Massenandrang: Reinhold Messner fordert Zeitslots für Touristen

- Bergsteigerlegende Reinhold Messner (82) fordert für die Dolomiten buchbare Zeitfenster für Besucher.
- Er kritisiert gegenüber dem «Corriere dell’Alto Adige» vor allem Tagestouristen, die für ein Foto aus Social Media anreisen.
- Gäste sollen auf andere Zeiten oder Gebiete ausweichen, wenn eine Region voll ist – wie in Nordamerikas Nationalparks.
Der Ansturm auf die Dolomiten bereitet Reinhold Messner Sorgen. Gegenüber der italienischen Zeitung «Corriere dell’Alto Adige» zeigt sich der 82-Jährige besorgt über den Zustand der alpinen Natur und die Lebensqualität der Menschen vor Ort. «Die Berge sind zu einer Konsumware geworden. Die Touristen müssen besser verteilt werden», so das Fazit von Messner.
Kritisch sieht die Bergsteigerlegende vor allem die Rolle von Social Media. Viele Tagestouristen reisten laut Messner nur für ein einziges Foto an bestimmte Hotspots – und verliessen die Region danach gleich wieder. Das sorge für Stau und belaste die Umwelt. Den lokalen Betrieben brächten solche Ausflüge hingegen kaum Einnahmen.
Zeitfenster wie in amerikanischen Nationalparks
Auch um den Alpinismus selbst macht sich Messner Gedanken. «Heute gehen junge Leute in Kletterhallen und trainieren an Kunststoffwänden. Aber das ist kein Alpinismus. Der Alpinismus stirbt meiner Meinung nach aus», sagt er. Durch die vielen bekannten Persönlichkeiten in den sozialen Netzwerken verändere sich die Art und Weise, wie man sich den Bergen nähere.
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Um einen Kollaps der beliebten Bergregionen zu verhindern, schlägt Messner ein digitales Zugangssystem vor. Wer bestimmte Gebirgsgruppen besuchen will, soll vorab ein festes Zeitfenster buchen müssen – ähnlich wie in den Nationalparks in Nordamerika. Ist eine Region voll ausgelastet, sollen Gäste auf andere Zeiträume oder weniger besuchte Gebiete ausweichen.
Der erste Mensch auf allen Achttausendern
Weniger Touristen will Messner damit aber nicht. Ziel sei vielmehr eine gleichmässigere Verteilung – über das ganze Jahr und über das gesamte Dolomitengebiet. «Wir müssen für jeden Ort die richtige Anzahl an Touristen finden, ohne dass sich die Besucher gleichzeitig an denselben Stellen konzentrieren. Wir müssen die Menschen, die die Dolomiten lieben, über das gesamte Gebiet verteilen.»
Vor 40 Jahren wurde Reinhold Messner zum ersten Menschen, der auf allen 14 Achttausendern der Welt ganz oben stand. Am 16. Oktober 1986 um 13.45 Uhr erreicht er mit Hans Kammerlander den Gipfel des Lhotse im Himalaya, mit 8516 Metern die Nummer vier der Berggiganten.
Konkurrenz auch aus der Schweiz
In seinem Tagebuch notiert er: «Um mich die ‹Hölle›: Sturm, Kälte, der Abgrund. Wenn Windstille gewesen wäre und die Sonne geschienen hätte, auch bei Kälte, hätte man ruhig ein bisschen sich freuen können. Aber generell behaupte ich, dass das viel strapazierte Glück am Gipfel nur das Wunschdenken der Untengebliebenen ist.» Dabei hat er auf diesen Moment, der ihn zur Legende macht, anderthalb Jahrzehnte hingearbeitet.
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Seinen ersten Achttausender, den Nanga Parbat, besteigt er 1970. Eine Tragödie: Sein Bruder Günther kommt dabei ums Leben. 1978 steht er zum ersten Mal auf dem Mount Everest. Im September 1986 besteigt er mit Kammerlander seinen vorletzten Achttausender, den Makalu. Bleibt der Lhotse, im Grenzgebiet zwischen Tibet und China, durch den Südsattel mit dem Everest verbunden. Es ist kein guter Berg für ihn. Zweimal ist er dort bereits gescheitert.
Dass sich Messner zwischen 13. und 14. Achttausender kaum Zeit lässt, liegt an der harten Konkurrenz: Der Wettbewerb, wer es als Erster auf alle Achttausender schafft, wird damals rund um die Welt verfolgt. Seine härtesten Verfolger sind Jerzy Kukuczka und Marcel Ruedi. Der Pole steht bei elf, der Schweizer bei zehn. Die drei werden gefeiert wie Popstars.
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Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.
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