Vom unbekannten Winzer zur Mode-Ikone: Guy Parmelins Meilensteine

- Nach elf Jahren im Bundesrat zieht es Guy Parmelin zurück auf sein Weingut in Bursins am Genfersee.
- Der Waadtländer SVP-Politiker wurde am 9. Dezember 2015 mit 138 Stimmen in die Landesregierung gewählt und leitete zuerst das VBS, dann das Wirtschaftsdepartement.
- Sein Käppi mit der Aufschrift «Switzerland great since 1291», das er 2026 an einem WM-Spiel der Schweizer Nati in den USA trug, erlangte Kultstatus.
Den Waadtländer Guy Parmelin (SVP) zieht es zurück auf sein Weingut in Bursins am Genfersee. Parmelin begann seine Bundesratskarriere im Verteidigungsdepartement und beendete sie im Wirtschaftsdepartement.
Die Wahl war historisch
Der Aufstieg von Guy Parmelin an die Macht begann mit dem Rückzug von Eveline Widmer-Schlumpf. Sie erklärte, bei den Gesamterneuerungswahlen 2015 nicht mehr anzutreten.
Die SVP war durch die Episode Widmer-Schlumpf traumatisiert. Diese wurde 2008 auf Kosten von Christoph Blocher in den Bundesrat gewählt. Die damalige Bündner SVP-Regierungsrätin nahm die Wahl an. Daraufhin wurde sie von der SVP ausgeschlossen und schloss sich der neugegründeten BDP an.
Im Herbst 2015 wurde Guy Parmelin zusammen mit Thomas Aeschi (SVP) und dem Tessiner Norman Gobbi (Lega) von der SVP-Fraktion als Dreierticket vorgeschlagen. Im Vorfeld der Wahl verpflichtete die SVP alle ihre Mitglieder, bei einer «wilden Wahl» entweder die Wahl nicht anzunehmen oder sie würden aus der Fraktion ausgeschlossen.
Doch so weit kam es nicht. Die Vereinigte Bundesversammlung wählte Guy Parmelin am 9. Dezember 2015 im dritten Wahlgang mit 138 Stimmen in die Landesregierung. Er hatte nur ein Problem: Der Waadtländer war bis dahin in der Deutschschweiz kaum bekannt.
Die Anfänge waren schwer
Parmelin musste als Erstes das Verteidigungsdepartement (VBS) von seinem Parteikollegen Ueli Maurer übernehmen. Der Weinbauer, der es militärisch bis zum Korporal brachte, war zuvor als Nationalrat kaum mit sicherheitspolitischen Akzenten aufgefallen und das VBS hatte zu jener Zeit kaum Prestige. Kurz vor Parmelins Amtsübernahme verwarf das Stimmvolk zudem den Kauf des Gripen-Kampfjets.
Parmelin entschied kurz nach Amtsantritt, das Projekt «BODLUV» für die Luftabwehr zu stoppen und noch einmal von Feld eins zu beginnen. Kritiker monieren, dass die Schweiz wegen dieses Entscheides bis heute keine Luftabwehr für mittlere und lange Distanzen habe. Befürworter sagen, das BODLUV-Projekt sei 2016 noch nicht reif gewesen.
Parmelin gelang es im VBS kaum, starke Akzente zu setzen, sagen Beobachter. Insgesamt blieb das Bild eines wenig führungsstarken Vorstehers – der zudem noch mit mangelhaften Englisch- und Deutschkenntnissen von sich reden machte.
Die «guten Jahre» als Wirtschaftsminister
2019 konnte Parmelin das Wirtschaftsdepartement übernehmen. Die Bewährungsprobe kam hier während der Corona-Pandemie. Der Bundesrat beschloss umfangreiche Stützungsmassnahmen für die Wirtschaft. Beide SVP-Bundesräte, also Ueli Maurer und Guy Parmelin, waren für die grössten ausserordentlichen Staatsausgaben der Schweiz seit Jahrzehnten verantwortlich. Das Programm gelang aber und die Schweizer Wirtschaft kam relativ unbeschadet durch die Krise.
Parmelin gelang es, mehrere Freihandelsabkommen über die Ziellinie zu bringen. Der grösste Erfolg war sicher der Abschluss eines Deals mit Indien – nach 16 Jahren Verhandlungen. Offen ist der Ausgang beim «Zolldeal» mit den USA. Ende Juli 2026 brummte Donald Trump der Schweiz einen Zoll von 12,5 Prozent auf. Das ist mehr als die EU bekam, aber es lag im Rahmen der Erwartungen.
Die Präsidialjahre – eine gemischte Bilanz
Parmelin war 2021 zum ersten Mal Bundespräsident. Gemäss Insidern hatte er sich eigentlich schon lange auf dieses Jahr gefreut – doch es fiel mitten in die Corona-Krise. Darum sei es ihm ein grosses Anliegen gewesen, noch einmal ein paar Jahre als Bundesrat anzuhängen, bis er 2026 nochmals «Primus inter Pares», also «erster unter Gleichen», in der Landesregierung werden konnte.
Parmelin und die Mode
Akzente setzte Parmelin auch modisch. Jüngst zum Beispiel mit seinem Chäppi, das er an einem WM-Spiel der Schweizer Fussballnati in den USA trug.
Doch auch davor schon sorgte er für Diskussionen. Vor allem an der jährlichen Bundesratsreise fiel er regelmässig mit modischer Lockerheit auf. So trug er 2026 als Bundespräsident ein Hemd mit Paisleymuster. Unvergessen auch der «Safari-Hut» 2023.
Das Präsidialjahr 2026 begann für ihn mit der Brandkatastrophe von Crans-Montana am 1. Januar. Parmelin spendete Trost und erhielt Lob für seinen Umgang mit der Krise. Das restliche erste Halbjahr war vor allem von der anhaltenden Unsicherheit wegen der US-Zölle geprägt.
Für einen legendären Moment sorgte Parmelin im Juni und Juli 2026 bei einer USA-Reise. Bei einem WM-Spiel der Schweizer Nati erschien er mit einem Käppi mit der Aufschrift: «Switzerland great since 1291». Das Käppi wurde umgehend zum Kult. Parmelin verbreitete Bilder von sich, die ihn so locker zeigten, wie man den Waadtländer zumindest in der Öffentlichkeit bis anhin nicht kannte. Spätestens ab da spekulierte man in Bundesbern, ob es ihn nach elf Jahren im Bundesrat auf das Ende seines Präsidialjahres nicht vielleicht wieder an den Genfersee zurückziehen könnte.
Stefan Lanz (sla) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Er ist Bundeshausjournalist mit langjähriger Erfahrung.
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