Dein Apfel glänzt wie Plastik? Das steckt dahinter

Glänzend und schon fast ein bisschen künstlich: Vor allem in amerikanischen Supermärkten, aber auch hierzulande sehen Äpfel manchmal so aus, als hätte man sie poliert. Wer mit einem Messer über die Schale fährt, kann teilweise eine weissliche, wachsartige Schicht abkratzen. In den sozialen Medien sorgt genau das derzeit für Aufregung.
Content-Creatorin Kait bezeichnet sich auf Tiktok als «Apple Girl» und erklärt, dass sich selbst angebaute Äpfel und solche aus dem Supermarkt in diesem Punkt kaum unterscheiden. Äpfel aus dem Handel können zusätzlich mit einer Wachsschicht behandelt werden, sagt sie. Diese soll die Früchte vor dem Austrocknen schützen, ihre Haltbarkeit verlängern und sie widerstandsfähiger für Lagerung und Transport machen.
«Ist das etwa Allgemeinwissen?»
In den Kommentaren zeigt sich schnell, dass diese Information nicht allen bekannt ist. Eine Person fragt überrascht: «Ist das etwa Allgemeinwissen?» Andere zeigen sich begeistert von der Erklärung und bedanken sich: «Das ist superinteressant! Danke, dass du mir etwas Neues beigebracht hast.»
Auf das Waschen wollen einige trotzdem nicht verzichten, allerdings weniger wegen des Wachses. «Mir wurde immer beigebracht, Obst grundsätzlich abzuspülen. Wer weiss, wer es im Laden vorher mit schmutzigen Händen angefasst hat …», schreibt eine Person.
Stört dich die Wachsschicht auf Äpfeln?
Dass die Wachsschicht Äpfel länger haltbar macht, wirft in den Kommentaren auch die Frage auf, wie lange die Früchte vor dem Verkauf lagern. «Viele Äpfel aus dem Supermarkt sind schon fast ein Jahr alt», behauptet eine Person. Auch in der Schweiz überbrückt man mit langer Lagerung die Zeit bis zur nächsten Ernte: Die Haupterntezeit liegt von August bis Oktober, und dank spezieller Techniken können Äpfel laut Fachleuten acht bis zehn Monate nach der Ernte noch frisch sein.
Es gibt zwei Arten von Wachs auf Äpfeln
Das Wachs auf Äpfeln ist zunächst einmal nichts Ungewöhnliches: Nahezu alle Apfelsorten bilden von Natur aus eine Wachsschicht auf ihrer Schale. Wie ausgeprägt diese natürliche Schutzschicht ist, hängt auch von der Lagerung, dem Reifegrad und der Sorte ab. Jonagold etwa bildet eine dickere Wachsschicht, während sie bei Elstar, Boskop oder Cox Orange dünner ausfällt.
Aus manchen EU-Ländern oder weiteren Staaten wie den USA importierte Äpfel können laut «Stern» eine zusätzlich aufgetragene Wachsschicht haben. Dafür kommen Bienen- und Carnaubawachs sowie Schellack zum Einsatz. Wie sieht das Ganze in der Schweiz aus?
Schweizer Äpfel glänzen auch ohne künstliches Wachs
Sandro Rüegg vom Schweizer Obstverband winkt ab: «In der Schweiz produzierte Äpfel werden nicht künstlich gewachst. Bei gewissen Sorten kann sich im Laufe der Lagerung auf natürliche Weise ein feiner, leicht wachsig wirkender Film auf der Schale bilden.»
Diese Wachsschicht bilde sich durch den natürlichen Stoffwechsel des Apfels. Sie wirkt wie eine Schutzbarriere, die verhindert, dass die Frucht zu viel Feuchtigkeit verliert. «Dadurch bleibt die Frucht länger knackig und trocknet weniger schnell aus», erklärt Rüegg.
Über den Experten
Doch wenn die natürliche Wachsschicht unbedenklich ist, warum sorgt sie bei Konsumentinnen und Konsumenten überhaupt für Misstrauen? Rüegg hat eine Vermutung: «Vielfach fehlt den Konsumentinnen und Konsumenten das Wissen, dass gewisse Apfelsorten ihre schützende Wachsschicht selbst bilden. Aus unserer Sicht ist deshalb eine sachliche Aufklärung wichtig.»
Wer die Wachsschicht trotzdem als unangenehm empfindet, kann sie zumindest teilweise abreiben: «Da Wachs nicht wasserlöslich ist, lässt sich der Film durch blosses Waschen mit Wasser nicht entfernen.» Rüeggs Tipp ist unkompliziert: «Wer ihn als störend empfindet, kann den Apfel einfach mit einem trockenen Tuch abreiben.»
Wusstest du, dass Äpfel von Natur aus eine Wachsschicht haben?
Yasmina Al Dubai (yad), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juni 2026 bei 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Lifestyle-Ressort.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
