Fußball der Männer: Die schnelleren Beine

Minikrise passé: Der FC Bayern ist gegen Leipzig im Samstagabendspiel in allen Belangen überlegen und gewinnt mit 6:1.
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Es ist nicht bekannt, wie Lukas Klostermann den Rest des verkorksten Wochenendes verbrachte, nach der Rückreise aus München. Oder schon vorher, nachdem der Außenverteidiger von RB Leipzig ausgewechselt worden war, man kann auch sagen: erlöst von seinem Trainer Martin Demichelis. Vermutlich war Klostermann erst einmal beschäftigt, seine Beine zu sortieren und die Knoten zu lösen, die er sich im Duell mit Luis Díaz eingehandelt hat.
Dabei kann man eigentlich nicht von Duell sprechen, denn er hat bis zu seiner Auswechslung nach einer Stunde nicht einen Zweikampf gewonnen an diesem Samstagabend in der Münchner Arena. Gefühlt hat allerdings kein Leipziger bis zur Nachspielzeit irgendeinen Zweikampf gegen einen Spieler des FC Bayern gewonnen, aber bei Klostermann war es auch deshalb so auffällig, weil Díaz drei Tore erzielte beim 6:1-Sieg der Münchner – und Chancen auf mindestens drei weitere Treffer vergab.
Nun ja, Demichelis hatte den 30‑Jährigen auch nicht wegen besonders flinker Beine aufgestellt, sondern unter anderem wegen dessen Kopfballstärke, wie der Argentinier vor dem Spiel erklärt hatte. Darauf, und das ist keine neue Erkenntnis, kommt es gegen den nicht unbedingt riesigen Díaz aber weniger an als auf Schnelligkeit in den Beinen und vor allem aggressives Abwehrverhalten, das beim RB Leipzig an diesem Tag komplett fehlte. Sportchef Marcel Schäfer nannte es „ein komplettes Versagen von uns in allen Bereichen.“
Zu Beginn dieser Saison wäre es Klostermann womöglich nicht ganz so übel ergangen, denn da hatte Díaz eine Formkrise. Er lief zwar viel und schnell, aber verlor oft den Ball, traf falsche Entscheidungen und stellte sich vor dem Tor etwas ungeschickt an. Der 29-Jährige wirkte überspielt nach einer „überragenden Saison mit knapp 50 Scorerpunkten“ (Sportvorstand Max Eberl) und der Weltmeisterschaft, bei der es Kolumbien ins Achtelfinale geschafft hatte. Deshalb entschied er zusammen mit Bayern-Trainer Vincent Kompany, auf die Länderspiele Ende September und Anfang Oktober zu verzichten und stattdessen einen Kurzurlaub einzuschieben. „Die Pause hat ihm gutgetan“, sagte Eberl.
Läufe in die Tiefe
Durch Díaz' kleine Krise hatte die Balance in der Offensive zuletzt nicht immer ganz gepasst. Während die Bayern oft über rechts ein Überzahlspiel kreieren, dort Michael Olise, Konrad Laimer und Joshua Kimmich kombinieren, ergeben sich links mehr Räume, die bestenfalls Díaz nutzt. Auch mit Blick auf Mittwoch, auf das Champions-League-Spiel gegen den Vorjahres-Finalisten FC Arsenal, sei Díaz, findet Eberl, „unglaublich wichtig mit seinen Läufen in die Tiefe und wegen der Spielverlagerung bei uns“.
Aber nicht nur dem flinken und erholt wirkenden Kolumbianer hat es der FC Bayern zu verdanken, dass dieser Hauch von Krise, der nach zwei sieglosen Spielen in Augsburg und Stavanger den Meister umwehte, wie weggeblasen ist. „Die Mannschaft hat die Reaktion, die wir brauchen“, sagte Eberl. Sorgen bereitet den Münchnern vor dem Heimspiel gegen den FC Arsenal allenfalls der Trainer. Vincent Kompany hat sich laut Eberl einen Virus eingehandelt, obendrein plagen ihn noch Hüftprobleme, sodass er fast das gesamte Spiel auf der Bank sitzen blieb und das Coachen weitgehend seinen Assistenten überließ.
Nach der Partie, das verriet Harry Kane, war er zwar noch kurz in der Kabine. Kompany sei „glücklich und sehr stolz auf die Leistung“ gewesen, sagte der Stürmer, der in seinem 100. Bundesligaspiel sein 102. Tor erzielte. Aber die Pressekonferenz überließ der Trainer dann dem Sportvorstand, der verkündete, dass der Trainer am Mittwoch auf jeden Fall dabei sein werde, aber „welche Rolle er spielt, das kann ich noch nicht sagen“.
Womöglich wäre sowohl ein weiteres Spiel, das Kompany nur sitzend verfolgen kann, als auch die dritte Partie hintereinander ohne den angeschlagenen Torhüter Manuel Neuer, der ja fehlerfrei von Jonas Urbig vertreten wird, nicht so schwerwiegend, wie dies der Ausfall des gesperrten Michael Olise ist.
Der Franzose mag mit seinem einen Treffer gegen Leipzig ein wenig im Schatten von Díaz gestanden sein, aber er bewies, dass er sich durch den Platzverweis in Norwegen, seinen Aussetzer, nicht hat irritieren lassen. „Wenn einer deiner besten Spieler fehlt, dann merkst du das natürlich“, sagte Kane. „Aber dann müssen am Mittwoch eben andere einspringen.“ Díaz hat sich für diese Rolle schon empfohlen.
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