ASML: Chinas rote Teppiche sind „röter als rot“
ASMLs Chef für öffentliche Angelegenheiten Frank Heemskerk spricht das aus, was viele erwartet haben: Das Interesse an weiteren Niederlassungen ist weltweit hoch. „Ich war letzte Woche sowohl in China als auch in Indien. Und dort sind die roten Teppiche, die ausgerollt werden, röter als rot“, führt Heemskerk während einer niederländischen Podiumsdiskussion aus. „Und die sagen auch: ‚Kommt doch hierher investieren, kommt hierher eine Fabrik bauen.‘“
Heemskerks Redeanteil beginnt im Video ab Minute 22:23, allerdings auf Niederländisch. Auch in den USA ist das Interesse laut ihm groß: „Wir betreiben ein Viertel unserer Forschung in den USA und dort fragt man: ‚Kann das nicht die Hälfte werden?‘“ Momentan gibt ASML rund 1,2 Milliarden Euro pro Quartal für Forschung und Entwicklung aus, also rund 300 Millionen in den USA.
Weltmarktführer mit Einschränkungen in China
ASML ist der weltweit wichtigste Hersteller von Lithografie-Systemen, die zur Produktion moderner Chips notwendig sind. Es ist die einzige Firma, die Systeme mit extrem-ultravioletter (EUV-)Belichtungsquelle in Serie herstellen kann. Solche sind für Fertigungsprozesse spätestens ab der 5-Nanometer-Generation essenziell.
Insbesondere China dürfte ein großes Interesse haben, ASML ins eigene Land zu locken. Aufgrund von Exporteinschränkungen darf die niederländische Firma nur alte Lithografie-Systeme nach China verkaufen. Vor allem die USA sollen zu den Einschränkungen gedrängt haben.
EUV-Geräte sind für China seit ihrer Einführung tabu. Unter anderem der chinesische Chipauftragsfertiger SMIC und Huawei wollen Lieferketten für eigene Alternativen aufbauen, allerdings ist das teuer und zeitaufwendig. ASML arbeitet mit spezialisierten Zulieferern zusammen, die in ihren Feldern einzigartige Komponenten beisteuern: Zeiss etwa hochreine Optiken und Trumpf Hochleistungslaser.
Rüge an Europa
Heemskerk kritisiert derweil das politische und wirtschaftliche Geschehen in Europa. Alle nutzen zwar Smartphones und andere Geräte, deren Chipdesigner stammen jedoch entweder aus Nordamerika oder aus Asien. Er stellt klar: „Wir verkaufen in Europa schlichtweg gar nichts“, weil hier die Nachfrage fehlt.
„Das liegt daran, dass Europa nicht investiert und in Europa keine Chipfabriken gebaut werden. Und das ist wirklich besorgniserregend. Wir geben als ASML unser Bestes und führen Gespräche mit Ursula von der Leyen auf europäischer Ebene, um zu sagen: Versucht doch in einigen Bereichen die Marktmacht und -dynamik zu nutzen, die es in Europa letztlich ja gibt. Denn wir alle haben ein Smartphone mit einem Chip darin, ein Bügeleisen oder einen Toaster – überall stecken Chips drin.“
Dieses Jahr hat ASML noch keinen nennenswerten Umsatz durch Verkäufe nach Europa gemacht. Europa taucht vor allem dann in den Statistiken auf, wenn Intel sein irisches Halbleiterwerk ausbaut.
(Bild: ASML)
„Sorgt doch dafür, dass ein Teil dieser Auftraggeber und die Kunden unserer Kunden viel enger mit europäischen Produzenten in den Dialog treten“, wünscht sich Heemskerk stellvertretend für ASML. „Und beispielsweise auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz in der Industrie hat Europa noch jede Menge Chancen, die es ergreifen kann. Aber das muss man dann eben gemeinsam organisieren.“
Die EU-Kommission hat unter Präsidentin von der Leyen das Ziel erklärt, die europäische Chipproduktion bis 2030 auf einen Weltmarktanteil von 20 Prozent anzuheben. Dazu kam im Jahr 2022 der EU Chips Act. Nach damaliger Prognose wäre dafür eine Vervierfachung der Fertigungskapazität notwendig gewesen. Mit dem KI-Boom und der einhergehenden hohen Nachfrage nach KI-Beschleunigern, Prozessoren und Speicher dürfte die Diskrepanz inzwischen weiter gestiegen sein. Schon im April 2025, vor der gestiegenen Chipnachfrage, resümierte der EU-Rechnungshof, dass die Ziele der EU-Kommission „völlig realitätsfern sind“.
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