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Saturday, October 10, 2026

Gift, Strom, Kugeln: So töten US-Bundesstaaten

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  • In 27 US-Bundesstaaten sowie auf Bundesebene gilt die Todesstrafe.
  • Zulässige Methoden sind Giftspritze, elektrischer Stuhl, Stickstoffhypoxie, Gaskammer und Erschiessen.
  • 2025 wurden in den USA 47 Hinrichtungen vollstreckt – der höchste Stand seit 2009.
  • 66 Prozent der US-Bevölkerung befürworten die Todesstrafe bei Mord.

Die misslungene Hinrichtung von Christa Pike im US-Bundesstaat Tennessee hat erneut eine Debatte über die Anwendung der Todesstrafe ausgelöst. Pike sollte mit der Giftspritze getötet werden, einer Hinrichtungsart, wie sie in allen Bundesstaaten mit Todesstrafe zulässig ist. Obwohl ihr zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht wurden, lebte sie weiter. Zeugen berichteten, Pike habe nach der Verabreichung der Mittel weiterhin geatmet und hörbar nach Luft gerungen.

Als Konsequenz der fehlgeschlagenen Hinrichtung setzte Tennessees Gouverneur Bill Lee alle Hinrichtungen bis zum Jahresende aus und ordnete eine unabhängige Untersuchung an. Der temporäre Stopp betrifft nicht nur die Giftspritze, sondern auch alle anderen in dem Südstaat zulässigen Hinrichtungsmethoden. Denn wie in vielen anderen Bundesstaaten, die die Todesstrafe anwenden, kommen in Tennessee mehrere Hinrichtungsarten infrage, so etwa auch der elektrische Stuhl.

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Zugelassene Tötungsarten bei Hinrichtungen in den USA

In den USA ist die Todesstrafe derzeit in 27 der 50 Bundesstaaten legal. Dazu gehören Kalifornien, Oregon, Pennsylvania und Ohio, wo der Vollzug der Todesstrafe auf unbestimmte Zeit ausgesetzt ist. Gründe dafür sind Bestrebungen, sie abzuschaffen, oder, wie im Fall von Ohio, dass die Giftspritze als bisher einzig legale Hinrichtungsart durch eine alternative Tötungsmethode ersetzt werden soll. Auch auf Bundesebene kommt die Todesstrafe im zivilen wie im militärischen Bereich zur Anwendung.

Giftspritze

Die Giftspritze ist in allen Bundesstaaten mit Todesstrafe eine zulässige Hinrichtungsart. Ebenso auf Bundesebene. Sie kam am 7. Dezember 1982 in Texas erstmals zum Einsatz. Seither wurden laut Death Penalty Information Center in den USA mindestens 1492 Menschen mittels Giftspritze hingerichtet.

Ablauf: Der verurteilten Person wird ein tödliches Präparategemisch – üblicherweise ein Betäubungs- oder Beruhigungsmittel wie Pentobarbital, Midazolam beziehungsweise Propofol, ergänzt durch Muskelentspanner sowie Kaliumchlorid – gespritzt oder eine Überdosis eines einzelnen Barbiturats verabreicht.

In der Todeskammer in Huntsville, Texas, wurde am 7. Oktober 2026 der wegen Mordes zum Tode Jamaal Howard (46) mit der Giftspritze hingerichtet. (Aufnahme vom Juni 2000.)

In der Todeskammer in Huntsville, Texas, wurde am 7. Oktober 2026 der wegen Mordes zum Tode Jamaal Howard (46) mit der Giftspritze hingerichtet. (Aufnahme vom Juni 2000.)Getty Images

Elektrischer Stuhl

Die als Elektrokution bezeichnete Hinrichtungsart ist in den Bundesstaaten Alabama, Arkansas, Florida, Kentucky, Mississippi, Oklahoma, Tennessee und Virginia als Sekundärmethode zugelassen. In South Carolina ist der elektrische Stuhl seit 2021 die Haupt-Hinrichtungsart.

Ablauf: Die verurteilte Person wird auf einem Holzstuhl festgebunden und zwei massiven Wechselstromstössen (etwa 2000 bis 2500 Volt) ausgesetzt, die zum Herzstillstand sowie Hirntod führen.

Gaskammer

Die Gaskammer ist in Arizona, Kalifornien, Missouri und Wyoming eine erlaubte Hinrichtungsart. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA 1976 wurden elf Personen in der Gaskammer hingerichtet. Die letzte war Walter LeGrand in Arizona am 3. März 1999.

Ablauf: Die verurteilte Person wird in der Gaskammer auf einem speziellen Stuhl festgeschnallt, danach wird der Raum luftdicht verschlossen. Durch eine chemische Reaktion wird anschliessend Blausäuregas freigesetzt. Über die Lunge gelangt das Gift ins Blut, blockiert die Sauerstoffverwertung in den Zellen und führt schliesslich zum Tod.

Stickstoffhypoxie

Diese Hinrichtungsmethode ist in den Bundesstaaten Alabama, Arkansas, Louisiana, Mississippi und Oklahoma zugelassen. In keinem der Staaten ist sie als Primärmethode vorgeschrieben. Zum Einsatz kam die Stickstoffhypoxie bisher siebenmal in Alabama und einmal in Louisiana.

Ablauf: Der zum Tode verurteilten Person wird über eine Maske reiner Stickstoff zugeführt. Das Einatmen von Stickstoff führt zu einem zunehmenden Sauerstoffmangel und schliesslich zum Tod.

Erschiessungskommando

Die Hinrichtung durch Erschiessen ist in Utah, Oklahoma, Mississippi und South Carolina als Sekundärmethode zugelassen. In Idaho ist es seit dem 1. Juli 2026 die Haupt-Hinrichtungsart.

Ablauf: Die verurteilte Person wird in einem speziellen Raum auf einem Stuhl fixiert. Drei bis fünf Schützen, deren Identität geheim bleibt, zielen auf eine Markierung auf dem Herzen des Verurteilten.

Erhängen

In keinem der 27 Staaten mit Todesstrafe ist Hängen heute noch eine zulässige Hinrichtungsart, auch nicht auf Bundesebene. Trotzdem könnte Hängen noch ein einziges Mal zur Anwendung kommen – in New Hampshire, das die Todesstrafe 2019 abgeschafft hat. Dort soll der 2008 zum Tode verurteilte Michael Addison trotz inzwischen erfolgter Abschaffung noch hingerichtet werden. Dafür sind in New Hampshire zwei Methoden zulässig: die Giftspritze sowie als Alternative der Tod durch den Strang.

Methoden auf Bundesebene

In den USA gibt es auf Bundesebene zwei getrennte Systeme für die Todesstrafe: die zivile Bundesjustiz und die Militärjustiz.

Zivile Bundesjustiz

Bei einem Todesurteil eines zivilen Bundesgerichts richtet sich die Hinrichtungsmethode grundsätzlich nach dem Recht des Bundesstaats, in dem das Urteil gefällt wurde. Hat dieser keine Todesstrafe, bestimmt das Gericht einen anderen Bundesstaat mit Todesstrafe. Die Bundesvorschriften erlauben eine Giftinjektion oder eine andere Methode, die das jeweils massgebende Staatsrecht vorsieht.

Militärjustiz

Für Todesurteile nach US-Militärrecht gelten andere Regeln. Der Präsident muss die Vollstreckung persönlich genehmigen. Eine einzelne Hinrichtungsmethode ist derzeit nicht mehr vorgeschrieben. Frühere Armeeregeln sahen die Giftinjektion vor. Heute bestimmt der Army Secretary die Methode im jeweiligen Fall.

«Grausame und ungewöhnliche Bestrafung»?

Gegner der Todesstrafe wie etwa die American Civil Liberties Union (ACLU) betrachten die Todesstrafe grundsätzlich als Verstoss gegen den achten Zusatzartikel der US-Verfassung. Dieser verbietet grausame und ungewöhnliche Strafen («cruel and unusual punishments»). Medizinische Fachorganisationen und Fachleute weisen bei verschiedenen Hinrichtungsmethoden auf das Risiko erheblicher Schmerzen hin. Die grösste Standesvertretung der Ärzte, die American Medical Association, untersagt Ärztinnen und Ärzten aus berufsethischen Gründen die aktive Beteiligung an Hinrichtungen.

Das höchste Gericht der USA hat bisher keine Hinrichtungsmethode als verfassungswidrig eingestuft. Das passierte bisher erst auf Ebene der Bundesstaaten. So haben Georgia und Nebraska etwa den elektrischen Stuhl 2001 beziehungsweise 2008 als «grausame und ungewöhnliche Bestrafung» verboten.

Laut einer am 6. August veröffentlichten Umfrage des Pew Research Centers befürworten 66 Prozent der befragten Erwachsenen in den USA die Todesstrafe bei Mord; 32 Prozent lehnen sie ab. Schlüsselt man die Umfrageresultate nach politischen Lagern auf, ergibt sich folgendes Bild: 84 Prozent der Republikaner und republikanisch orientierten Unabhängigen befürworten die Todesstrafe, bei Demokraten und demokratisch orientierten Unabhängigen sind es 51 Prozent.

Die Todesstrafe in den USA in Zahlen

Die USA gehörten 2025 laut Amnesty International zu den fünf Ländern mit den meisten Hinrichtungen. Bisher gab es im Jahr 2026 in den USA 30 Hinrichtungen. Davon 16 in Florida, sieben in Texas, drei in Oklahoma, zwei in Alabama und je eine in Tennessee und Arizona.

Im Jahr 2025 wurden in den USA in elf Bundesstaaten 47 Hinrichtungen vollstreckt, was den höchsten Stand seit 2009 darstellt. Florida trug mit 19 Hinrichtungen massgeblich zum Anstieg bei. South Carolina, Texas und Alabama folgten mit jeweils fünf Hinrichtungen. Weitere Bundesstaaten, die die Todesstrafe vollstreckten, waren Tennessee (drei), Arizona (zwei), Indiana (zwei), Mississippi (zwei), Oklahoma (zwei), Missouri (eine) und Louisiana (eine). Tennessee hat seit 2018 elf Personen hingerichtet.

Jean-Claude Gerber

Jean-Claude Gerber (jcg) arbeitet seit 2005 für 20 Minuten. Er ist seit 2013 Leiter des Ressorts Wissen, History und Digital und seit 2020 Blattmacher.

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