Gen-Z-Mafia posiert mitten in Basel mit Schusswaffen

- Eine SRF-Doku zeigt, dass die kurdische Gruppierung «Tolhildan» auch in Basel aktiv ist.
- Junge Männer posieren auf Social Media mit Waffen, etwa im Iselin-Quartier und in einem Keller an der Allschwilerstrasse.
- SRF ordnet sieben Männer der Gruppe zu, der mutmassliche Basler Anführer bestreitet aber jede Verbindung.
- Bundeskriminalpolizei-Chef Markus Gisin nennt das Phänomen bekannt, die Ermittlungen seien schwierig.
Mitten im eigentlich ruhigen Basler Iselin-Quartier posieren junge Männer auf Bildern in den sozialen Medien mit Waffen. Eine SRF-Doku zeigt, dass sich ein neues Phänomen der organisierten Kriminalität auch bis an die Stadt am Rheinknie ausgeweitet hat. Es geht um Schutzgelderpressung, Waffen- und Drogenhandel.
Im Zentrum der Doku steht eine kurdische Gruppierung. Sie nennt sich «Tolhildan», auf Kurdisch: «Vergeltung». SRF ist in seinen Recherchen auf verschiedene Social-Media-Profile gestossen, in denen sich junge Männer mit Schusswaffen zeigen. Die Bilder wurden etwa auf einem Balkon im Basler Iselin-Quartier und in einem Keller an der Allschwilerstrasse geschossen. Der Keller ist zurzeit zur Miete ausgeschrieben, den alten Mietern wurde gekündigt.
«Tolhildan» ist bereits seit Längerem in Deutschland aktiv
Der türkische Investigativjournalist Cevheri Güven erklärt in der SRF-Doku, wieso die «Tolhildan» besonders gefährlich sei: «Sie zeigen in den sozialen Medien, wie mächtig und gefährlich sie sind.» Das mache sie für neue Mitglieder attraktiv. Die «Tolhildan» sei in Deutschland und in der Schweiz aktiv und sei eng mit der grossen türkischen kriminellen Gruppierung «Dalton» vernetzt. Güven lebt mittlerweile in Deutschland unter Polizeischutz, weil er vom türkischen Staat und der türkischen Mafia bedroht werde.
SRF gelingt es, sieben Männer der «Tolhildan» als mutmassliche Mitglieder zuzuordnen. Mit dem mutmasslichen Anführer der Basler Gruppierung kann SRF gar Kontakt aufnehmen. Dass er der Anführer der Basler «Tolhildan» sein soll, bestreitet dieser. Er kenne die Gruppe auch nicht und kriminell sei er auch nicht. Die Aussagen des mutmasslichen Anführers lassen sich aber anzweifeln. Der Balkon, auf dem einer der Männer mit einer Pistole posiert, gehört zu seiner Wohnung.
Gegenüber SRF äussert sich Markus Gisin, der Chef der Bundeskriminalpolizei. Das Phänomen sei bekannt, aber die Ermittlungen seien schwierig.
In Deutschland ist die «Tolhildan» bereits seit Längerem aktiv. Mehrere Schiessereien werden der kurdischen Gruppierung zugeordnet. Zwei Mitglieder müssen sich in Düsseldorf wegen eines Mordanschlags auf ein Mitglied eines verfeindeten Mafia-Clans verantworten.
Worauf sollte der Staat bei solchen kriminellen Gruppierungen den Fokus legen?
Gewalt gebe es auch in der Schweiz. «Die Gruppierungen gehen gezielt gegen ihre Konkurrenten vor», erklärt Gisin in der Doku. Wie viele bewaffnete Auseinandersetzungen es in der Schweiz gibt und wo diese stattfinden, sagt die Bundeskriminalpolizei nicht. Auch ob die Tolhildan an diesen beteiligt ist, bleibt unklar.
«Hatte immer das Gefühl, dass unser Quartier friedlich ist»
Mustafa (21) ist Kurde und er lebt im Iselin-Quartier. Die Doku sei bei ihm zu Hause ein grosses Gesprächsthema, erzählt er gegenüber 20 Minuten. Viele Kurden in Basel würden sich untereinander kennen. «Ich kenne keinen Kurden in Basel, der solche kriminellen Gruppierungen nicht verurteilt», sagt Mustafa, den die Doku sehr beschäftigt.
Ihm und seiner Familie bereite es grosse Sorgen, wenn sie hören, dass solche Gruppierungen in der Nachbarschaft unterwegs sind. «Eigentlich hatte ich immer das Gefühl, dass unser Quartier friedlich und sicher ist», sagt Mustafa.
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