die langfristige Sicherung der Verkehrsverbindung dürfte jedoch weitergehen.
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