The Daily Newsstand · Free, Always
Friday, September 11, 2026

Piz Languard im Engadin – Wie der «König der Schweiz» in Vergessenheit geriet

Translate

Früher sei er bekannt gewesen, sagt Naturwissenschaftler Gian-Reto Walther. Heute scheint er in Vergessenheit geraten und ist nur noch passionierten Berggängerinnen und Berggängern ein Begriff: der Piz Languard – ein 3263 Meter hoher Berg bei Pontresina GR, der eine spektakuläre Fernsicht bietet und verhältnismässig einfach zu erreichen ist.

Zwei Berglandschaften, links eine Zeichnung, rechts ein Foto mit Bäumen.
Legende: Links ein Stich des Piz Languard aus dem 19. Jahrhundert, rechts ein aktuelles Bild. E. Lechner (1858), W. Georgy, A. Neumann / Gian-Reto Walther

Walther, der selbst schon mehrmals auf dem Gipfel war, hat ein Buch geschrieben, das die Geschichte des Berges und Geschichten rund um den Berg erzählt. Es fallen Begriffe wie «Eiffelturm der Alpen», «König der Schweiz» oder «Zeigefinger Gottes». Der berühmteste Berg der Schweiz, das Matterhorn, wurde einst gar als «Piz Languard von Zermatt» bezeichnet.

Man kam ohne Steigeisen hoch.

Was hat es mit diesem Berg auf sich? Warum geriet er in Vergessenheit? Und was hat das britische Königshaus mit dem Berg zu tun? Die Antworten zu all diesen Fragen ergründet der Autor.

Dass der Berg gerade im 19. Jahrhundert eine enorme Bekanntheit erlangte, sei seiner Einfachheit geschuldet gewesen, sagt Gian-Reto Walther: «Man kam ohne Steigeisen hoch. Und die Rundsicht hat sich herumgesprochen. Man kam selten so einfach auf einen solch hohen Berg mit solch fantastischer Aussicht.»

Tochter von Königin Victoria erklomm den Gipfel

Das zog die Bergsteigerinnen und Bergsteiger an – in einer Zeit, in der der Alpinismus zu einer elitären Freizeitbeschäftigung wurde. So bestieg einst Alice von Grossbritannien und Irland, das dritte Kind der britischen Königin Victoria, den Piz Languard.

Walther erzählt: «Ich habe ein Buch gefunden: Briefe der Prinzessin Alice an ihre Mutter Königin Victoria. Und in einem der Briefe beschrieb sie, wie es ihr beim Aufstieg auf den Piz Languard ergangen war. Sie litt sehr, hatte einen Sonnenbrand im Gesicht und beide Füsse voller Blasen. Ihr Fazit im Brief: Einmal reicht.»

Wichtig war der Piz Languard auch für die Landesvermessung in früheren Tagen. Noch heute zeugt der Triangulationspunkt auf dem Gipfel davon. Das sind die Eisenpyramiden, die noch vereinzelt auf Gipfeln stehen. «Die Pyramiden auf dem Niesen und auf dem Piz Languard waren die ersten. Jene auf dem Niesen ist weg, jene auf dem Piz Languard nicht.»

Pläne für eine Zahnradbahn verworfen

Für das Buch sammelte Gian-Reto Walther fast zwanzig Jahre lang Material. Durchforstete Archive, sichtete Postkarten oder studierte das Gästebuch der Georgy-Hütte, die etwas unterhalb des Berggipfels steht und laut eigenen Aussagen die höchste Hütte des Kantons Graubünden ist.

Tatsächlich gab es einst Pläne, eine Zahnradbahn auf den Gipfel des Piz Languard zu bauen. Dass kein Projekt realisiert wurde, könnte der Grund sein, warum der einst bedeutende Berg etwas in Vergessenheit geraten ist.

Anfang Bildergalerie

Bildergalerie überspringen

  • Bild 1 von 3. Eine kolorierte Postkarte, die aber verändert wurde: Die Holzhütte und die Leute seien wirklich auf dem Gipfel gewesen. Im Hintergrund wurde das Bild aber verändert. Bildquelle: Verlag Gebr. Wehrli, Phot. Kilchberg-Zürich.

  • Bild 2 von 3. Die Georgy-Hütte liegt etwa 80 Höhenmeter unter dem Gipfel beim Aufstieg. Laut eigenen Angaben ist sie mit 3175 m ü. M. die höchstgelegene Hütte des Kantons Graubünden. Bildquelle: Gian-Reto Walther.

  • Bild 3 von 3. Eine Postkarte der Chiamanna Georgy, der Hütte unterhalb des Gipfels. Sie stammt aus der Privatsammlung von Buchautor Gian-Reto Walther. Bildquelle: Wehrli A.-G., Kilchberg, Zürich.

Ende der Bildergalerie

Zurück zum Anfang der Bildergalerie.

Walther sagt: «Mittlerweile kann man einfacher auf andere Gipfel in der Umgebung. Es ist natürlich bequemer, diese Höhe zu erreichen, wenn irgendwo eine Bahn fährt. Beim Languard macht man alles selber.»

Der Piz Languard wird deshalb vermutlich nicht mehr an seine früheren Erfolge und Übernamen anknüpfen können. Auch wenn der etwas in Vergessenheit geratene Berg nun wieder ins Rampenlicht gerückt wird.

Regionaljournal Graubünden, 1.9.2026, 17:30 Uhr ;  ledn;fise;brus

View the original on SRF News

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.