Angriffe auf Flughafen in Riad – Wie handhabt Kronprinz Mohammed bin Salman die aktuelle Krise?

Die Angriffe auf den Flughafen in Riad setzen Saudi-Arabiens Kronprinzen Mohammed bin Salman unter Druck. Seine Versprechen von Stabilität und Wohlstand sind in der aktuellen Situation infrage gestellt. SRF-Nahost-Korrespondent Thomas Gutersohn beobachtet die Situation im saudischen Königreich.
Thomas Gutersohn
Nahost-Korrespondent
Thomas Gutersohn lebt seit 2023 in Amman und berichtet für SRF aus dem Nahen Osten. Von 2016 bis 2022 war er als Südasien-Korrespondent tätig, zuvor hatte er aus der Westschweiz berichtet. Gutersohn arbeitet seit 2008 bei SRF und hat in Genf internationale Beziehungen studiert.
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Wie geht bin Salman mit der Krise um?
Saudi-Arabien und der Kronprinz zeigen sich vordergründig unbeeindruckt. Eine grosse Energiekonferenz mit mehreren ausländischen Ministern und Hunderten Wirtschaftsführern findet trotz des Sicherheitsrisikos statt. Die Botschaft: Wir lassen uns von den Huthi nicht einschüchtern. Einzig der Energieminister sagte an der Konferenz, dass diese Angriffe Saudi-Arabien auf den Prüfstand stellen würden. Der Kronprinz selbst aber schweigt und trat seit den Angriffen nicht mehr öffentlich auf. Das erstaunt, weil er viel Macht auf sich konzentriert. Sein Schweigen deutet darauf hin, dass es hinter den Kulissen gehörig rumort.
Wie stark leidet sein Image als Garant für Sicherheit und Stabilität?
Bei früheren Huthi-Angriffen gab es nie so viele Tote und Verletzte wie am Wochenende. Das setzt ihn unter Zugzwang. Bisher wollte er sich nicht erneut in einen Krieg im Jemen hineinziehen lassen und unterstützte die international anerkannte Regierung militärisch und finanziell. Das dürfte er nun noch stärker tun. Die Frage ist, ob das reicht. Denn er muss der Bevölkerung zeigen, dass eine rote Linie überschritten wurde – und die Investitionen in Rüstung und Bündnisse etwas bringen. Sonst könnte sein Verhalten als Schwäche gelten.
Wie steht es um seine wirtschaftlichen Versprechen?
Der Investitionsmotor ist ins Stocken geraten, auch wegen des Kriegs zwischen den USA und dem Iran. Im ersten Halbjahr gingen die Investitionen und die Einnahmen ausserhalb des Ölsektors zurück. Laut einer Recherche des «Wall Street Journal» stehen die Bauarbeiten an der Zukunftsstadt Neom praktisch still. Andere Projekte der Vision 2030 wurden zurückgeschraubt oder auf Eis gelegt. Geplatzte Zukunftsträume und Unsicherheit sind ein gefährliches Gemisch für den Kronprinzen.
Was bedeutet das für seinen Rückhalt im Land?
Sein Rückhalt ist immer noch ungebrochen. Aber bin Salman hat nicht nur Freunde im Land. Er hat die Macht 2015 nicht einfach übernommen, sondern an sich gerissen. Er hat damals die gesamte Elite des Landes in einem Nobelhotel in Riad gefangen genommen und gefoltert und entmachtet. Das ist vielen noch im Gedächtnis. Auch die einst einflussreichen konservativen Kleriker hat er an den Rand gedrängt. Sie lehnen seinen Reformkurs ab. Selbst als Kronprinz ist er deshalb nicht völlig unantastbar.
Muss er um seine Position fürchten?
Nicht unmittelbar. Viel hängt davon ab, wie er diese Krise angeht. Gefährlich werden solche Momente, wenn Zukunftsträume auf die harte Realität einer von Krieg geprägten Region treffen. Bin Salman hat alles auf wirtschaftliche Entwicklung gesetzt und dabei womöglich die geopolitischen Realitäten aus den Augen verloren. Wenn der Energieminister sagt, Saudi-Arabien stehe auf dem Prüfstand, heisst das eigentlich: Bin Salmans Regierung steht auf dem Prüfstand.
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