Arbeiten auf einer SAC-Hütte – Marco Gurtner: «Mir gefällt diese Einschränkung hier oben»

Marco «Güschä» Gurtner ist 33 Jahre alt, Podcaster, Musiker und Spoken-Word-Künstler. Er hostet die Podcasts «ÜBERTRIBE MIT STIU» mit Nico Franzoni und «HerrgöttliPanaschiert» mit Mathias Schenk. «Ein grosser Teil meines Jobs findet mit Publikum statt», sagt er. Doch im Sommer tauscht er die Bühne gegen das Hüttenleben: Als Aushilfe arbeitet er auf der Terrihütte des SAC am Rand der Greina-Ebene in Graubünden.
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 3. Die Terrihütte auf 2170 Metern über Meer: Hier lebt und arbeitet Marco Gurtner in den Sommern 2025 und 2026 während mehrerer Wochen am Stück. Bildquelle: SRF.
-
Bild 2 von 3. Beim Einzug in die Terrihütte hat Marco den Job bekommen, die Kellerräume zu organisieren. Bildquelle: SRF.
-
Bild 3 von 3. Die Terrihütte in der Surselva wird von Verena Kuhle und Jochen Schirmann geführt. Das Hüttenwart-Paar leitete zuvor bereits die nur wenige Kilometer entfernte Medelserhütte. Bildquelle: SRF.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Sein Einstieg ins Hüttenleben ist die Medelserhütte. Dort hilft er 2024 rund zweieinhalb Monate aus. Seither ist er jeden Sommer dabei, inzwischen auf der Terrihütte.
Weniger Kopf, mehr Hände
Für Gurtner ist die Zeit auf der Hütte eine Art Abschalten – obwohl die Arbeit streng ist. «Ich arbeite sonst eher kreativ und darum sehr kopflastig. Das ist dort oben weniger der Fall.» Auf der Hütte macht er Betten, putzt, schnippelt und kümmert sich um Buchungen.
Die Hauptverantwortung für ein Menü überlässt er bewusst anderen. «Ich bin sonst selbstständig und trage immer die Verantwortung für alles, was ich mache», sagt er. «Darum geniesse ich es, sagen zu können: Ich mache, was ihr mir sagt, und arbeite zu.» Mitdenken müsse man trotzdem: «Man kann nicht einfach dastehen und warten, bis jemand bei mir auf einen Knopf drückt.»
«Es geht auch ohne mich weiter»
Auch die Abgeschiedenheit tut ihm gut. In der Stadt herrsche ein Überangebot: «In Bern könnte ich pro Abend an drei Events gehen.» Auf der Hütte fällt diese Möglichkeit weg. «Mir gefällt diese Einschränkung hier oben.»
Ganz abgeschnitten ist er dort oben nicht. In einer Pause sieht er auf Social Media, was er im Tal gerade verpasst. Stressen tut ihn das nicht. «FOMO habe ich zum Glück offenbar nicht», sagt Gurtner. «Ich finde dieses Gefühl sogar schön: Es geht weiter, und das hat auch ohne mich stattgefunden.»
«Ich würde es nicht jedem empfehlen»
Wer jetzt selbst von einem Sommer auf der Hütte träumt: Gurtner würde den Job nicht allen empfehlen. Er selbst hat sich die Arbeit weniger streng vorgestellt. Der Tag beginnt früh am Morgen und endet oft erst nach zehn Uhr abends. Morgen ist das Buchungstool wieder voll, übermorgen auch. «Man kann selten sagen: So, jetzt habe ich fünf Tage am Stück gearbeitet, morgen schlafe ich mal aus.»
Und noch etwas werde gern romantisiert: das Leben in der Natur. «Man denkt, man sei dann die ganze Zeit draussen. Das ist wirklich nicht so.» Den Grossteil des Tages verbringt das Team drinnen auf den Beinen.
Warmes Wasser kostet extra
Seit er selbst auf einer Hütte arbeitet, ist Gurtner auch als Gast ein anderer. Nach dem Essen stellt er die Teller zusammen und hilft beim Abräumen. Er spart Wasser, hat einen Hüttenschlafsack dabei und fragt vorher, ob er etwas von A nach B schleppen kann. Das war nicht immer so. Bei seinem ersten Hüttenbesuch fragte er nach der Dusche – und erfuhr, dass warmes Wasser sieben Franken kostet. «Ich hatte einfach nicht begriffen, dass das nicht selbstverständlich ist.» Heute weiss er, was es bedeutet, in der Höhe zu arbeiten, und was es braucht, bis die Produkte dort oben sind.
Hüttenneulingen rät er vor allem eines: offen mit dem Hüttenteam zu reden. «Ich finde es immer cool, wenn jemand kommt und sagt: Ich bin übrigens zum ersten Mal auf einer Hütte.» Die meisten, die auf Hütten arbeiten, erklären gern die Regeln. Ärgerlich findet er No-Shows: Gäste, die nicht auftauchen, hinterlassen Foodwaste und leere Betten.
Ob er nächsten Sommer wieder hinaufgeht? «Ich denke schon. Ich weiss nur nie genau, wie lange.»
Diskutieren Sie mit:
SRF bi de Lüt – Hüttengeschichten Hüttenwechsel, Wetterpech und Alphornklänge (Staffel 15, Folge 1)
Dokus & Reportagen Staffel 15 Episode 1. Laufzeit 45 Minuten.
SRF 1, SRF bi de Lüt – Hüttengeschichten, 9.10.2026, 20:10 Uhr ; stel;brus
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.