Hauskauf ist selbst mit Erbschaft nur noch für Minderheit möglich

- Immer weniger Haushalte können die Eigenkapital- und Tragbarkeitsanforderungen für Wohneigentum erfüllen.
- Raiffeisen Schweiz hält in einer Immobilienstudie fest, dass selbst mit Unterstützung in der Familie der Hauskauf nur noch für eine Minderheit möglich ist.
- Als Ursachen nennt die Bank tiefe Hypothekarzinsen und ein knappes Angebot.
Lange galt: Wer nicht reich ist und nicht erbt, kann sich den Traum vom eigenen Haus kaum noch erfüllen. Doch wegen der steigenden Hauspreise ist das Eigenheim sogar mit einer Erbschaft oder einem Erbvorbezug nicht mehr garantiert.
Die Zahl der Haushalte, welche die Eigenkapital- und Tragbarkeitsanforderungen noch überwinden können, wird immer kleiner, wie Ökonomen von Raiffeisen Schweiz in einer Immobilienstudie schreiben. Selbst mit finanzieller Unterstützung durch die vorangegangenen Generationen sei der Kauf eines geeigneten Objektes nur noch einer Minderheit vorbehalten.
Hauspreise steigen deutlich schneller als Inflation
Trotz bereits stolzem Preisniveau steigen die Eigenheimpreise stetig weiter. Per Mitte 2026 mass Raiffeisen erneut hohe Wachstumsraten. Einfamilienhäuser haben sich im Vorjahresvergleich um 3,4 Prozent und Eigentumswohnungen um 4,2 Prozent verteuert.
Angesichts einer Konsumentenpreisteuerung von lediglich 0,4 Prozent per Jahresmitte (0,8 Prozent im August) verteuert sich Wohneigentum damit wesentlich schneller als das allgemeine Preisniveau.
Die Gründe für die anhaltenden, dynamischen Preisanstiege sind gemäss der Bank altbekannt: Dank der Nullzinspolitik der Nationalbank sind Hypothekarzinsen tief und die Finanzierung damit attraktiv. Preistreibend sei aber auch das seit Jahren zu knappe Angebot.
Erste Zeichen für schwächere Nachfrage
Raiffeisen macht erste Anzeichen einer sich allmählich abschwächenden Nachfrage aus. So habe die Zahl der Suchabonnements für Eigentumsobjekte in den vergangenen drei Monaten abgenommen. Als Grund neben den hohen Preisen macht die Bank die schwächere Zuwanderung aus. Auch wenn diese hauptsächlich für den Mietwohnungsmarkt entscheidend sei, mache sich der dort abnehmende Druck über reduzierte Ausweicheffekte auch am Eigenheimmarkt bemerkbar.
Was bedeutet dir der Traum vom Eigenheim heute noch?
Ein weiteres Indiz für eine schwächere Nachfrage sei, dass Eigentumswohnungen zu Beginn dieses Jahres im Schnitt 70 Tage online ausgeschrieben werden mussten, um einen Käufer zu finden. Das sind drei Tage mehr als noch im Vorjahr. Das sei ein Zeichen, dass die Zahl an kaufwilligen und -fähigen Haushalten zuletzt abgenommen hat.
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
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