Was Trump bei der Krawatte falsch macht – und du vielleicht auch

Eine Krawatte ist nur ein kleines Stück Stoff. Trotzdem kann sie einen Anzug in Sekunden eleganter machen – oder so wirken lassen, als sei beim Binden etwas schiefgelaufen. Vor allem Länge und Breite entscheiden laut Fashion Consultant Sharon Jost, ob ein Look stimmig wirkt.
Generell werde die Krawatte mittlerweile im Alltag viel seltener getragen. «Heutzutage ist sie eher ein Statementpiece als Bestandteil eines klassischen Businessdresscodes», sagt die Modeexpertin gegenüber 20 Minuten. Wer eine trägt, zeige zwar nicht automatisch bestimmte Charaktereigenschaften, sende aber Signale: «Je nach Krawattenart wirkst du formell oder modisch, klassisch oder verspielt, sorgfältig oder nachlässig.»
Über die Expertin
Die optimale Krawattenlänge ist bis zum Hosenbund
Bei der Länge ist die Regel laut der Modeexpertin klar. «Die Spitze der Krawatte soll direkt oberhalb der Gürtelschnalle oder des Hosenbunds enden», erklärt Jost. Hänge sie deutlich darüber oder darunter, wirke der Look nachlässig und unstylish. Wer sich schon die Mühe mache, eine Krawatte anzuziehen, solle auch darauf achten, dass sie richtig sitze. Als prominente Extremversion nennt Jost US-Präsident Donald Trump, dessen rote Krawatten häufig deutlich über den Gürtel reichen.
Schmal wirkt modischer, breit klassischer
Bei der Breite gibt es dagegen keine so eindeutige Regel. «Eine schmale Krawatte wirkt tendenziell jünger, moderner und modischer, eine breitere klassischer, traditioneller und formeller», so die Modeexpertin.
Jost rät, die Krawatte nie isoliert zu betrachten. Entscheidend seien immer die Proportionen. Ein schmal gebauter Mann mit eher schmalem Revers vertrage meist auch eine schmalere Krawatte. Bei kräftigerer Statur oder breitem Revers wirke eine breitere Variante harmonischer. «Wenn jemand schmal gebaut ist und eine sehr breite Krawatte trägt, wird sie schnell dominant. Umgekehrt kann eine sehr schmale Krawatte bei einer kräftigeren Statur den Look aus dem Gleichgewicht bringen.»
Worauf achtest du bei einer Krawatte am ehesten?
Auch der Knoten muss zum Hemd passen
Der dritte Stolperstein sitzt direkt unter dem Kinn. Ist der Knoten schief, locker oder passt er nicht zum Hemdkragen, fällt das laut Jost sofort auf. «Ein breiterer Kragen verträgt einen grösseren Knoten, bei einem schmaleren Kragen passt meist eine kleinere, reduzierte Form besser.»
Josts Tipp ist simpel: Man solle nicht fünf Minuten vor dem Termin zum ersten Mal seit Jahren einen Krawattenknoten binden. «Wenn man nicht so viel Erfahrung hat, sollte man sich etwas Zeit nehmen. Es gibt sehr viele Tutorials im Internet.» Gepflegt und sauber gebunden sei wichtiger als ein möglichst komplizierter Knoten.
«Krawatte ist nicht einfach bloss ein Add-on»
Und dann wäre da noch Rot, die klassische «Power-Tie»-Farbe, wie etwa Trump sie oft trägt. Psychologe Sal Raichbach ordnet das gegenüber «HuffPost» etwas nüchterner ein. Rot signalisiere eher «Achte auf mich» als «Vertrau mir» oder «Ich bin selbstbewusst».
Das passt auch zu Josts Blick auf die Krawatte insgesamt: «Sie ist heute weniger Uniform als Stilentscheidung.» Auffällige Farben und Muster können laut der Modeexpertin verspielt wirken, eine zurückhaltende Kombination formeller. Entscheidend sei, dass der Rest des Looks mitzieht. «Eine Krawatte ist ein essenzieller Teil des Gesamtbilds und nicht einfach bloss ein Add-on», sagt Jost.
Wie oft trägst du noch eine Krawatte – und bei welchen Anlässen gehört sie für dich einfach dazu? Erzähl es uns in den Kommentaren.
Vanessa Büchel (vab) arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Fashion-Redaktorin im Lifestyle-Ressort und schreibt über Trends und Styling-Tipps.
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