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Thursday, October 29, 2026

Suche nach Opfern des Zugunglücks in Spanien geht weiter

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Kräne stehen neben den Waggon-Trümmern an der Unglücksstelle der Zugkollision in Spanien

Nach Zugunglück in Spanien Suche nach weiteren Opfern - und dem Warum

Stand: 29.10.2026 • 09:20 Uhr

In Spanien suchen die Rettungskräfte nach dem schweren Zugunglück nach weiteren Opfern in den Waggon-Trümmern. Die Regierung versprach Aufklärung, in Madrid gab es Proteste. Als Unfallursache könnte menschliches Versagen eine Rolle gespielt haben.

Nach dem verheerenden Zugunglück in Spanien gehen die Bergungsarbeiten weiter. Mit Hilfe dreier großer Kräne seien Rettungsteams auch die Nacht über im Einsatz gewesen, um nach möglichen weiteren Opfern in den zerstörten Waggons zu suchen, berichtetet der spanische Sender RTVE. Neben Drohnen mit Wärmebildsensoren werden demnach auch Suchhunde eingesetzt.

Bei dem Unglück am Mittwochmorgen waren in der Provinz Toledo mindestens 68 Menschen ums Leben gekommen und Dutzende verletzt worden, als nahe der Gemeinde Urda zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammenstießen. Ein Zug der staatlichen Gesellschaft Renfe fuhr dabei von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo auf. Insgesamt saßen mehr als 540 Passagiere in den beiden Zügen. Die Retter schließen nicht aus, dass sich in den Waggon-Wracks noch weitere Opfer befinden.

Viele Menschen suchten in der Nacht noch nach vermissten Familienangehörigen. Um die Identifizierung der Opfer zu erleichtern, können Angehörige in der Hauptstadt Madrid sowie in den Städten Toledo, Córdoba und Sevilla DNA-Proben abgeben. Zudem wurden in Kastilien-La Mancha und Madrid Zentren für Blutspenden eingerichtet.

Staatstrauer bis Samstag

Am Mittwochabend gedachten die Menschen vor zahlreichen Rathäusern in ganz Spanien mit einer Schweigeminute der Opfer. Ministerpräsident Pedro Sánchez rief zudem eine dreitägige Staatstrauer bis Samstag aus - und versprach eine umfassende Aufklärung. "Wir werden der Sache bis zum Ende nachgehen. Sollte es Fahrlässigkeit gegeben haben, wird das ans Licht kommen", versicherte er vor Journalisten an der Unglücksstelle.

"Für ein Land wie Spanien ist es nicht hinnehmbar, innerhalb eines Jahres zwei schwere Unglücke mit Hochgeschwindigkeitszügen zu erleben", sagte Sánchez mit Blick auf das Zugunglück von Adamuz in Andalusien, bei dem im Januar 46 Menschen ums Leben gekommen waren. Sollten sich Fehler im Sicherheitssystem herausstellen, werde man mit aller Konsequenz reagieren.

Ausschreitungen vor dem Verkehrsministerium

Sánchez steht auch deshalb unter Druck, weil er einen Monat vor der vorgezogenen Parlamentswahl von der konservativen und rechtspopulistischen Opposition für das Unglück verantwortlich gemacht wird. "Korruption tötet", die linke Regierung sei kriminell, sagte etwa der Chef der rechtspopulistischen Partei Vox, Santiago Abascal.

Am Abend hatten ultrarechte Gruppierungen zu einer Kundgebung vor dem Verkehrsministerium in Madrid aufgerufen. Dabei kam es zu Spannungen zwischen Teilen der rund 1.500 Demonstranten und der Polizei, wie der Fernsehsender TVE berichtete. Die Beamten setzten schließlich Tränengas ein, um die Demonstration aufzulösen. Die Proteste richteten sich gegen Sánchez' Regierung sowie Verkehrsminister Óscar Puente, bei denen die Kundgebungsteilnehmer die Verantwortung für das Zugunglück sehen.

Streik der Eisenbahner

Dabei ist die Ursache des aktuellen Unglücks noch nicht abschließend geklärt. Puente deutete jedoch auf mögliches menschliches Versagen hin. Das Unglück sei auf eine "unerklärliche" und "falsche" Entscheidung der Bahnleitstelle zurückzuführen. Obwohl das automatische Zugsicherungssystem nach einem Computerausfall noch nicht wieder funktionierte, habe die Leitstelle dem Renfe-Zug grünes Licht zur Weiterfahrt gegeben, während der Iryo-Zug noch stand. Ob allerdings tatsächlich menschliches Fehlverhalten vorlag, müsse die Untersuchung klären, sagte der Verkehrsminister.

Warum der zuständige Fahrdienstleiter die Gefahr nicht rechtzeitig erkannte, ist eine der zentralen offenen Fragen. Zwischen den beiden Zügen lagen rund 25 Kilometer, die der Renfe-Zug in etwa 17 Minuten zurücklegte. Beamte der Polizei und der unabhängigen Behörde für die Untersuchung von Unfällen (AITAT) befragten bereits den Mitarbeiter. Die AITAT hält es derweil für "viel zu früh", Hypothesen zu den Ursachen des Zusammenstoßes aufzustellen.

Kritik am Zustand des Eisenbahnnetzes gab es unter anderem von der spanischen Eisenbahngewerkschaft. Die Lokführergewerkschaft Semaf hält an ihrem für heute angekündigten Streik fest, mit dem sie Verbesserungen bei der Sicherheit fordert. Der Ausstand war bereits am 16. Oktober und damit vor dem Unglück angekündigt worden.

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