WWF «Living Planet Report» – Weniger Artenvielfalt: Landwirtschaft und Finanzsektor in Kritik

Die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung stammt laut dem «Living Planet Report» des WWF aus Aktivitäten, die von der Natur abhängen. Die intensive Nutzung der Lebensräume und die Umweltbelastung haben direkte Folgen auf die Artenvielfalt. Weltweit sind die Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent zurückgegangen.
Zu den Hauptverursachern gehörten die Nahrungsmittelproduktion, der Finanz- und der Energiesektor. «Wenn wir Arten schützen wollen, müssen wir an den Wirtschaftssystemen arbeiten, damit nachhaltige Lösungen finanziert werden», sagt der Chef von WWF Schweiz, Thomas Vellacott.
Landwirtschaft hauptverantwortlich für Artensterben
Die Landwirtschaft sei weltweit betrachtet hauptverantwortlich für den Verlust und die Verschlechterung von Lebensräumen. Das Artensterben trage zudem zur Zunahme ernährungsbedingter Krankheiten bei und produziere grosse Mengen an Treibhausgasemissionen.
In der Schweiz verursacht die Landwirtschaft 16 Prozent der Emissionen, trägt aber weniger als ein Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Dennoch betonen Landwirte gegenüber SRF im Rahmen der Olma in St. Gallen, dass sie bereits zahlreiche Massnahmen ergriffen haben. Viele Betriebe setzten auf Solaranlagen, andere auf CO₂-neutrale Gewächshäuser oder auf Technologien, die den Methanausstoss reduzieren.
Der ganze Ernährungssektor muss gemeinsam nach Lösungen suchen.
Alle müssen mitziehen
Der Chef des WWF Schweiz betont, dass die Verantwortung nicht auf dem Bauernhof ende: «Der ganze Ernährungssektor muss gemeinsam nach Lösungen suchen.» Das heisst, auch die Industrie, der Detailhandel sowie die Kundschaft sind Teil des Problems.
«Jede und jeder muss sich Gedanken zum Fleischkonsum, gesunder Ernährung und Lebensmittelverschwendung machen», gibt Vellacott zu bedenken. «Was wir nachfragen, wird auch angeboten. Aber einfach alles auf die Konsumentinnen und Konsumenten zu schieben, wäre falsch.»
Banken finanzieren Ursachen für schwindende Biodiversität mit
Auch dem Finanzsektor stellt der WWF ein schlechtes Zeugnis aus. Die Branche bestimme mit ihren Kreditvergabe- und Investitionsentscheidungen mit, in welche Richtung wirtschaftliche Aktivitäten gelenkt würden.
So flossen gemäss WWF 2023 weltweit 7.3 Billionen Dollar in umweltschädliche Aktivitäten. 33 Mal weniger – rund 220 Milliarden Dollar – flossen in Aktivitäten, die die Natur schützen oder wiederherstellen.
Das habe auch mit dem Schweizer Finanzplatz zu tun: «Wir beobachten, dass der Finanzsektor, der für die Schweiz eine grosse Bedeutung hat, besonders wenige freiwillige Verpflichtungen im Klimaschutz oder im Biodiversitätsschutz eingegangen ist», sagt Vellacott.
Wirksamer Naturschutz gelingt nur, wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam handeln.
Die Schweizerische Bankiervereinigung hält in einer schriftlichen Stellungnahme dazu fest: «Der Schutz der Biodiversität ist auch für die Banken in der Schweiz ein wichtiges Anliegen. Sie berücksichtigen zunehmend naturbezogene Risiken bei Krediten und Anlagen und begleiten Unternehmen beim Wandel. Wirksamer Naturschutz gelingt nur, wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam handeln.»
Ob auf dem Bauernhof, beim Einkaufen oder bei Investitionsentscheidungen: Für den Schutz der Artenvielfalt gibt es zahlreiche Hebel. Immerhin: 40 Prozent der globalen Wirtschaft haben sich bereits freiwillig zu Massnahmen zur Erreichung der Klimaziele verpflichtet.
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