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Monday, October 19, 2026

Olivenernte im Westjordanland – «Das ist unser Land. Wir bleiben»

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Jamal Dhiab hat an diesem Morgen den Esel mitgebracht. Mit dem Auto, sagt der 66-Jährige, lasse man ihn nicht mehr zu seinen Feldern. Also lädt er die Säcke auf das Tier und führt es den steinigen Hang hinauf. Über ihm surrt eine Drohne. Den ganzen Morgen schon.

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  • Bild 1 von 2. Für Olivenbauer in Deir Istiya ist die Ernte die wichtigste Einnahmequelle – doch Siedlergewalt erschwert die Arbeit zunehmend. Bildquelle: SRF/Christina Brun.

    Mensch mit gelber Mütze belädt Esel, zwei Personen in Uniformen stehen im Hintergrund auf felsigem Gelände mit Bäumen.
  • Bild 2 von 2. Weil Jamal Dhiab nicht mehr mit dem Auto zu seinen Olivenhainen fahren darf, führt er einen bepackten Esel zu Fuss den Hang hinauf. Bildquelle: SRF/Christina Brun.

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Die Olivenbäume von Deir Istiya sind älter als der Konflikt, der um sie geführt wird. Manche stehen seit Jahrhunderten hier. «Jedes Jahr warten wir auf diese Oliven», sagt Ahed Mansour.

Die wichtigste Einnahme des Jahres

Über 100’000 palästinensische Familien leben laut der israelischen Zivilverwaltung vom Olivenöl. Seit dem 7. Oktober 2023 hat Israel den meisten Palästinensern die Arbeitsbewilligung entzogen.

«Früher arbeiteten die Leute in Israel», sagt Jamal Dhiab. In den palästinensischen Gebieten wird es immer schwieriger, Arbeit zu finden. «Und ernten können wir auch kaum, weil sie uns bedrängen.»

Maskiert und bewaffnet

Wer «sie» sind, zeigt sich in diesen Wochen fast täglich: Siedler, oft maskiert, manche schwer bewaffnet. Die UNO zählte bis Mitte Oktober fast 200 Angriffe, mehr als im ganzen Vorjahr. Laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium wurden seit Beginn der Ernte mindestens vier Menschen getötet.

Am Freitag wurde eine US-amerikanische Fotojournalistin der «Washington Post» schwer verletzt. Am Samstag griffen maskierte Männer mit Eisenstangen sogar europäische Diplomaten an. Die israelische Armee sprach von einem «schweren Gewaltakt». Das Büro von Premier Netanjahu nannte Gewalt gegen Diplomaten «inakzeptabel», warnte aber vor «voreiligen Schlüssen» und sprach von einer «koordinierten Kampagne», um Israel und die Siedler zu verunglimpfen.

Auch in Deir Istiya erklären Soldaten das Gebiet kurz nach dem Mittag zur Sperrzone. Kurz darauf kommt ein Siedler. Ausgerüstet mit einem Sturmgewehr. Weitere Soldaten tauchen auf. Einer stösst den Bauern, will einem Aktivisten das Handy aus der Hand reissen. Verletzt wird niemand, doch die Ernte ist vorbei.

Rückendeckung kommt auch von religiöser Seite. Der Siedlerrabbiner Dov Lior hat letzte Woche erklärt, Juden dürften Oliven aus palästinensischen Hainen ernten, denn das Land gehöre dem jüdischen Volk. Andere Rabbiner widersprechen: Diebstahl bleibe Diebstahl, egal, wem die Bäume gehören.

Ein Pass als Schutzschild

Zwischen Bauern und Siedlern stehen israelische Aktivistinnen und Aktivisten. Sie nutzen ihren israelischen Pass als Puffer. «Ich habe immer Angst», sagt Bettina Birmanns aus Jerusalem. «Aber der Trick ist, diese Angst zu überwinden und trotzdem zu kommen.» Vor Ort werden sie als «Verräter» beschimpft. Siedlervertreter nennen sie «Provokateure», die die Gewalt erst auslösten. Und der Staat geht zunehmend gegen sie vor: Gebiete werden gesperrt, sobald Freiwillige auftauchen.

Ahed Mansour hat keinen solchen Pass. Vor vier Tagen hätten Siedler versucht, ihm die Oliven zu nehmen, erzählt er. Dabei wurde er verletzt. Die Armee, so Mansour, schütze nicht die Bauern. Im Gegenteil: Sie komme mit den Siedlern, damit diese angreifen können.

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  • Bild 1 von 3. Während palästinensische Bauern wie Ahed Mansour regelmässig Gewalt durch Siedler fürchten müssen, versuchen israelische Aktivisten, vor Ort Schutz zu bieten. Bildquelle: SRF/Christina Brun.

  • Bild 2 von 3. Für viele Familien ist die Ernte die wichtigste Einnahmequelle des Jahres. Bildquelle: SRF/Christina Brun.

  • Bild 3 von 3. Wegen der zunehmenden Angriffe und Bedrängungen durch Siedler ist die Ernte lebensgefährlich geworden. Bildquelle: SRF/Christina Brun.

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Die israelische Armee schreibt auf Anfrage von SRF, sie sorge jedes Jahr für eine «sichere und geordnete Ernte». Auf den Vorwurf, sie schütze die Siedler, ging sie nicht ein.

Ob er Angst habe? «Nein», sagt Ahed Mansour. «Das ist unser Land. Wir bleiben.» Über ihm surrt wieder eine Drohne.

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