MS war "lange meine Identität": Christina Applegate fühlt sich wie eine "Betrügerin"

MS war "lange meine Identität"Christina Applegate fühlt sich wie eine "Betrügerin"
04.11.2026, 10:45 Uhr

Christina Applegate muss sich nach ihrer MS-Fehldiagnose nicht nur medizinisch neu orientieren. Die Schauspielerin spricht nun darüber, wie schwer es ihr fällt, eine jahrelang gelebte Identität hinter sich zu lassen.
Fast sechs Jahre lang war Multiple Sklerose ein bestimmender Teil ihres Lebens. Nun muss Christina Applegate plötzlich mit der Erkenntnis umgehen, dass sie offenbar gar nicht an der Krankheit leidet. Die Schauspielerin, die 2021 ihre vermeintliche MS-Diagnose öffentlich gemacht hatte, steht medizinisch wieder ganz am Anfang. Und auch emotional fällt es ihr schwer, sich von einer Identität zu verabschieden, die sie über Jahre geprägt hat.
In einer neuen Folge ihres Podcasts "MeSsy", den sie gemeinsam mit ihrer Schauspielkollegin Jamie-Lynn Sigler moderiert, sprach Applegate über ihre widersprüchlichen Gefühle. Zu Gast war Jack Osbourne, Sohn des verstorbenen Rockmusikers Ozzy Osbourne. Sowohl bei Osbourne als auch bei Sigler wurde Multiple Sklerose diagnostiziert.
Osbourne erzählte, dass er sich trotz seiner vor 14 Jahren gestellten Diagnose manchmal "ein bisschen wie ein Betrüger" fühle. Besonders bei Veranstaltungen für MS-Betroffene, bei denen er Menschen mit deutlich schwereren Krankheitsverläufen begegne, komme dieses Gefühl auf. Er habe eine "seltsame Beziehung" zu seiner Erkrankung entwickelt, obwohl ihm natürlich bewusst sei, dass er kein "Betrüger" sei.
Applegate griff seine Worte mit einem selbstironischen Kommentar auf: "Was für eine Betrügerin ich doch bin, ich habe es nicht einmal mehr." Ihre beiden Gesprächspartner reagierten sofort und versicherten ihr lachend, dass sie selbstverständlich weiterhin ein "Ehrenmitglied" der MS-Gemeinschaft bleibe. "Danke, danke. Ich werde diese Gemeinschaft niemals verlassen. Ich meine, ich habe so viele Freunde fürs Leben gefunden, und wisst ihr, mir liegen alle, die wir repräsentieren und die ich repräsentiere, so sehr am Herzen", erklärte Applegate. Sie werde "auf die eine oder andere Weise" immer Teil dieser Gemeinschaft bleiben.
"Glückwunsch, Sie haben kein MS"
Dass die Fehldiagnose nicht einfach nur Erleichterung ausgelöst hat, machte die Schauspielerin auch an anderer Stelle deutlich. Sie habe fast sechs Jahre lang als Mensch mit MS gelebt. Nun falle es ihr schwer, "diese Identität abzulegen, denn es war so lange meine Identität".
Bereits im Oktober hatte Applegate in ihrem Podcast öffentlich gemacht, dass eine Ärztin ihre bisherige Diagnose infrage gestellt habe. "Sie kam in mein Zimmer und sagte: 'Glückwunsch, Sie haben kein MS'", erinnerte sich die Schauspielerin. Während ihr Umfeld die Nachricht mit Freude aufgenommen habe, sei sie selbst keineswegs glücklich gewesen. Schließlich hätten sich ihre gesundheitlichen Beschwerden dadurch nicht verändert. Stattdessen wisse sie nun nicht einmal mehr, welche Erkrankung dahinterstecke.
Auch in der aktuellen Podcastfolge konnte Applegate noch keine neue Diagnose verkünden. Die medizinische Suche beginne praktisch von vorn. Derzeit werde sie auf verschiedene Erkrankungen untersucht, deren Symptome denen von Multipler Sklerose ähneln können. Applegate bezeichnete sie als "Schwestererkrankungen" und nannte unter anderem rheumatoide Arthritis, Lyme-Borreliose und Lupus. "Also werde ich jetzt langsam aber sicher auf all das getestet", erklärte die 54-Jährige.
Welche Krankheit tatsächlich für ihre Beschwerden verantwortlich ist, bleibt damit weiterhin offen. Sicher ist für Applegate allerdings schon jetzt, dass sie die Menschen, die sie durch ihre vermeintliche MS-Erkrankung kennengelernt hat, nicht aus ihrem Leben verlieren möchte.
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