Debatte zum Sprachunterricht – «dialog»-Community: «Mehrsprachigkeit ist die Stärke der Schweiz»

Wie früh und wie intensiv Kinder in der Schweiz verschiedene Landessprachen lernen sollen, sorgt immer wieder für Diskussionen.
In der «dialog»-Community ist die Haltung klar: Das Erlernen der Landessprachen in der Primarschule muss intensiviert werden. 69 Prozent der Userinnen und User wünschen sich das gemäss einer nicht repräsentativen Umfrage.
Besonders deutlich ist die Zustimmung in der Romandie mit 80 Prozent, gegenüber 63 Prozent in der Deutschschweiz.
Für viele geht es dabei um mehr als nur Schulstoff. «Es ist vor allem eine Frage des nationalen Zusammenhalts», schreibt etwa die Userin mit dem Pseudonym «Chroniqueur Indépendant». «Das Erlernen der Landessprachen erscheint mir in einem Land, das über vier davon verfügt, als grundlegend. Die Beherrschung einer Sprache bedeutet auch, Zugang zu einer Kultur zu erhalten.»
Die Mehrsprachigkeit ist die Stärke der Schweiz.
Auch für «Sentinelle Civique» darf das Erlernen einer Sprache «niemals als ein Fach unter vielen betrachtet werden». «Es ist ein Erlernen der Schweiz selbst. Englisch öffnet die Welt; die Landessprachen öffnen die Schweiz», argumentiert er. «Sie zu lernen, heisst, den Kindern einen zusätzlichen Schlüssel zu geben, um ihr eigenes Land zu verstehen.»
«Jenni Green» führt ein weiteres Argument ins Feld: Es sei wissenschaftlich bewiesen, dass das Erlernen einer Sprache in jungen Jahren einfacher ist. «Auch öffnet es den Geist für die anderen Kulturen unseres Landes. Die Mehrsprachigkeit ist die Stärke der Schweiz.» Sie verstehe nicht, weshalb Englisch heute von vielen bevorzugt werde. «Im Tessin haben wir am Ende der obligatorischen Schulzeit drei Sprachen gelernt und beschweren uns nicht», betont sie.
Englisch wird sich als erste Sprache durchsetzen.
Damit spricht sie eine der zentralen Fragen der Debatte an: Welchen Stellenwert soll Englisch neben den Landessprachen haben? «Schauen wir, wie die Vorbilder der Jugendlichen kommunizieren», schreibt beispielsweise «Diskret Beitragende». «Alle kommunizieren auf Social Media auf Englisch. Englisch wird sich als erste Sprache durchsetzen.»
Sechs Jahre mit Französisch quälen und dann doch nichts verstehen oder sprechen. Das ist leider Realität.
Gerade wegen der zunehmenden Wichtigkeit des Englischen sprechen sich Teile der Community dafür aus, das Erlernen der Landessprachen nicht weiter zu intensivieren: «Schüler und Schülerinnen wollen Englisch lernen, Französisch wird für die meisten zum Straffach», schreibt «Verblüffte Logografin». «Sechs Jahre mit Französisch quälen und dann doch nichts verstehen oder sprechen. Das ist leider Realität.»
Schliesslich wird in diesem Zusammenhang auch die Frage aufgeworfen, ob ein starker Fokus auf die Landessprachen heute aus wirtschaftlicher Sicht noch zeitgemäss ist. «Die Bildung muss eine Sicht auf die Welt haben, um unsere Jugendlichen nicht zu benachteiligen, deshalb Englisch ab der Primarschule, ab der zweiten Sekundarschulstufe eine Landessprache nach Wahl», schlägt «Black Mamba» vor. «Sonst werden unsere Jugendlichen keine Zukunft haben.»
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