Notrufe enthüllen Chaos, als Christa Pike nicht starb

«Die Person ist noch nicht tot»
Notrufe enthüllen Chaos, als Christa Pike nicht starb
Nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike zeigen veröffentlichte Notrufe massive Pannen in den Abläufen. Die Notrufzentrale hielt den Alarm zunächst für einen Fehlalarm, die Ambulanz kam erst nach rund 30 Minuten hinein.
Publiziert: vor 13 Minuten
- Christa Pikes Hinrichtung mit Pentobarbital scheiterte
- Notrufe zeigen Chaos: Ambulanz kam nach rund 30 Minuten
- Sie überlebte – Tennessee stoppte Hinrichtungen vorerst
Janine EnderliRedaktorin News
Die gescheiterte Hinrichtung der verurteilten Mörderin Christa Pike (50) schockierte die Welt. Viele Menschen fragen sich: Wie kann so etwas passieren? Nun zeigen veröffentlichte Notrufe das Chaos, das im Gefängnis herrschte. Das Protokoll der Geschehnisse.
1.
Christa Pike wird Giftspritze verabreicht
Am 30. September sollte Christa Pike sterben. Der Grund: Sie folterte und tötete 1995 ihre Klassenkameradin Colleen Slemmer (†19). 1996 wurde sie zum Tod verurteilt.
Mit zwei Dosen des Mittels Pentobarbital sollte die Hinrichtung vollzogen werden, doch Pike starb nicht. Bei einer höheren Dosierung des Medikaments wird die Aktivität der Nervenzellen stärker gehemmt. Bei einer Überdosierung kann es zu einer Verlangsamung der Atmung bis hin zum Atemstillstand kommen.
Notrufe enthüllen jetzt die Panik und das Chaos, das am 30. September im Gefängnis herrschte.
2.
Gefängnispersonal ruft Ambulanz
Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, war das Gefängnispersonal nach der gescheiterten Hinrichtung äusserst verwirrt. Der erste Anruf aus dem Gefängnis an die externe Notrufzentrale ging um 20.40 Uhr ein. «Wir haben heute Abend hier eine Hinrichtung vollzogen. Wir haben zehn Gramm Pentobarbital injiziert. Die Person ist noch nicht tot. Es begann vor etwa einer Stunde, wir müssen eine Ambulanz rufen», sagte ein Gefängnismitarbeiter am Telefon.
Um Fakes oder Tricksereien auszuschliessen, verlangte der Disponent vom Anrufer den offiziellen Sicherheitscode des Gefängnisses. Der Anrufer im Hinrichtungstrakt hatte diesen Code in der Hektik nicht. Daraufhin rief die Notrufzentrale bei der hauseigenen Gefängniszentrale an, um zu prüfen, ob der Notfall echt war, heisst es im Bericht.
Das Personal in der Gefängniszentrale wusste nicht, was im Hinrichtungstrakt vor sich geht, da die Mitarbeiter dort oben niemanden vorgewarnt hatten. Als die externe Notrufzentrale nachfragte, ging die Gefängniszentrale von einem Irrtum oder Scherz aus und wies die Rettungskräfte zunächst ab. «Laut den Vorgesetzten handelt es sich um einen Fehlalarm. Es wird kein medizinisches Personal benötigt.»
3.
Erst 30 Minuten später rücken Rettungskräfte aus
Etwa zur gleichen Zeit meldete sich über Funk ein Rettungssanitäter bei der Leitstelle. «Hier vor dem Tor steht jemand, der behauptet, es sei real und fordert, dass wir hineingehen.» Erst etwa eine halbe Stunde nach dem ersten Anruf – gegen 21:11 Uhr – bestätigten die Gefängnisbeamten, dass es sich um einen echten Notruf handelte, und begannen, die Einsatzkräfte durch die Tore zu lassen.
4.
Christa Pike erholt sich im Spital
Bewusstlos kam Pike ins Spital. Sie lag im Koma und befand sich in kritischem Zustand. Die 50-Jährige musste mehrere Tage beatmet werden. Es war unklar, ob sie überleben würde. Doch Pike erholte sich langsam. Mittlerweile kann sie wieder essen und laufen.
5.
Zurück im Gefängnis
Pike ist wieder zurück im Gefängnis. Der Bundesstaat Tennessee hat nach dem Vorfall alle anstehenden Hinrichtungen vorübergehend ausgesetzt. Es läuft eine unabhängige Untersuchung darüber, warum das Mittel Pentobarbital nicht gewirkt hat und wie es zu dem massiven Kommunikationsversagen bei den Notrufen kommen konnte.
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