Steinzeit war auch Holzzeit – Das Zuhause der Neandertaler mit der rätselhaften Keule im Fels

Lange galten Neandertaler als die weniger raffinierten Cousins des «Homo sapiens». Dass sie geschickte Handwerker waren, weiss man allerdings schon länger. Doch wie der «Homo neanderthalensis» mit Holz arbeitete, ist kaum überliefert, denn Holz verrottet.
Im Felsdach Abric Romaní bei Barcelona hatten die Forschenden Glück. Dort lebten Neandertaler vor rund 62'000 bis 40'000 Jahren – und Kalk aus dem Wasser umhüllte ihre Holzgegenstände, während sie zerfielen. Zurück blieben Hohlräume. Mit Kunstharz ausgegossen, ergeben diese formgetreue Abgüsse der Originalobjekte.
Die Steinzeit begann mit den ältesten bekannten Steinwerkzeugen vor rund 2.6 Millionen Jahren und endete zwischen 4000 und 2000 v. Chr., als die Bronzezeit anbrach.
Ihren Namen verdankt sie den Steinwerkzeugen, die Jahrtausende überdauern. Holz dagegen verrottet meist spurlos. Dabei bearbeiteten Menschen Holz schon vor mindestens zwei Millionen Jahren, wie Gebrauchsspuren an Steinwerkzeugen zeigen.
Fachleute vermuten deshalb längst, dass unser Bild der Urzeit verzerrt ist. Schon 1985 schlug ein Fachartikel vor, dass die Jungsteinzeit angesichts der vielen Holzfunde ebenso gut «Holzzeit» heissen könnte.
Neuen Schwung bekam die Idee 2024: Damals beschrieben Forschende rund 300'000 Jahre alte Holzobjekte aus dem deutschen Schöningen.
So kamen fast 600 Holzfunde zum Vorschein. Die meisten sind Stämme, Äste oder Brennholz. Nur 13 Objekte gelten als bearbeitet, darunter eine rätselhafte Keule, für die es kaum ein Vergleichsstück gibt.
Dazu kommen Speere, Schalen aus Rinde und Stangen für einen möglichen Windschutz. Werkzeugspuren zeigen die Abgüsse allerdings kaum. Ob ein Stock bearbeitet wurde, ist deshalb nicht immer sicher. Klar ist dagegen: Holz war für die Neandertaler ein zentraler Werkstoff.
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