Spanien beschließt nach Zugunglück neue Sicherheitsmaßnahmen im Bahnverkehr
Neue Sicherheitsmaßnahmen Spanien zieht erste Konsequenzen aus Zugunglück
Stand: 03.11.2026 • 18:32 Uhr
69 Menschen starben vor knapp einer Woche bei der Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge - es war bereits das zweite schwere Zugunglück in Spanien in diesem Jahr. Nun sollen neue Maßnahmen die Sicherheit verbessern.
Knapp eine Woche nach dem Zugunglück mit 69 Toten hat die spanische Regierung Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit im Bahnverkehr beschlossen. Zudem sei ein Hilfspaket von 30 Millionen Euro für Opfer und Angehörige gebilligt worden, teilte die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez mit. "Wir versichern, unermüdlich daran zu arbeiten, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Hochgeschwindigkeitszüge wieder herzustellen und zu erreichen", sagte Verkehrsminister Óscar Puente.
Zwei Hochgeschwindigkeitszüge waren am Mittwoch vergangener Woche nahe der Gemeinde Urda südlich von Madrid zusammengestoßen. Ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe fuhr von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo auf. Es war das zweite schwere Zugunglück innerhalb von nur neun Monaten in Spanien - im Januar waren bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Adamuz in Andalusien 46 Menschen ums Leben gekommen.
Zugsicherungssystem und Kontrollzentrum im Fokus
Während im Fall von Adamuz u. a. ein Gleisbruch als Ursache gilt, konzentrieren sich die Ermittlungen zum Unglück in Urda vor allem auf den Ausfall des Zugsicherungssystems LZB und mögliche Fehler im Kontrollzentrum des Netzbetreibers Adif. Bisherigen Erkenntnissen zufolge soll ein Mitarbeiter nach einem Ausfall des Leitsystems falsche Anweisungen gegeben haben.
Die Zahl der Züge zwischen Madrid und Sevilla solle nun so lange reduziert werden, bis dort das neue europäische Zugsicherungssystem ERTMS in Betrieb gehe, erklärte Puente. Fällt das bisherige LZB-System aus, muss zudem künftig ein zweiter Mitarbeiter im Kontrollzentrum die Anweisungen an die Lokführer überprüfen und bestätigen. Damit soll verhindert werden, dass Züge trotz unklarer Streckenverhältnisse weiterfahren.
Darüber hinaus sollen die Personalstärke in den Kontrollzentren erhöht und die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter verbessert werden. Die Regierung beschloss auch Preisobergrenzen für alternative Verkehrsmittel während der Sperrung der Unfallstrecke, um überhöhte Kosten für Reisende zu verhindern.
Alle Todesopfer identifiziert
Das Hilfspaket umfasst direkte staatliche Hilfen, Vorschüsse auf spätere Entschädigungszahlungen und eine Verdoppelung der Leistungen aus der gesetzlichen Fahrgastversicherung. Opfer und ihre Angehörigen sollen über eigens eingerichtete Anlaufstellen betreut werden. Für Verletzte ist zudem eine besondere Regelung zur vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit vorgesehen.
Knapp vier Wochen vor der vorgezogenen Parlamentswahl in Spanien steht die Minderheitsregierung von Ministerpräsident Sánchez wegen des Zugunglücks massiv in der Kritik. Die Opposition fordert nach dem zweiten schweren Zugunglück in diesem Jahr personelle Konsequenzen.
Alle 69 Todesopfer des Unglücks - 40 Männer und 29 Frauen - wurden inzwischen identifiziert, wie die Behörden mitteilten. 37 der insgesamt rund 200 Verletzte werden noch in Krankenhäusern behandelt.
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