Region Interlaken – Zu viele Heliflüge: Verfahren gegen Flugplatzleiter

Was ist passiert? Auf dem Heliport Gsteigwiler im Berner Oberland hat das Luftfahrtunternehmen Swiss Helicopter zu tiefe Flugbewegungen ausgewiesen. Der Flugplatzleiter, der bei Swiss Helicopter angestellt ist, soll dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) über Jahre zu tiefe Zahlen gemeldet haben. Das heisst, es starteten und landeten mehr Helikopter, als beim Bund gemeldet wurden. Deshalb läuft nun gegen den Flugplatzleiter ein Verwaltungsstrafverfahren. Die Tamedia-Zeitungen haben als erste darüber berichtet.
Wie gross sind die Abweichungen? Maximal 3000 sogenannte Flugbewegungen sind vom Heliport Gsteigwiler aus pro Jahr bewilligt. Start und Landung zählen jeweils einzeln als Flugbewegung. Laut Berechnungen einer Interessengemeinschaft (IG) von Anwohnenden habe es im Jahr 2025 rund 8100 Flugbewegungen gegeben.
Das ist zwar keine maximale Lärmbelastung, aber es ist eine permanente Belastung mit Helikopterlärm.
Wie kam die Differenz ans Licht? Einheimische beklagten sich beim Bazl über den Lärm der Helikopterflüge und vereinigten sich in einer Interessengemeinschaft. Weil sie vermuteten, dass es mehr Flugbewegungen gibt als die bewilligten 3000, haben sie während zweier Monate die Flugdaten aus dem Onlineportal Flightradar ausgewertet. Dabei kamen sie auf die 8100 Flugbewegungen. «Wir haben vor allem ein Problem mit den Skydive-Flügen», sagt der Sprecher der IG, Kurt Feuz. Die Helikopter würden in Gsteigwiler starten, stiegen in kurzer Zeit auf 4000 Meter über Meer und landeten nach wenigen Minuten wieder. «Das ist zwar keine maximale Lärmbelastung, aber es ist eine permanente Belastung mit Helikopterlärm», sagt Feuz.
Weshalb hat das Bazl die Differenz nicht festgestellt? Das Bundesamt für Zivilluftfahrt kontrolliere regelmässig, ob die gelieferten Zahlen die Kontingente einhalten, sagt der Bazl-Mediensprecher Antonella Laveglia: «Wir erheben aber selbst keine Daten, deshalb sind wir auf die Daten angewiesen, die uns gemeldet werden.»
Gegenüber Behörden, der Gemeinde und der Bevölkerung wurde über Jahre ein falsches Bild zum tatsächlichen Umfang des Flugbetriebs ... abgegeben.
Was sagt Swiss Helicopter? Das Luftfahrtunternehmen bedauert, dass die rapportierten Bewegungszahlen unter den tatsächlich durchgeführten Flugbewegungen lagen. Man habe gegenüber Behörden und Bevölkerung «über Jahre ein falsches Bild zum tatsächlichen Umfang des Flugbetriebs auf dem Heliport Gsteigwiler und der daraus resultierenden Lärmbelastung abgegeben», heisst es in einer Stellungnahme von Swiss Helicopter, die SRF vorliegt. Die Zahl von rund 8000 Flugbewegungen könne man nicht nachvollziehen, da man keine eigenen Aufzeichnungen habe. Aber, «die Zahl scheint uns bedeutend zu hoch», heisst es weiter.
Wie geht das Unternehmen mit den Flugbeschränkungen derzeit um? Damit Swiss Helicopter das Kontingent einhalten kann, starten und landen die Helikopter seit April auch auf Wiesen ausserhalb des offiziellen Landeplatzes. Das sei luftfahrtrechtlich zulässig, schreibt das Unternehmen weiter. Man versuche aber, diese Aussenlandeplätze nur dann zu nutzen, wenn es «betrieblich notwendig» sei. Dieses Vorgehen passt der Interessengemeinschaft nicht. Sprecher Kurt Feuz erklärt: «Die Helikopter starten und landen einige hundert Meter neben dem Heliport, aber der Lärm über dem Wohn- und Erholungsgebiet bleibt derselbe.» Das Bazl wiederum sagt, das Ausweichen auf Aussenlandeplätze sei legal. Allerdings werde zurzeit diskutiert, ob die Kontingente für Flugbewegungen in Gsteigwiler erhöht werden sollen.
Datawrapper-ChartsGsteigwiler neben dem Touristenhotspot Interlaken locator-map12.10.2026, 16:17:36
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 12.10.2026, 6:31 Uhr ; swak; aegw;brus
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.