Familienvater und Hardliner: So tickt Thomas Aeschi

- Elf Jahre nach seiner Niederlage gegen Guy Parmelin will Thomas Aeschi nun dessen Nachfolger werden.
- Der 47-jährige SVP-Fraktionschef gilt als fleissig und dossierfest, sorgte aber auch für Kontroversen.
- Mit Bundesrat Martin Pfister sitzt ausserdem schon ein Zuger in der Landesregierung, was ein Hindernis für Aeschi werden könnte.
Thomas Aeschi wagt einen zweiten Versuch, Bundesrat zu werden. Das hat er nach einer zusätzlichen Bedenkzeit von zwei Wochen gegenüber dem «SonntagsBlick» verkündet.
2015 verlor der damals erst 36-jährige Wunschkandidat von SVP-Übervater Christoph Blocher gegen den Waadtländer Weinbauern Guy Parmelin. Nun bewirbt sich Aeschi um dessen Nachfolge. Dafür muss er als Mitglied der Findungskommission in den Ausstand treten.
Steile Politkarriere und hartnäckige Fraktionsführung
In den elf Jahren nach Parmelins Wahl, legte der Zuger Hardliner einen steilen Aufstieg hin: Seit 2016 ist er Mitglied der Parteileitung, seit 2017 führt er die SVP-Bundeshausfraktion an. Damit steht er seit bald zehn Jahren an der Spitze der grössten Fraktion im Parlament.
Aeschi gilt parteiübergreifend als sehr fleissig und dossierfest. Politisch vertritt das SVP-Schwergewicht stramm die Parteilinie – insbesondere in Wirtschafts-, Europa- und Migrationsfragen. Zudem ist er langjähriges Mitglied der einflussreichen Wirtschaftskommission des Nationalrats.
Sein klarer Führungsstil stösst allerdings nicht überall auf Zustimmung: Minutenlang redete er während der AKW-Debatte in der Sommersession auf den Genfer Fraktionskollegen und Abweichler Daniel Sormanni ein und setzte diesen unter Druck: «Es war alles zu viel», sagte dieser später.
Familienvater und Harvard-Absolvent
Auch privat lief es rund für den inzwischen 47-Jährigen. Im Sommer 2025 heiratete Aeschi seine Valeria. Kennengelernt hat sich das Paar an einem SVP-Anlass. Valeria Aeschi war damals Gemeinderätin von Schübelbach SZ.
Ein Jahr zuvor, im Februar 2024, kam Töchterchen Julia zur Welt. «Es gibt nichts Grösseres im Leben als das eigene Kind», sagte Aeschi übers Vatersein. Von dieser Freude zeugen auch diverse Schnappschüsse auf seinem Instagram-Konto.
Beruflich hat sich der HSG- und Harvard-Absolvent als Unternehmensberater selbstständig gemacht. Ausserdem ist er Verwaltungsrat in der Helvetischen Bank von Parteikollege Thomas Matter.
Fedpol-Handgemenge und Kanti-Eklat
Der Zuger hat während seiner Polit-Karriere bereits oft für Schlagzeilen gesorgt. Vor zwei Jahren lieferte sich der SVP-Fraktionschef ein Handgemenge mit einem Fedpol-Mitarbeitenden. Dieser hatte ihm und Fraktionskollegen Michael Graber – der sich ebenfalls um Parmelins Sitz bewirbt – anlässlich des Besuchs des ukrainischen Parlamentspräsidenten den Durchgang verweigert. Ein strafrechtliches Nachspiel hatte der Eklat nicht, die zuständige Kommission entschied gegen die Aufhebung der Immunität der beiden Nationalräte.
Auch in diesen Tagen sorgt ein weiterer Auftritt von Aeschi für Kritik: Bei einer Podiumsdiskussion zu den neuen Schweiz-EU-Verträgen an einer Luzerner Kanti verliess der Politiker aus Protest den Saal. Er bemängelte, dass die Moderation zu einseitig gewesen sei und ihm, als einzigem Vertreter des kritischen Lagers, kaum Redezeit gewährt worden sei. «Ein No-Go», kritisierte die ebenfalls teilnehmende Mitte-Ständerätin Andrea Gmür-Schönenberger später den Vorfall.
Ein zweiter Zuger Bundesrat?
Solche Episoden dürften bei der Bundesratswahl eine Rolle spielen. Insbesondere auf linker Seite wird wegen solchen Vorfällen an Aeschis Eignung für die Landesregierung gezweifelt. Auf bürgerlicher Seite werden ihm hingegen durchaus Bundesratsqualitäten nachgesagt.
Neben seinen kontroversen Episoden könnte für eine allfällige Wahl in den Bundesrat auch Aeschis Herkunft zum Stolperstein werden. Er wohnt in der Gemeinde Baar im Kanton Zug – und ist damit praktisch Nachbar von Verteidigungsminister und Bundesrat Martin Pfister. So stellt sich die Frage: Wird das Parlament zwei Bundesräte aus demselben Kanton gutheissen?
Delia Bachmann (dba), Jahrgang 1993, arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Als Redaktorin im Ressort Politik berichtet sie über das Geschehen in Bundesbern.
Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.
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