Debatte in sozialen Medien: Was ist eine Frau?

Oft wird das Frau-Sein auf biologische Merkmale und als Opfer von sexualisierter Gewalt reduziert. Das ist verkürzt – und transfeindlich.
Foto: Müller-Stauffenberg/imago
E s ist mal wieder so weit. In sozialen Medien wird seit Wochen darüber diskutiert, was eigentlich eine Frau ist. Es ist ein Lieblingsthema der Rechten und Konservativen. Auslöser war dieses Mal ein Ausschnitt aus dem Podcast „The Comment Section with Drew Afualo“. In dieser Folge, die eigentlich schon im April 2025 bei Spotify erschien und in diesem Sommer noch einmal bei YouTube hochgeladen wurde, hat die Influencerin Drew Afualo eine nicht-binäre Person namens E. R. Fightmaster zu Gast.
Sie kritisiert, dass Frau-Sein oft nur auf Biologie und sexualisierte Übergriffe reduziert wird. Ganz als würden Frauen lediglich dadurch definiert, dass sie eine Gebärmutter haben und Gewalt erfahren. Es ist eine Definition, die verkürzt, aber auch transfeindlich ist.
Ein Ausschnitt aus dem Gespräch geht nun bei Tiktok viral. Und zieht selbst Monate später noch Texte und Kommentare nach sich. Nicht nur rechte und konservative cis Frauen, sondern auch sich selbst als progressiv und liberal verstehende cis Frauen kritisieren die beiden heftig. Und reproduzieren dabei selbst Transfeindlichkeit.
Die Frage ist schon eine Zumutung
An dieser Stelle möchte ich weder die Aussagen aus dem Podcast bewerten noch mich auf das Spiel einlassen und versuchen selbst eine unterkomplexe Definition vom Frau-Sein geben. Denn die Frage allein „Was ist eine Frau?“ ist eine misogyne Zumutung. Wie soll eine einzige Person darauf festgenagelt werden, was eine gesamte gesellschaftliche Gruppe sein soll? Die Frage ist schlicht nicht zu beantworten, weil zu viele Faktoren eine Rolle spielen. Das wissen die meisten Rechten vermutlich auch und stellen sie genau deswegen. Denn egal was man auf diese Frage antwortet, was eine Frau ist, Rechte werden es verdrehen und gegen einen verwenden.
Ein weiterer Aspekt, der in dieser Debatte vollkommen untergeht, ist, wieso stellt niemand die Frage: „Was ist ein Mann?“ Hier ist die Antwort ganz einfach: Weil Mann-Sein in einer patriarchalen Gesellschaft nie angezweifelt wird und einen viel sichereren Stand hat. Deshalb gibt es auch keine Debatten über trans Männer im Männersport oder Männertoiletten. Denn Männer fühlen sich dadurch nicht bedroht und haben nicht das Gefühl, dass ihnen etwas „weggenommen“ wird. Bei cis Frauen ist das anders, weil ihr Status, davon abhängt wie viel Raum ihnen das Patriarchat einräumt. Das bringt sie in eine teilweise reale Bedrohungslage. Somit verbünden sich cis Frauen mit dem Patriarchat und hetzen gegen Geflüchtete und trans Menschen.
Helfen wird ihnen das am Ende aber nicht. Denn so nutzen cis Frauen die gleichen Mittel, mit denen sie selbst bekämpft werden. Produktiver wäre es, sich mit trans Frauen zu solidarisieren und gemeinsam gegen das System zu kämpfen, was uns alle unterdrückt. Und da lohnt es sich nicht zu fragen: Was ist eigentlich eine Frau?
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