Die Warnzeichen zwischen Erinnerungen und echtem Horten

Wenn Sammeln zum Problem wird
Die Warnzeichen zwischen Erinnerungen und echtem Horten
Alte Dinge aufzubewahren, hat laut Psychologie oft weniger mit Unordnung zu tun als mit Erinnerungen, Sicherheitsbedürfnis und Kontrolle. Problematisch wird es erst, wenn das Horten den Alltag, Beziehungen oder die Nutzung der Wohnung belastet.
Publiziert: vor 28 Minuten
- Alte Dinge geben Sicherheit und bewahren Erinnerungen
- Sie können Teil der Identität werden, trotz wenig Nutzen
- Bei Belastung wird Horten zum Problem; Sortieren hilft
Pauline BouillonRedaktorin News Desk
Alte Dinge werden verstaut statt entsorgt – das macht uns nicht automatisch unordentlich. Oft hängen daran Erinnerungen, Gefühle – und ein Stück Sicherheit. Ein Gegenstand kann emotional viel bedeuten, obwohl man ihn längst nicht mehr braucht.
Das alte T-Shirt im Schrank, das Kabel für ein Gerät, das es gar nicht mehr gibt, die leere Schachtel. Warum behält man all das? Oft reicht ein Gedanke: «Vielleicht brauche ich es irgendwann noch.»
Warum fällt es uns so schwer, Dinge wegzuwerfen?
Wenn wir etwas wegwerfen, trennen wir uns nicht nur vom Gegenstand, sondern manchmal auch von dem Gefühl, das daran hängt. Deshalb öffnen wir Kisten mit Fotos, Kinderzeichnungen, Souvenirs oder alten Kleidern oft jahrelang nicht. Wir wissen, was darin steckt. Und genau deshalb fällt es uns schwer, sie loszulassen.
«Vielleicht brauche ich es noch» gibt ein Gefühl von Sicherheit
Auch der Wunsch nach Kontrolle spielt eine Rolle. Wenn man etwas behält, hält man sich alle Möglichkeiten offen. Vielleicht braucht man das Kabel irgendwann doch. Vielleicht passt die Schachtel plötzlich perfekt.
Beim Wegwerfen trifft man eine endgültige Entscheidung. Das ist unangenehm: Man muss akzeptieren, dass man es später vielleicht bereut.
Gegenstände werden Teil unserer Identität
In der Psychologie spricht man vom «erweiterten Selbst». Dinge, die uns gehören, können Teil unserer Identität werden. Sie erzählen etwas über unsere Familie, unseren Geschmack oder wichtige Stationen im Leben.
Die Konsumgesellschaft verstärkt das Phänomen: Besitz steht oft für Erfolg, Lebensstil und Persönlichkeit. Gleichzeitig hat das Sammeln einen alten Hintergrund: Früher konnten Vorräte überlebenswichtig sein. Heute bleibt dieser Mechanismus bestehen – selbst wenn wir ihn längst nicht mehr brauchen.
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Ein paar Kisten mit Erinnerungsstücken sind noch kein Problem. Gefährlich wird es, wenn der Kram Angst oder Scham auslöst und man keine Gäste mehr einladen möchte. Wenn Räume unbewohnbar werden oder Streit in der Familie droht, hat man ein Problem.
Man muss nicht alles auf einmal wegwerfen
Wer ausmisten will, muss nicht gleich den ganzen Keller räumen. Fang lieber klein an: mit einer Schublade, einem Regal oder einer Kiste. Eine einfache Frage hilft: «Brauche ich das wirklich – oder habe ich nur Angst, es später zu bereuen?»
Tipp: Fotografiere Erinnerungen, bevor sie fliegen. Oder verschenk die Sachen – das fällt oft leichter als Wegwerfen. Ziel ist kein leeres Zuhause, sondern Platz für echte Erinnerungen – ganz ohne jahrelangen Ballast.
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.
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