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Friday, October 2, 2026

Guy Parmelin tritt zurück – Vom Alibi-Kandidaten zum Staatsmann – Guy Parmelin im Bundesrat

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Guy Parmelin startete mit wenig Vorschusslorbeeren ins Amt. Stets kollegial und pragmatisch ist er heute respektiert.

02.10.2026, 11:17

Als Guy Parmelin vor elf Jahren für den Bundesrat antrat, diskutierte die Schweiz darüber, ob nicht wieder ein Tessiner an der Reihe sei. Auch deshalb fragte das Westschweizer Fernsehen Parmelin, ob er ein Alibi-Kandidat sei. «Nein, überhaupt nicht. Als Erstes gehe ich mich jetzt vorstellen», sagte Parmelin. Das tat er mit Erfolg.

Der gelernte Meisterlandwirt und Weinbauer aus der Waadt setzte sich gegen den Zuger Thomas Aeschi und den Tessiner Norman Gobbi durch. Auch wenn er in den Hearings nicht mit Englischkenntnissen glänzte. Auch wegen solcher Momente startete Parmelin mit wenig Vorschusslorbeeren ins Amt. Als Verteidigungsminister blieb er zunächst eher unauffällig.

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  • Bild 1 von 11. Guy Parmelin wird am 9. Dezember 2015 von der Vereinigten Bundesversammlung im dritten Wahlgang in den Bundesrat gewählt. Bildquelle: Keystone/Peter Klaunzer/Archiv.

    Leute in Saal.
  • Bild 2 von 11. Zusammen mit seiner Frau Caroline lässt sich Parmelin einige Tage später in Nyon feiern. Bildquelle: Keystone/Jean-Christophe Bott/Archiv.

  • Bild 3 von 11. Zuerst leitete Parmelin das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Hier übergibt er dem FC Basel den Pokal nach dessen Cupsieg 2017. Bildquelle: Keystone/Laurent Gillieron/Archiv.

  • Bild 4 von 11. 2018 holte die Schweizer Hockeynationalmannschaft WM-Silber. Auch hier war der Waadtländer vor Ort. Bildquelle: Keystone/Salvatore Di Nolfi/Archiv.

  • Bild 5 von 11. Ende 2020, mitten in der Corona-Pandemie, wird Parmelin zum Bundespräsidenten für das Jahr 2021 gewählt. Bildquelle: Keystone/Peter Schneider/Archiv.

  • Bild 6 von 11. In dieser Funktion erlebt er viele Momente auf internationalem Parkett. Der prägendste 2021 beim Treffen in Genf mit den beiden Präsidenten aus den USA und aus Russland. Bildquelle: Keystone/Patrick Semansky/Archiv.

  • Bild 7 von 11. Oder im September 2021, als er vor der UNO in New York spricht. Bildquelle: Keystone/Spencer Platt/Archiv.

  • Bild 8 von 11. Ein prägendes Bild der letzten Jahre: Guy Parmelin im Medienzentrum in Bern während einer seiner unzähligen Medienkonferenzen, vor allem während der Corona-Pandemie. Bildquelle: Keystone/Peter Schneider/Archiv.

  • Bild 9 von 11. Bundesrat Guy Parmelin beim bilateralen Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Rahmen des Weltwirtschaftsforums (WEF) im Januar 2026. Bildquelle: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON.

  • Bild 10 von 11. Beim WM-Spiel der Schweizer Nationalmannschaft gegen Algerien sorgt Guy Parmelin mit seiner polarisierenden Kopfbedeckung für Gesprächsstoff. Bildquelle: REUTERS/Agustin Marcarian.

  • Bild 11 von 11. Bei der nationalen Trauerfeier in Martigny wird der Opfer des Brandunglücks von Crans-Montana mit einer Schweigeminute gedacht. Bildquelle: KEYSTONE/LAURENT GILLIERON.

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Aufblühen konnte er im Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung ab 2019. Seither gelang ihm vieles: Freihandelsabkommen mit Indonesien, Indien, Thailand oder Mercosur. An der Urne gewann er gegen die Trinkwasser- und die Pestizid-Initiative. Englisch spricht er fliessend, die Sprachkenntnisse sind kein Thema mehr.

Im Präsidialjahr auf die Weltbühne

In seinem ersten Präsidialjahr 2021 betrat Parmelin die Weltbühne: Er begrüsste US-Präsident Biden und Russlands Präsident Putin in Genf. Parmelin als Staatsmann – dieses Bild blieb auch vor dem Antritt des zweiten Präsidialjahrs im letzten Dezember. Parmelin fand im Zollstreit eine zumindest vorläufige Lösung mit den USA.

Dabei blieb er stets pragmatisch und kollegial gegenüber den anderen Bundesratsmitgliedern. Auch als Karin Keller-Sutter ein halbes Jahr vor der Einigung ein Telefongespräch mit US-Präsident Donald Trump missglückte. Es sei einfach, die Bundespräsidentin zu kritisieren, aber: «Der Bundesrat gewinnt zusammen und verliert zusammen.»

Im Zollstreit mit den USA wurde Parmelin auch kritisiert, etwa als eine Gruppe milliardenschwerer Unternehmer im Weissen Haus dem US-Präsidenten eine Uhr und einen Goldbarren überbrachte. Im September musste er zudem die Kündigung seiner wichtigen Handelsdiplomatin Helene Budliger Artieda hinnehmen.

Stets vertrat der 66-Jährige die Linie des Bundesrats und nicht jene der SVP. Auch während Corona, als Gesundheitsminister Alain Berset als Diktator bezeichnet wurde. «Sieht er für Sie wirklich wie ein Diktator aus?», fragte Parmelin die versammelten Bundeshaus-Journalisten in einer Medienkonferenz. Er habe nicht diesen Eindruck, wenn er ihn sehe.

Parmelin stimmte einst Ja zum EWR

Solch humorvolle Spitzen lässt der Waadtländer immer wieder einfliessen – auch wenn es ihm bei seinen Auftritten vor allem um die Sache geht, nicht um sich selbst. Ein zwiespältiges Verhältnis hat Parmelin zu Europa. Er hatte 1992 für den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum EWR gestimmt. Genau wie die Westschweiz, aber anders als die SVP, die mit dem EWR-Nein den Grundstein für ihren Aufstieg legte.

«Manchmal macht man Fehler im Leben und man muss das erkennen», sagte Parmelin über sein EWR-Ja später. Ausgerechnet er, der für den EWR gewesen war, überbrachte Brüssel 2021 die Absage zum Rahmenabkommen. Zuletzt ging der Bundesrat wieder auf Brüssel zu.

Im Frühling setzte er für die Schweiz die Unterschrift unter das Vertragspaket mit der EU. In der Schweiz handelte Parmelin den Lohnschutz dazu aus. Aus dem einstigen Alibi-Kandidaten ist ein Staatsmann geworden, der von allen Parteien respektiert wird. Und der davon profitiert hat, dass er von Anfang an unterschätzt wurde.

Im VBS

  • 25.09.16 Nachrichtendienstgesetz   Ja 65.5%; Nein: 34.5%

im WBF

  • 09.02.20 Mehr gemeinnütziges Wohnen   Ja 42.9%; Nein 57.1%
  • 29.11.20 Kriegsmaterial-Finanzierungsverbots-Initiative   Ja 42.5%; Nein 57.5%
  • 07.03.21 Freihandelsabkommen Indonesien   Ja 51.6%; Nein 48.4%
  • 13.06.21 Trinkwasserinitiative   Ja 39.3%; Nein 60.7%
  • 13.06.21 Pestizidinitiative   Ja 39.4%; Nein 60.6%
  • 24.11.24: Mietrecht: Missbräuchliche Untermiete vermeiden Ja 48.4%; Nein 51.58%
  • 24.11.24: Mietrecht: Kündigung wegen Eigenbedarfs Ja 46.2%; Nein 53.8%
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