Angeklagter Influencer Clavicular: Misogynie in Form der perfekten Jawline

Looksmaxxing-Influencer Clavicular ist wegen Vergewaltigung angeklagt. Hinter dem Optimierungstrend stecken Sexismus, Rassismus und rechte Ideologien.
Ü berraschung: Ein Mann, der im Internet Frauenverachtung, rassistisches und eugenisches Gedankengut unter dem Deckmantel der Selbstoptimierung verkauft, soll seine misogynen Fantasien mutmaßlich auch offline umgesetzt haben. Der US-amerikanische Looksmaxxing-Influencer Braden Peters alias Clavicular wird in Massachusetts wegen Vergewaltigung angeklagt.
Nach Angaben der damals 17-jährigen Aleksandra Mendoza, online bekannt als Alorah Ziva, habe Peters sie bei einem Besuch im Haus seiner Familie auf Cape Cod im Mai 2025 dazu ermutigt, Alkohol zu trinken. In der Nacht habe er Sex mit ihr gehabt, obwohl sie zu betrunken gewesen sei, um einzuwilligen. Am nächsten Morgen habe er sie erneut vergewaltigt, so Mendoza. Peters äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Am 14. Oktober soll er dem Bezirksgericht Orleans vorgeführt werden.
Der Influencer gilt als wichtige Figur der Looksmaxxing-Szene. Was einst als Onlinesubkultur in den Tiefen misogyner Incel-Foren („involuntary celibate“) begann, dominiert inzwischen die For You Pages Millionen junger Nutzer*innen. Auf den ersten Blick handelt es sich um einen harmlosen Trend, bei dem es um radikale Selbstoptimierung des männlichen Erscheinungsbildes geht.
Dafür nehmen Looksmaxxer einiges in Kauf: Beim „Bonesmashing“ schlagen sie sich mit Hämmerchen auf Kiefer- oder Wangenknochen, um durch Mikrofrakturen markantere Konturen zu erreichen, beim „Hardmaxxing“ greifen sie zu kosmetischen Eingriffen und Operationen. Der 20-jährige Clavicular zeigt seinen mehr als 1 Million Followern auf Instagram und Tiktok, wie sie „aufsteigen“, also attraktiver werden können, etwa mit Steroiden zum Muskelaufbau oder Crystal Meth, um den Appetit zu unterdrücken.
Unharmonische Gesichtszüge der „Untermenschen“
Das Maxxing filmen die Influencer und laden es in den sozialen Medien hoch, wo Gesicht und Körper in völkisch-eugenischer Manier in Winkelgrade und Symmetriewerte zerlegt und nach Qualität beurteilt werden. Personen mit unharmonischen Gesichtszügen gelten in der Szene als „Untermenschen“.
Die biologistische Inszenierung des „stählernen“ Körpers geht Hand in Hand mit neofaschistischen und Alt-Right-Ideologien. Auch Braden Peters steht rechtsextremen Manosphere-Influencern wie Andrew Tate oder dem rechtsextremen US-Aktivisiten Nick Fuentes nahe. In einem Video vom Januar 2026 tanzt Peters mit rechten Influencern, darunter Tate, in einem Nachtklub zu Kanye Wests antisemitischem Song „Heil Hitler“; in den Aufnahmen sind Hitlergrüße zu sehen.
Die Fixierung auf körperliche Optimierung ist zudem durchzogen von Sexismus. Dahinter steckt die Überzeugung: Männer, die körperlich überlegen sind, haben mehr Status und Macht und können Frauen besser unterdrücken.
Die Vorwürfe gegen Peters sind bislang nicht erwiesen. Das liegt nun in der Hand von Gerichten. Doch sein Frauenhass ist öffentlich dokumentiert, Millionen Menschen ziehen ihn sich täglich rein. Patriarchale Gewalt beginnt eben nicht erst mit Vergewaltigung oder Femiziden, sondern auch schon mit Darstellungen in sozialen Medien. Damit umzugehen liegt auch in der Hand der Gesellschaft.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.