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Friday, September 18, 2026

«Steigt der Diesel über 3 Franken, muss ich mir ein Velo kaufen»

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  • Hohe Spritpreise sorgen an Schweizer Tankstellen für grossen Frust bei Autofahrenden.
  • Viele der Angetroffenen wie Konditorin Barbara (59) hätten kaum Alternativen zum Auto aufgrund der Arbeit.
  • Andere wie Vincent (23) hingegen haben Spass am Autofahren und wollen nur ungern darauf verzichten.

Widerwillig zieht Jana den Tankschlauch aus der Zapfsäule und steckt ihn in ihren Audi mit deutschem Kennzeichen. «Ich komme nur noch in die Schweiz, um zu tanken. Und auch hier sind die Preise jenseits von Gut und Böse», sagt die 23-Jährige. 2.11 Franken kostet der Liter Bleifrei am Donnerstag in Koblenz AG. Auf der anderen Seite des Rheins sind es mindestens 20 Rappen mehr. «Wir kommen zum Glück finanziell gut zurecht. Trotzdem fahre ich mittlerweile sparsamer, weil es natürlich auf den Geldbeutel drückt», sagt sie verärgert.

An der Tankstelle in Koblenz ärgert sich Jana (23) über den Benzinpreis von 2.11 Franken pro Liter, obwohl sie dort noch mindestens 20 Rappen günstiger tankt als in Deutschland.

An der Tankstelle in Koblenz ärgert sich Jana (23) über den Benzinpreis von 2.11 Franken pro Liter, obwohl sie dort noch mindestens 20 Rappen günstiger tankt als in Deutschland.20min/Carolin Teufelberger

Tatsächlich wird Tanken aufgrund der hohen Ölpreise gerade weltweit teurer. Während andere Länder schon aktiv geworden sind und etwa die Mineralölsteuer gesenkt oder vorübergehend ausgesetzt haben, gibt es in der Schweiz erst zaghafte Bemühungen, die Kosten für die Autofahrer abzufedern.

«Aktuelle Benzinpreise sind eine Frechheit»

Auch Barbara wohnt eigentlich in Deutschland, arbeitet aber in der Schweiz und tankt deswegen auch hier. «Die aktuellen Benzinpreise sind eine Frechheit, aber mich aufzuregen bringt ja wenig.» Denn die 59-Jährige ist aufs Auto angewiesen. «Ich bin Konditorin und beginne um zwei Uhr nachts mit der Arbeit, ÖV ist da keine Option.» Auch M. (33) sei aufs Auto angewiesen und spüre die hohen Spritpreise deutlich. «Die Schmerzgrenze ist schon lange überschritten», sagt der Aargauer.

Das sehen die übrigen Kunden der grenznahen Shell-Tankstelle ähnlich. «Die aktuelle Situation ist beschissen, vor allem in Deutschland», sagt Emre (21). Heute tankt er nicht einmal, sondern holt sich lediglich Snacks. Immer wieder fahren Autos vor, die mit etwas Abstand zur Zapfsäule halten. Mit 3.95 Franken ist der Hotdog hier kaum mehr viel teurer als der Liter Benzin.

Steffi (45): «Es muss dringend etwas getan werden»

Auch Steffi (45) aus dem Kanton Zürich ist heute nicht zum Tanken, sondern zum Waschen da. «Die hohen Treibstoffpreise sind eine Katastrophe, vor allem wenn man wie ich einen Diesel fährt.» Mit 2.42 Franken pro Liter ist der noch um einiges teurer als Benzin. Aber nicht nur das Tanken sei teurer geworden, sondern auch Lebensmittel. «Es muss dringend was getan werden. Aber in der Politik geht es nur um Geld und Macht, was mit uns Bürgern ist, ist egal.»

Entfernt man sich etwas weiter von der Grenze, werden die Preise leicht günstiger, die Emotionen der Autofahrenden verändern sich hingegen nicht. Vincent (23) schaut vom Fahrersitz auf den Dieselpreis der BP-Tankstelle in Weiach ZH und ärgert sich sofort – und das, obwohl er nicht einmal aufs Auto angewiesen ist. «Unter der Woche benutze ich das Auto kaum, da fahre ich ÖV. Aber ich liebe Autofahren», sagt der Zürcher. Deshalb wolle er auch nicht darauf verzichten. Er fülle aber den Tank schon länger nicht mehr ganz und suche immer nach der günstigsten Tankstelle. «Wenn der Preis auf über 3 Franken steigt, müsste ich mir aber wohl doch ein Velo anschaffen», sagt er und lacht.

Peter (62): «Nächstes Jahr kaufe ich ein Elektroauto»

Peter (62) ist das Lachen schon länger vergangen. «Ich lege zwar meist nur kurze Strecken zurück, aber bei den momentanen Benzinkosten muss ich noch genauer überlegen, welche Fahrten sich lohnen.» Gleichzeitig komme die Schweiz dank tiefer Inflation und dem starken Franken noch glimpflich davon. «Sollte sich die Lage verschärfen, muss sich die Politik etwas einfallen lassen.»

Angesichts der vielen Konflikte weltweit ist Peter wenig optimistisch, dass sich an der Situation bald etwas ändert. Er habe sich deshalb dazu entschieden, nächstes Jahr auf ein Elektroauto umzusteigen. «Selbst wenn es kurzfristige Entlastungen gibt, kommen Privatpersonen doch immer zuletzt zum Zug.»

Wie gehst du mit den hohen Spritpreisen um?

Carolin Teufelberger

Carolin Teufelberger (cat) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Redaktorin beim Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.

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