«Ich war wie tot»: Ex-GNTM-Kandidatin offenbart Traumata in Buch

- Die Ex-«GNTM»-Kandidatin Sara Kulka (36) wurde als Kind jahrelang von ihrem geistig behinderten Onkel missbraucht.
- Darüber und mehr schreibt sie in ihrem Buch «Das Mädchen, das ich retten musste».
- Ihre Mutter erfuhr erst vor drei Jahren davon, den Onkel zeigte Kulka nie an.
Sara Kulka hat ein erschütterndes Buch über ihre Kindheit geschrieben mit dem Titel «Das Mädchen, das ich retten musste». «Ich bin durch eine Vergewaltigung entstanden», schreibt die 37-Jährige darin etwa. Ihre Mutter habe versucht, die Schwangerschaft mit Sara vorzeitig zu beenden. «Sie trank irgendwelche Tees und Öle und sie badete heiss, aber nichts führte zu einer Fehlgeburt.» In ihrem Buch schreibt Kulka ausserdem über den sexuellen Missbrauch durch ihren eigenen Onkel und ihr jahrelanges Schweigen.
Aufgewachsen ist Kulka mit ihren Grosseltern im polnischen Dorf Zielonczyn. Mit sechs Jahren holte ihre Mutter sie nach Leipzig. Ein schmerzhafter Neuanfang: Sie sprach kein Deutsch, wurde ohne Essen in die Schule geschickt, in ihrer Klasse gemobbt. «Ich habe mit elf angefangen zu rauchen, mit zwölf zu kiffen, mit 13, 14 mit Ecstasy und Speed und mit 15 war ich schon Crystal-Meth-abhängig.» Die wahre Hölle wartete aber zu Hause auf sie: Wenn ihre Mutter nicht als Kellnerin arbeitete, schlief sie lange. Ihr geistig behinderter Onkel sollte währenddessen auf sie und ihren Halbbruder Fabian aufpassen. Stattdessen vergewaltigte er seine Nichte, als sie acht Jahre alt war.
Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?
Hier findest du Hilfe:
Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter
Clickandstop.ch, Online-Meldestelle der Stiftung Kinderschutz Schweiz
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio, Beforemore und bei den UPK Basel.
«Die Tür sprang auf, mein Onkel stand vor mir»
Einige Zeilen im Buch sind kaum zu ertragen. An einem Tag, den Sara nie vergessen wird, lag sie in der Badewanne.
«Die Tür sprang auf, mein Onkel stand vor mir. Vor Schreck blieb mir fast die Luft weg. Ohne etwas zu sagen, hockte er sich neben die Wanne, tauchte eine Hand ins Wasser und schob einen Finger in mich hinein. Es tat weh. Ich sollte ihn auch berühren. Er hatte seine Hose heruntergelassen, die Unterhose gleich mit. Ich wollte nicht, aber sein finsterer Blick machte mir Angst. Ich war nicht ich. Ich war tot. Auch beim nächsten Mal war ich tot. Und beim übernächsten Mal. Wenn ich sagte, dass er verschwinden solle, wurde er aggressiv, schüttelte mich und fluchte auf Polnisch.»
«Meine Mutter möchte von all dem am liebsten nichts hören»
Sara Kulka wurde nach eigener Aussage drei Jahre lang vergewaltigt und missbraucht. Auch ihr Halbbruder habe von ihrem Onkel Gewalt erfahren. Irgendwann habe sie ihren ganzen Mut zusammengenommen, ging zu ihrer Mutter und verriet ihr, dass der Onkel Fabian schlug. «‹Bitte, Mama, schick ihn weg›, flehte ich sie an. Kein Wort darüber, was er mir angetan hatte, und meine Mutter stellte keine Fragen.» Er musste seine Sachen packen und verschwand. Der Albtraum hörte auf.
«Meine Mutter möchte von all dem am liebsten nichts hören», sagt Sara zu «Bild». Erst vor drei Jahren erzählte sie ihrer Mutter von den Vergewaltigungen in ihrer Kindheit. «Anfangs konnte sie mir nicht so richtig glauben. Ich musste es ihr immer wieder erzählen, bis sie langsam begann zu verstehen, was mir damals angetan worden war.»
Sie zeigte ihren Onkel nie an
Kulkas Onkel lebt noch. Vor zwei Jahren ist sie ihm wieder begegnet. «Ich habe ihm unmissverständlich klargemacht, dass er niemals wieder einem Kind etwas antun darf. Ich habe ihm meine ganze Wut gezeigt», schreibt Kulka. Danach gab es nie wieder Kontakt.
Sie hat ihren Onkel nie angezeigt. «Mir war bewusst, dass mein Onkel geistig beeinträchtigt ist und ein Gerichtsverfahren bedeutet hätte, mich erneut mit all den schmerzhaften Erinnerungen und Traumata meiner Kindheit auseinanderzusetzen.» Ein solcher Prozess hätte sich möglicherweise über Jahre hingezogen. Dafür fehlte ihr damals schlichtweg die Kraft, sie litt damals an einer Depression.
Nun geben ihr ihre Kinder Kraft. Sie seien es gewesen, die ihr zum ersten Mal bedingungslose Liebe gezeigt hätten: «Ich dachte immer, das schönste Gefühl ist, zu lieben. Aber das schönste Gefühl ist, geliebt zu werden.»
Was braucht es deiner Meinung nach am meisten, damit Kinder besser vor Gewalt geschützt sind?
Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?
Hier findest du Hilfe:
Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Stella Regenscheit (str), arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im People-Ressort.
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