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Friday, September 11, 2026

«Nicht am Wohlstand beteiligt»: Gewerkschaften fordern mehr Lohn

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  • Der Schweizerische Gewerkschaftsbund fordert für 2027 eine generelle Lohnerhöhung von 2,5 Prozent.
  • Begründet wird die Forderung mit anhaltender Inflation, steigenden Krankenkassenprämien und einer schwachen Lohnentwicklung im letzten Jahrzehnt.
  • Laut Unia-Präsidentin Vania Alleva läge der mittlere Lohn heute monatlich 500 Franken höher, hätte er mit der Produktivität mitgehalten.

Die Löhne für 2027 sollen generell um 2,5 Prozent steigen. Das fordert der Schweizerische Gewerkschaftsbund, wie er in einer Mitteilung schreibt. Der Bund begründet die Forderung mit einer anhaltenden Inflation und einer schwachen Lohnentwicklung im letzten Jahrzehnt. Im Gegensatz dazu sei die Produktivität im selben Zeitraum stark angestiegen.

«Seit Jahren hinken die Reallöhne der Produktivität hinterher», bilanziert Unia-Präsidentin Vania Alleva. Wäre der mittlere Lohn im letzten Jahrzehnt – wie in der Vergangenheit – mit der Produktivität gewachsen, läge er heute monatlich 500 Franken höher, so Alleva.

Der Arbeitgeberverband hält dagegen. «Pünktlich zum Lohnherbst kehren neben überhöhten Forderungen auch altbekannte Behauptungen zurück», schreibt er in einer Mitteilung und bringt Argumente gegen die Berechnungen der Gewerkschafter hervor.

Inflation und Produktivität hängen Löhne ab

Die Prognose der Eidgenössischen Finanzverwaltung sagt für 2026 und 2027 eine stabile Inflation von 0,6 Prozent voraus. Der Alltag wird also um 0,6 Prozent teurer. Die mittlere Krankenkassenprämie liegt bei knapp 5600 Franken im Jahr, betont der Gewerkschaftsbund. «Für mehr als die Hälfte der Arbeitnehmenden ist das mehr als ein ganzer Monatslohn. Fürs nächste Jahr wird ein Anstieg der Prämien erwartet.»

Über die Covid-Jahre war die Entwicklung der Löhne rückläufig, wie das Bundesamt für Statistik aufzeigt. 2025 gab es jedoch einen Anstieg von 1,8 Prozent. Rechnet man die Inflation mit, ist die Entwicklung des Nominallohns nur knapp über dem Niveau von 2016. Derweil stieg die Arbeitsproduktivität in den letzten Jahren stark an.

Arbeitnehmende werden nicht am Wohlstand beteiligt

«Die Löhne müssen im Ausmass der Teuerung und der Prämien steigen, um den Verlust der Kaufkraft auszugleichen», schreibt der Gewerkschaftsbund. Und: «Die Arbeitnehmenden leisten mehr, werden aber nicht am steigenden Wohlstand beteiligt.» Die Kaufkraft müsse aber auch ausgebaut werden, fordert der Bund weiter. Über die Kompensation der Teuerung hinaus sollte sie «mit dem Anstieg der Produktivität um mindestens ein Prozent steigen».

Des Weiteren kritisiert der Bund Tiefstlöhne. «Rund ein Drittel der Beschäftigten mit Lehrabschluss verdient weniger als 5000 Franken.» Das müsse sich ändern. «Wer einen Lehrabschluss hat, muss mindestens 5000 Franken verdienen.»

Arbeitgeberverband hält dagegen

In einer Mitteilung aus dem August hat der Arbeitgeberverband bereits Kritik an Argumenten geäussert, die der Gewerkschaftsverband nun wieder aufgestellt hat. «Die Behauptung, die Unternehmen würden die Produktivitätsgewinne für sich behalten, ist falsch. Bei korrekter Vergleichsgrösse stiegen die Reallöhne seit 2014 stärker als die Produktivität», heisst es in der Mitteilung.

Auch bei der Frage um die Krankenkassenprämien hält der Gewerbeverband dagegen: «Die Krankenkassenprämien steigen prozentual zwar stärker als die Löhne. Bei einem durchschnittlichen Haushalt ist der Lohnzuwachs in Franken jedoch grösser als der Anstieg der Krankenkassenprämien.»

Weiter schreibt der Gewerbeverband: «Für 2027 prognostiziert das KOF-Institut derzeit 1 Prozent Nominallohnerhöhung. Da die Teuerung tief ausfallen dürfte, ist auch nächstes Jahr mit einer Erhöhung der Kaufkraft zu rechnen.»

Simon Misteli

Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.

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