Biodiversitätskonferenz 2026 – Naturverlust stoppen bis 2030: Länder liegen weit zurück

Am Sonntag, 18. Oktober, hat die 17. UNO-Biodiversitätskonferenz in Eriwan, Armenien, offiziell gestartet. Zwei Wochen lang verhandeln die Teilnehmerstaaten an der COP17 darüber, wie das internationale Abkommen zum Schutz der Natur schneller umgesetzt werden kann. Denn viele Länder hinken mit ihren Anstrengungen hinterher. Wissenschaftsredaktorin Felicitas Erzinger beobachtet die Konferenz und ordnet die wichtigsten Fragen zum Start ein.
Felicitas Erzinger
Wissenschaftsredaktorin
Felicitas Erzinger arbeitet seit 2022 für die SRF-Wissenschaftsredaktion. Sie hat Umweltwissenschaften studiert und einen Doktortitel in Biologie.
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Bis 2030 soll der weltweite Artenschwund gestoppt werden – wo stehen wir da?
Auf der diesjährigen Konferenz veröffentlicht die UNO erstmals eine globale Zwischenbilanz. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Länder sind weit davon entfernt, die Ziele des globalen Naturabkommens zu erreichen. Positiv ist aber, dass sich überhaupt so viele Länder bereits nationale Ziele gegeben haben und über ihre Fortschritte berichten. Denn der globale Zielrahmen wurde erst vor vier Jahren in Montreal festgelegt. Dennoch geht es zu langsam voran und viele der nationalen Ziele sind nicht ambitioniert genug, um die globalen Ziele zu erreichen: Nach Einschätzung des Berichts ist erst eines von 23 Zielen auf gutem Weg: die Verringerung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität.
Warum geht es nicht vorwärts?
Viele Massnahmen werden bisher gar nicht umgesetzt. In vielen Ländern fehlt das nötige Know-how oder Geld. Manchmal gibt es auch Zielkonflikte: Bei Subventionen für den Verkehr oder die Landwirtschaft etwa, die der Biodiversität schaden, weil sie die Zerschneidung von Lebensräumen oder eine intensive Bewirtschaftung fördern. Solche Subventionen wollen die Vertragsländer bis 2030 stark abbauen. Doch passiert ist noch kaum was. Insgesamt kommen klassische Naturschutzziele wie die Einrichtung von Naturschutzgebieten besser voran als Ziele wie nachhaltiger Konsum, nachhaltige Produktion oder Kreislaufwirtschaft.
Die Schweiz nimmt an der Konferenz mit einer achtköpfigen Delegation teil, dazu je eine Vertreterin der chemisch-pharmazeutischen Industrie, der Wissenschaft und ein Vertreter der Umweltorganisationen. Geleitet wird die Delegation von Gabriela Blatter. Sie ist beim Bundesamt für Umwelt Leiterin der Sektion für internationale Klima- und Biodiversitätspolitik. Die Direktorin des Bundesamts für Umwelt, Katrin Schneeberger, vertritt die Schweiz am Ministersegment.
Welche Entscheidungen braucht es nun?
Das Hauptziel ist nun, einen konkreten Fahrplan zu verabschieden, wie Staaten schneller vorankommen können. Denn beim heutigen Tempo verfehlt die Welt 22 der 23 Ziele für 2030. Zudem soll das neue Gremium der indigenen Völker endlich arbeiten können. Es wurde vor zwei Jahren an der Konferenz in Cali, Kolumbien, ins Leben gerufen, aber noch ist offen, wie es funktionieren soll. Also wie gewählt wird und wer wie mitsprechen darf. Harzig läuft es auch beim Cali-Fonds: Firmen, die digitale genetische Daten nutzen, sollen freiwillig einzahlen. Doch der Topf ist praktisch noch leer. Die Schweizer Delegation will sich in Armenien darum für mehr Rechtssicherheit einsetzen, damit Unternehmen eher bereit sind zu zahlen.
Wie stehen die Chancen, dass es in Armenien einen Schritt weiter geht?
Die Stimmung gilt als konstruktiv. Das berichteten schon Personen, die im Sommer an den Vorverhandlungen in Nairobi dabei waren. Dort einigten sich die Länder auf die Zwischenbilanz, also darauf, wo sie stehen und wo sie hinterherhinken. Wohl auch dank der armenischen Präsidentschaft. Aktuell leitet Armenien als Austragungsland die Verhandlungen und der armenische Umweltminister Hambardzum Matevosyan hat offenbar gute Vermittlungsfähigkeiten. Die Vorzeichen sind also gut, doch ob das für den nötigen Schub reicht, ist offen. Denn gerade bei Finanzierungsfragen wird traditionell hart verhandelt und das dürfte auch dieses Jahr nicht anders sein.
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