Kritik am Projekt «Verkehr'45» – Albert Rösti: «Kosten-Nutzen-Überlegungen allein genügen nicht»

Wer mit dem Auto oder im Zug unterwegs ist, kennt die Situation: Man steht im Stau oder steckt in einem vollen Zug. Deshalb will der Bundesrat mit dem Projekt «Verkehr '45» das Autobahn- und Eisenbahnnetz bis 2045 ausbauen. An diesen Plänen gibt es nun Kritik von der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK). Sie spricht von erheblichen Schwächen: Die Auswahl der Ausbauprojekte sei zu wenig nachvollziehbar. Verkehrsminister Albert Rösti stellt sich der Kritik.
Albert Rösti
Bundesrat
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Albert Rösti ist seit 2023 Bundesrat und Vorsteher des Eidgenössischen Departments für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Er wurde 1967 geboren, studierte Agronomie an der ETH Zürich, erlangte 1997 den Doktortitel und machte 2001 und 2002 einen Master of Business Administration (MBA) an der Universität Rochester in den USA. Rösti war seit 2011 Nationalrat für den Kanton Bern und von 2016 bis 2020 Parteipräsident der SVP Schweiz.
SRF News: Die Finanzkontrolle EFK sagt, die Auswahl der Autobahn- und Eisenbahnprojekte könne zu wenig gut nachvollzogen werden. Was sagen Sie dazu?
Albert Rösti: Selbstverständlich nehmen wir die Kritik der Finanzkontrolle ernst. Ich bin aber nicht einverstanden, dass man solche Projekte nur nach Kosten- und Nutzen-Überlegungen auswählen kann. Es ist ein politischer Prozess, den der Gesamtbundesrat verabschiedet hat und bei dem auch Kriterien wie regionale Ausgewogenheit, Netzstabilität oder dezentrale Besiedelung berücksichtigt werden müssen.
Ein weiterer Kritikpunkt der Finanzkontrolle ist: Bei Autobahnprojekten seien Alternativen zu wenig geprüft worden, also etwa Geschwindigkeitsbegrenzungen oder die Nutzung von Pannenstreifen.
Wir prüfen selbstverständlich Alternativen. Insbesondere die Nutzung von Pannenstreifen hat einen hohen Stellenwert beim Bundesamt für Strassen. Es gibt Projekte wie Tunnelbauten, wo das aus Sicherheits- oder Platzgründen nicht umgesetzt werden kann. Aber wir werden das sicher nochmals anschauen im Hinblick auf die Botschaft des Bundesrats.
Gibt es Forderungen der Finanzkontrolle, die Sie umsetzen werden?
Sicher ist die Darstellung, wie die Bewertungen zustande kommen, noch zu verbessern. Wir haben nämlich sehr viele verschiedene Bewertungen wie Kosten/Nutzen, Umweltauswirkungen, externe Kosten oder regionale Auswirkungen, die man jetzt, nach Auswertung der Vernehmlassung, noch anpassen muss. Dazu gehört auch die Berücksichtigung der Stellungnahme der Finanzkontrolle.
Das Gespräch führte Manuel Ramirez.
Tagesschau Kompakt, 15.09.2026, 12:45 Uhr ; srf/ramm/kurn;from;wilh
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