Hip, hipper, Harfe – Von Beyoncé bis in die Clubs: Brandee Younger entstaubt die Harfe

Wenn es heutzutage vibriert, dann ist das ja meistens das Handy. Sie sehnen sich nach echten Vibrationen? Dann ist eine Harfe vielleicht das Richtige. Wortwörtlich in Schwingung versetzt wird man beim Spielen, im engen Kontakt zum Instrument – ein Gefühl, das Brandee Younger schon als Kind fasziniert hat.
Etwas weniger begeistert von der harfespielenden kleinen Brandee waren deren Eltern. Nach jedem gemeisterten klassischen Stück meinten sie: «Okay, aber vielleicht machst du als Nächstes mal etwas, das die Menschen von heute auch kennen?»
Und weil Brandee Younger ihr Instrument nicht wieder hergeben wollte, als waschechte New Yorkerin aber auch mit Hip-Hop und R’n’B aufwuchs, fiel ihr die Entscheidung leicht: Sie würde ihre geliebte Harfe dorthin bringen, wo die jungen Menschen Musik hören. Auf den Dancefloor, in den Club, zusammen mit groovigen Bassisten und knackigen Schlagzeugern. Und mit Solisten oder Sängerinnen.
Grammyverdächtig: «Beautiful is Black»
Was in der Rückschau plausibel tönt, verlangte in der Anfangsphase vor allem zweierlei: Fantasie. Und gutes Networking. Die Harfe ist ein wählerisches Instrument. Eher leise von Natur aus. Tonartenwechsel erfordern viel Pedal-Arbeit. Die Bass-Seiten haben wenig Wums. Kurz: Wer die Harfe aus dem Orchester holt, muss wissen, was er tut.
Brandee Younger wusste es – und der Erfolg gibt ihr Recht. Längst wird sie millionenfach gestreamt, ihr Stück «Beautiful is Black» wurde für einen Grammy nominiert. Ihre Musik ist oft groovig und hip, ohne deswegen die Wurzeln der Harfe in der klassischen Musik zu verleugnen.
Musikalische Tochter zweier Harfenmütter
Und auch ihre Wurzeln im Jazz versteckt Brandee Younger nicht, im Gegenteil: Zwar gibt es kaum Vorbilder für ein schwarzes Mädchen mit Harfe, das sich nicht auf die Klassikwelt beschränken möchte. Aber die zwei, die es gibt, haben es in sich: Dorothy Ashby, die Pianistin und Harfenistin aus Detroit, die das Instrument überhaupt erst auf die Jazzlandkarte gesetzt hat.
Und Alice Coltrane, Pianistin und – nach dem Tod ihres Mannes John Coltrane – auch Harfenistin und spirituelle Leuchtfigur. Beide haben auch komponiert, von beiden hat Brandee Younger viel Musik aufgenommen. Auch auf der Harfe, die früher Alice Coltrane gehört hatte. Wie das gekommen ist?
Da haben neben dem Können auch Glück eine Rolle gespielt: Als Alice Coltrane 2007 starb, hatte der Sohn von ihr und John Coltrane, Ravi Coltrane, schon Wind bekommen von dieser jungen Harfen-Studentin an der New York University. Ravi Coltrane war damals selbst schon seit zehn Jahren ein renommierter Bandleader. Kurzerhand lud er Brandee Younger ein, am Memorial Service für seine Mutter Harfe zu spielen.
Auch Beyoncé liebt Brandee
Das Album «Gadabout Season» ist das achte von Brandee Younger unter eigenem Namen. Auf weit über 40 Alben ist sie bereits eingeladen worden, auch von Big Names wie Meshell Ndegeocello oder Lizz Wright. Ihre Musik ist zu hören im Beyoncé-Film «Homecoming».
Es spricht also einiges für die Harfe, dafür hat Brandee Younger gesorgt. Und man muss das Instrument nicht selber spielen, um die Vibrationen zu spüren.
«Jazz in Concerts» begleitet Brandee Younger am 20. Oktober an den Langnau Jazz Nights. Zu hören auf Radio SRF 2 Kultur am 20. Oktober 2026 von 20 bis 22 Uhr.
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