Abstimmung Kanton Graubünden – Nein zum Stimmrechtsalter 16: «Eine verpasste Chance» für Junge

Abstimmung Kanton Graubünden Nein zum Stimmrechtsalter 16: «Eine verpasste Chance» für Junge
Glarus bleibt der einzige Kanton in der Schweiz mit Stimmrechtsalter 16 ab. Das Bündner Nein fällt deutlich aus.
- Die Bündner Stimmbevölkerung will kein Stimmrechtsalter 16. Das Schlussresultat: 67.4 Prozent der Stimmenden legten ein Nein in die Urne.
- Parlament und Regierung hatten sich noch für ein Stimm- und Wahlrecht für Jugendliche ausgesprochen.
- Glarus bleibt der einzige Schweizer Kanton mit dem aktiven Stimm- und Wahlrecht für Jugendliche.
Kanton Graubünden: Teilrevision der Verfassung des Kantons Graubünden
-
JA
32.6%
20'803 Stimmen
-
NEIN
67.4%
43'049 Stimmen
Es war nicht der erste Anlauf für ein aktives Stimm- und Wahlrecht für Bündner Jugendliche. 2007 und 2009 lehnte das Bündner Parlament entsprechende Vorstösse ab. Dieses Mal fand das Anliegen im Rat eine Mehrheit – und kam vors Volk. Doch dieses legte nun sein Veto ein. Sämtliche Gemeinden lehnten das Begehren ab.
Eingereicht hatte den Vorstoss Mitte-Grossrat Gian Andris Derungs auf Wunsch der Jugendsession Graubünden. Die Bündner Regierung empfahl der Stimmbevölkerung noch, ein Ja in die Urne zu legen.
Regierungspräsident Martin Bühler sieht die Gründe für dieses Nein vor allem in der Sachlichkeit, wie er zum Regionaljournal Graubünden von Radio SRF sagt: «Zivilrechtliche und politische Mündigkeit wäre nicht mehr gleich gewesen.»
Gegenwind von der SVP
Bei der Parlamentsabstimmung kamen die Nein-Stimmen grösstenteils aus dem SVP‑Lager. Mit 16 Jahren fehle die politische Reife, zudem seien die Jugendlichen einer grösseren Gefahr ausgesetzt, beeinflusst zu werden – etwa durch soziale Medien.
Die Mehrheit des Bündner Parlaments sah in der Vorlage die Chance, der Überalterung der Gesellschaft entgegenzuwirken und junge Menschen früher mitgestalten zu lassen. Regierungspräsident Bühler sagt: «Ich war in vielen Berufsschulen und Gymnasien, um über politische Beteiligung zu reden. Das Interesse und die Differenziertheit war sehr hoch.»
Hätte die Bündner Stimmbevölkerung die Vorlage angenommen, hätten ab 2027 rund 3000 Jugendliche mitbestimmen. Mit diesem klaren Nein an der Bündner Urne zum Stimmrechtsalter 16 bleibt Glarus der einzige Kanton, der ein Stimmrechtsalter 16 kennt.
Für Regierungspräsident Martin Bühler ist die Diskussion über ein tieferes Stimmrechtsalter mit diesem Ergebnis beendet. Gleichwohl müsse Graubünden angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft die Jungen dazu bringen, das politische System mitzutragen. «Dass wir mehr mit statt über junge Menschen reden, sind wir ihnen schuldig», sagt Bühler.
Zu wenig Abstimmungskampf?
Von einer verpassten Chance spricht man bei den Jungen selbst. Naomi Bundi, Vorstandsmitglied der Jugendsession Graubünden, sagt: «Die Politik des Kantons Graubünden hat die Chance verpasst, attraktiver für Jüngere zu werden und sich gegenüber den Jüngeren zu öffnen.»
Die Jungen hätten vielleicht zu wenig Abstimmungskampf betrieben, gibt sich Bundi selbstkritisch: «Aber: Wir haben mit diesen Ressourcen gearbeitet, die wir hatten.» Das Resultat gelte es zu akzeptieren, immerhin hätten sich die Bündnerinnen und Bündner mit dem Thema auseinandergesetzt.
Abstimmungsdossier
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