Faktencheck – Keine Belege für Rückgang russischer Propaganda-Bots

Wegen ukrainischer Angriffe auf Datenzentren sollen weniger russische Propaganda-Bots aktiv sein. Belege dafür fehlen.
Im Internet kursiert die Behauptung, dass die Aktivitäten von russischen Propaganda-Bots zurückgegangen seien. Auslöser sollen ukrainische Angriffe auf Datenzentren des russischen Suchmaschinenanbieters Yandex sein – ein russisches Pendant zu Google.
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski schrieb am Montag auf X, nach den Angriffen seien weniger Bots in sozialen Netzwerken aktiv gewesen. Ähnliches suggerierte ein tschechischer EU-Parlamentsabgeordneter auf X: Die Online-Aktivitäten der AfD seien schlagartig zurückgegangen. Dazu teilte er eine irreführende Datenvisualisierung, die das belegen soll.
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Bild 1 von 2. Der Beitrag des tschechischen EU‑Parlamentariers Tomas Zdechovsky auf X wurde inzwischen 4.2 Millionen Mal angezeigt. Bildquelle: Screenshot X/Tomas Zdechovsky.
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Bild 2 von 2. Rauchwolke über einem Datenzentrum von Yandex. (8.10.2026). Bildquelle: Reuters/Social Media.
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Die Grafik weist grosse Unstimmigkeiten auf – das hat bereits das Faktencheck-Team des Bayerischen Rundfunks (BR) berichtet. Laut Überschrift zeigt die Grafik «tägliche Aktivität über 3 Monate», ohne jedoch konkret zu benennen, um welche Aktivität es geht oder wen diese betrifft. Eine Quelle für die Daten ist nicht angegeben.
Auffällig ist auch, dass das Liniendiagramm am 15. Oktober endet, also an einem Datum in der Zukunft. Gemäss BR kursierte die Grafik erstmals am 11. Oktober. Unstimmigkeiten zeigen sich auch bei der Formatierung der Achsen.
Bots nicht per se problematisch
Im Zusammenhang mit dem angeblichen Rückgang russischer Propaganda-Bots kursierten im Netz Daten des IT-Unternehmens Cloudflare, allerdings fehlinterpretiert. Cloudflare betreibt unter anderem Schutzmechanismen für Webseiten. Zahlen des Unternehmens zeigen, dass die Bot-Aktivitäten aus einem Yandex-Netzwerk nach einem Drohnenangriff zurückgegangen sind.
Gegenüber der BBC gab Cloudflare aber an, dass die Daten alle automatischen Internetabfragen umfassen würden. Darunter seien auch Bots, die für Suchmaschinen wie Yandex Webseiten indexieren – sogenannte Crawler. Das ist ein gängiger und harmloser Einsatz von Bots im Internet. Der Rückgang habe «nicht unbedingt mit dem Verhalten von Bots auf sozialen Netzwerken zu tun», sagte Cloudflare der BBC.
Experten sehen keinen Rückgang
D-Team, eine Gruppe, die russische Einflusskampagnen im Internet beobachtet, sieht keine Veränderung bei der Aktivität von Propaganda-Bots. Die Forscher sagten der BBC, der Internetverkehr bekannter russischer Konten und Bot-Netzwerke habe sich nicht verändert.
Auch Valdemar Osted vom dänischen Beratungsunternehmen Common Consult sieht keine Anzeichen für einen Rückgang der Bot-Aktivitäten. Gemäss eigenen Angaben überwacht das Unternehmen die Facebook-Aktivitäten europäischer und amerikanischer Politiker. Bei AfD-Politikern in Deutschland und Maga-Exponenten in den USA hätten sich die Interaktionen mit ihren Facebook-Beiträgen nach den Drohnenangriffen nicht verändert.
Fazit: Für die Behauptung, dass die Aktivitäten von russischen Propaganda-Bots aufgrund eines ukrainischen Angriffs in sozialen Netzwerken zurückgegangen seien, fehlen Belege. Eine in diesem Zusammenhang oft geteilte Datenvisualisierung weist grosse Unstimmigkeiten auf. Auch Experten sehen keinen Rückgang.
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