Merz nach Asienreise: "Hat sich in mehrfacher Hinsicht gelohnt"
Merz kehrt von Asienreise zurück "Es hat sich in mehrfacher Hinsicht gelohnt"
Stand: 31.10.2026 • 12:56 Uhr
Fünf Tage lang war Kanzler Merz in Asien. Es ging um Geschäfte mit einer Boom-Region, Allianzen gegen Großmächte, um Cybersicherheit und Verteidigung. Eine Auszeit von der deutschen Innenpolitik, die sich laut Merz gelohnt hat.
Abends steht Friedrich Merz auf der Dachterrasse eines Hochhauses in Tokios Ausgehviertel Shibuya. "Schöne Kulisse", sagt er beim Blick auf die Skyline. Vor der spektakulären Aussicht auf das Lichtermeer der japanischen Metropole gibt der Kanzler eine Pressekonferenz. Es sind schöne Bilder für zu Hause von dem Mann, den seine Kritiker oft als Außenkanzler bezeichnen.
Japan sei ein enger Partner Deutschlands, sagt Merz. Es lohne sich, Gespräche zu führen, "auch wenn wir viele tausend Kilometer geographisch auseinander liegen. Wir sind doch in vielerlei Hinsicht wirklich Nachbarn." Es sei ein guter Besuch in Japan gewesen. Er gehe davon aus, dass das in den darauffolgenden Tagen in Südkorea nicht anders sein werde.
"Nicht nur Raum für die Größten und Stärksten"
Die Botschaft des Kanzlers auf seiner bislang längsten Auslandsreise: Deutschland spielt mit auf der politischen Weltbühne und will Großmächten wie China und den USA ein Netzwerk mittelgroßer Partnerländer mit gleichen Interessen entgegensetzen. "Denn wir haben begriffen: Gemeinsam können wir eine Welt gestalten, die nicht nur den Größten und den Stärksten Raum gibt", sagt Merz.
Rund 35 Stunden ist er diese Woche in der Regierungsmaschine geflogen, nach Singapur, Tokio und zum Abschluss nach Seoul - drei Hauptstädte in der Indopazifik-Region, die eine große Bedeutung für Deutschland hat: geopolitisch, strategisch und vor allem wirtschaftlich. Merz erklärt: "40 Prozent des Welthandels finden in dieser Region stand. 60 Prozent der großen, innovativen Unternehmen sind in dieser Region."
Der Empfang ist überall überaus freundlich. Der Kanzler spricht mit Unternehmervertretern, hält Reden, wirbt um Investoren, besucht Forschungseinrichtungen und wegweisende Firmen. Beispielsweise Kyoto Fusioneering, das Komponenten für zukünftige Fusionskraftwerke entwickelt.
Fünf Tage voller Termine
Es sind fünf Tage Terminhatz trotz Jetlags. Händeschütteln, Fotos, Führungen - immer begleitet von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation, darunter Konzernchefs von DAX-Unternehmen - und jede Menge Vorführungen von Spitzentechnologie. Auch an einer Universität in Seoul bei einem Labor für Quantennanotechnik - Grundlagenforschung, Atome, Moleküle.
Merz hört den Wissenschaftlern zu, probiert Experimente auch selber. Beim Rausgehen aus einem Labor sagt der Kanzler: "Das übersteigt weitgehend meine Fähigkeiten, etwas zu verstehen."
China ist immer ein Thema - und Russland
Auf seiner Reise geht es aber auch um die Themen Sicherheit und Verteidigung. Bei den Gesprächen mit den Staats- und Regierungschefs von Singapur, Japan und Südkorea spielt China immer eine zentrale Rolle - die dominante Großmacht, die allen Sorgen macht - wirtschaftlich und militärisch.
Auch Russland ist nah. Mit Südkorea vereinbart der deutsche Regierungschef eine stärkere Kooperation im Verteidigungsbereich. Es geht auch um Cybersicherheit.
Dann fährt der Kanzler nach Panmunjon an die schwer gesicherte Grenze zwischen Süd- und Nordkorea, die beide Länder seit 1953 trennt. Er habe mit den Füßen sogar auf nordkoreanischem Territorium gestanden, "weil es dort ein Gebäude gibt, das genau auf der Grenze steht", sagt Merz.
Nordkoreanische Soldaten kämpfen für Russland im Krieg gegen die Ukraine - noch ein wichtiges Thema bei den Gesprächen des Kanzlers mit den Regierungen in Singapur, Japan und Südkorea. Er nehme das mit als Unterstützung auch in der Koalition der Willigen - einem Zusammenschluss von Ländern, die die Ukraine im Kampf gegen Russland unterstützen - , zu der er im November nach Berlin eingeladen habe, sagt Merz. Er verspricht: "Wir werden in unserem Engagement für die Ukraine nicht nachlassen."
Die Innenpolitik ist weit weg - bis Montag
Die deutsche Innenpolitik ist in Asien weit weg. Rente, die Koalition mit der SPD, die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier im Bundespräsidialamt. In Singapur, Seoul und Tokio geht es um Weltpolitik, Freihandel und künstliche Intelligenz. "Ich kann sagen, es hat sich in mehrfacher Hinsicht gelohnt", sagt der Kanzler.
Am Montag geht der weltgewandte Außenkanzler wieder in den Berliner Innendienst. Um das leidige Thema Bundespräsidentennachfolge wird er dann nicht mehr herumkommen.
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