Warum retten Ärzte jetzt Christa Pikes Leben?

- Die Hinrichtung der verurteilten Mörderin Christa Pike in Tennessee ist gescheitert – sie liegt nun im Koma und wird künstlich beatmet.
- Nach dem Abbruch der Giftspritze-Vollstreckung verpflichtet der 8. Zusatzartikel der US-Verfassung den Staat, Pike medizinisch zu versorgen.
- Im Zuge des Vorfalls hat der Leiter der Strafvollzugsbehörde von Tennessee, Frank Strada, seinen Rücktritt bekannt gegeben.
Nach der gescheiterten Hinrichtung der verurteilten Mörderin Christa Pike mit einer Giftspritze brachen die Verantwortlichen die Vollstreckung ab und leiteten sofort medizinische Notfallmassnahmen ein. Anschliessend wurde Pike mit der Ambulanz in ein Spital gebracht.
Dort setzte das Spitalpersonal alles daran, Pikes Leben zu retten und die hohe Dosis des Medikaments Pentobarbital aus ihrem Körper zu entfernen. Trotz aller Bemühungen liegt sie nach Angaben ihrer Anwälte im Koma und ist an ein Beatmungsgerät angeschlossen.
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Warum wird Christa Pike gerettet?
Warum wird nun versucht, Christa Pike zu retten, obwohl sie am Mittwoch hingerichtet werden sollte? Die Antwort liegt im 8. Zusatzartikel zur US-Verfassung (Eighth Amendment), der die Behörden gesetzlich dazu verpflichtet, Häftlinge vor grausamer und ungewöhnlicher Bestrafung zu schützen.
Nachdem das genehmigte Hinrichtungsverfahren gescheitert und abgebrochen worden war, blieb Pike eine lebende Gefangene in staatlicher Obhut. Der Staat verfügte nicht einfach über die uneingeschränkte Befugnis, weiterhin mit allen verfügbaren Mitteln zu versuchen, sie zu töten.
Diese Unterscheidung ist rechtlich von Bedeutung: Ein Todesurteil legitimiert eine nach gesetzlichen Vorschriften durchgeführte Hinrichtung. Es ist jedoch keine Erlaubnis, nach dem Ende eines Hinrichtungsversuchs eine reguläre medizinische Notfallbehandlung zu verweigern.
Robert Brecheen wurde Stunden vor Hinrichtung gerettet
Ein ähnlicher Fall ist die Rettung von Robert Brecheen: Der Häftling aus Oklahoma unternahm 1995 am Tag seiner geplanten Hinrichtung einen Suizidversuch. Die Behörden brachten ihn umgehend in ein Spital, wo er lebensrettende medizinische Versorgung erhielt – nur um ihn wenige Stunden später doch noch hinzurichten.
Robin Maher, Geschäftsführerin des Death Penalty Information Center, erklärte gegenüber «News 2», dass die US-Bundesstaaten das alleinige gesetzliche Recht hätten, das Todesurteil eines Häftlings zu vollstrecken. Mit anderen Worten: Sie beanspruchen für sich die Entscheidungsgewalt darüber, wann der Häftling stirbt.
«Die Verfassung der Vereinigten Staaten bietet uns allen Schutz – auch Menschen, die schreckliche Verbrechen begangen haben, und selbst solchen, die unserer Meinung nach die Todesstrafe verdienen», sagte Maher.
Am Samstag gab der Leiter der Strafvollzugsbehörde von Tennessee seinen Rücktritt bekannt. Frank Strada werde sein Amt noch in diesem Monat niederlegen, teilte Gouverneur Bill Lee mit. Strada erklärte, sein Rückzug sei «im besten Interesse der Bevölkerung von Tennessee».
Der Fall Christa Pike
Im Januar 1995 lockte die damals 18-jährige Christa Pike ihre 19-jährige Mitschülerin Colleen Slemmer gemeinsam mit ihrem Freund Tadaryl Shipp und Shadolla Peterson in ein abgelegenes Waldstück nahe dem Job Corps Center in Knoxville. Pike verdächtigte Slemmer, ihr den Freund ausspannen zu wollen. Slemmer wurde im Wald über längere Zeit misshandelt und getötet.
Die Ermittler fanden später ein Stück ihres Schädels, das Pike als Andenken aufbewahrt hatte. Pike gestand die Tat, erklärte jedoch, sie habe Slemmer zunächst nur einschüchtern wollen. Am 22. März 1996 sprach eine Jury sie des vorsätzlichen Mordes ersten Grades und der Verschwörung zum Mord schuldig. In der Strafphase stellte sie besondere Grausamkeit und das Ziel fest, eine Strafverfolgung zu verhindern. Am 30. März 1996 verhängte die Jury die Todesstrafe.
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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