Verzicht auf Reifenwechsel – Ganzjahresreifen im Trend – was dafür und was dagegen spricht

Darum geht es: Immer häufiger werden in der Schweiz, aber auch europaweit Ganzjahresreifen gekauft. Dies zeigen Zahlen des Branchenverbands der europäischen Reifenhersteller. Seit zehn Jahren sind die Marktanteile von Sommer- und Winterreifen europaweit rückläufig – die Verkäufe von Ganzjahresreifen hingegen nehmen zu. Innerhalb von zehn Jahren hat sich das Absatzvolumen auf 49 Millionen verkaufte Reifen versechsfacht.
Die Gründe: Dass die sogenannten «Allwetterreifen» immer beliebter werden, hat unter anderem mit den milden Wintern der letzten Jahre zu tun. «Das ist sicher einer der Gründe», sagt Adrian Burkhard, Garagist im bernischen Niederbipp .«Durch unsere milden Winter ergibt sich überhaupt erst die Möglichkeit, so zu fahren.» Doch auch die technische Entwicklung trägt zu diesem Trend bei: Neben den groben Winterpneus und den Sommerreifen mit drei Spurrillen zeichnen sich moderne Ganzjahresreifen durch ein geschwungenes Griffprofil für jedes Wetter aus. Nicht zuletzt stiegen auch die Kosten für das Wechseln von Sommer- auf Winterbereifung inflationsbedingt.
Das spricht für Ganzjahresreifen: «Ganzjahresreifen eignen sich für Autofahrer, die nur wenige Kilometer fahren und primär in städtischen Gebieten unterwegs sind, wo Schnee selten ist», sagt Marco Wölfli, Mediensprecher von TCS. Auch der grösste Mobilitätsclub der Schweiz beobachtet eine Zunahme von Ganzjahresreifen. Wer sich für diese Reifen entscheidet, sollte darauf achten, dass sie über ein Schneeflockensymbol verfügen, so Wölfli. «Das bedeutet, dass die Reifen als Winterreifen anerkannt sind.»
Das spricht gegen Ganzjahresreifen: Die Wahl eines Ganzjahresreifens müsse in erster Linie zum eigenen Fahrprofil passen, sagt Wölfli. «Für Autofahrer, die viel auf der Autobahn, bei hohen Temperaturen oder in die Skiferien unterwegs sind, sind spezielle Sommer- und Winterreifen in der Regel nach wie vor die beste Wahl.» Auch Garagist Burkhard empfiehlt Autofahrenden, die oft in höheren Lagen unterwegs sind oder überdurchschnittlich viele Kilometer fahren, keine Ganzjahresreifen.
Bei Ganzjahresreifen werden die Gummimischung, das Profil und die Lamellen so entwickelt, dass der Reifen bei unterschiedlichen Temperaturen und Wetterbedingungen möglichst gut funktioniert.
Die Gummimischung ist so ausgelegt, dass der Reifen auch bei höheren Temperaturen ausreichend stabil bleibt – und bei tiefen Temperaturen ausreichend elastisch. Die Profilrillen leiten Wasser und Schneematsch ab und verbessern so die Haftung auf nasser Fahrbahn. Selbstblockierende Lamellen stützen sich bei Belastung gegenseitig ab. Dadurch bleiben die Profilblöcke beim Bremsen und Lenken auf trockener Strasse stabil. Im Winter sorgen die Kanten der Lamellen für zusätzlichen Grip, indem sie sich mit dem Schnee verzahnen.
Nicht alle Ganzjahresreifen sind mit selbstblockierenden Lamellen ausgestattet. Jedoch verwenden die meisten Reifenhersteller mittlerweile diese Schlüsseltechnologie.
Worauf man beim Kauf von Ganzjahresreifen achten sollte: «Ganzjahresreifen sind immer ein Kompromiss zwischen den verschiedenen Anforderungen», sagt Wölfli. Der neuste TCS-Test hat gezeigt, dass die Unterschiede gerade beim Bremsverhalten gross sind. «Es empfiehlt sich, einen Ganzjahresreifen zu wählen, der mindestens die Bewertung ‹empfehlenswert› im Test erhalten hat.» Wichtig ist auch, dass der Reifen im Sommer drei Millimeter und im Winter vier Millimeter Profiltiefe hat.
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