«Eine EP kostet dich locker 15’000 Franken»

- Die Luzerner Musikerin Chiara Castelli (27) arbeitet an ihrer ersten EP und stemmt die Karriere bislang ohne Management.
- Eine EP mit sechs Songs kostet laut Castelli locker 15’000 Franken – ohne Werbeausgaben.
- Neben der Musik ist die Sängerin als Hyrox-Ambassador aktiv und unterrichtet zudem Pilates-Kurse.
Seit Jahren arbeitet Chiara Castelli an ihrer Musikkarriere, veröffentlicht eigene Songs und investiert dafür viel Geld. «Ich habe das Gefühl, bis du ernst genommen wirst, geht es sehr lange. Vor allem in der Schweiz», sagt die Luzernerin im Gespräch mit 20 Minuten.
Aktuell kümmert sich die 27-jährige Musikerin selbst um ihre Karriere. «Ich habe mein perfektes Management noch nicht gefunden. Ich brauche jemanden, der dieselben Werte hat wie ich und mich und meine Vision versteht.» Das sei zwar mit viel Druck verbunden, doch sie wolle lieber alleine arbeiten, als sich auf ein Management zu verlassen, das ihr nicht weiterhelfen könne und sie am Ende nur Geld koste.
«Geld darf nicht die erste Priorität sein.»
Wie teuer der Traum der Musikkarriere sein kann, weiss Castelli aus eigener Erfahrung. «Eine EP mit sechs Songs kostet locker 15’000 Franken», sagt sie. Werbung und weitere Ausgaben seien darin noch nicht enthalten.
Finanziell lohne sich ihre Musik bislang nicht. Die Passion koste sie mehr, als dass sie damit verdiene. «Das Geld darf nicht die erste Priorität sein, wenn du Kunst machst», erklärt sie.
Mit ihrer neuen EP und dem Song «People Pleaser» möchte Castelli nun den nächsten Schritt machen. Die Songs sind von persönlichen Erlebnissen geprägt und sollen vor allem positive Gefühle vermitteln. Eine EP passe besser zu ihrer Persönlichkeit als ein Album. Mehrere kleine Projekte könnten ihre Entwicklung genauer abbilden. «Ich verändere mich sehr schnell und meine Musik mit mir.»
Castelli kritisiert mangelnde Anerkennung in der Schweiz
Sie glaubt zudem, dass eine EP im aktuellen Musikmarkt besser performe. «Die Aufmerksamkeitsspanne der Leute ist kaputt. Niemand will sich ein Album mit 20 Tracks anhören – ich auch nicht. Höchstens bei Justin Bieber», sagt Chiara lachend.
Was die Sängerin beschäftigt, ist die fehlende Anerkennung in ihrer Heimat. «Ich finde es heftig, dass das Lucerne Live Festival sehr wenig Luzerner Musiker gebucht hat», sagt Castelli. Sie wünsche sich, dass Schweizer Acts mehr gesehen würden. Ausserhalb der Landesgrenze, vor allem in Deutschland, erhalte sie derzeit besonders viel Zuspruch. Dabei wäre ihr ein Erfolg in der Schweiz besonders wichtig. Schliesslich sei das ihr Zuhause.
Chiara pusht ihre Grenzen dank Hyrox
Abseits der Musik hat Chiara eine neue Leidenschaft entdeckt: Hyrox. Bei der Sportart werden Laufstrecken mit verschiedenen Kraftübungen kombiniert. Seit Mai trainiert die Luzernerin dafür – und hat sich als Hyrox-Ambassador gleich eine neue Herausforderung vorgenommen. Vergangenes Wochenende absolvierte sie ihren ersten Wettkampf.
«Ich habe wirklich so richtig meine Grenzen kennengelernt. Es pusht mich so ans Limit, wo ich nie gedacht hätte, dass ich das schaffe», sagt sie.
Für ihre neue Rolle trainiert Castelli intensiv. Neben Lauf- und Krafttraining stehen auch spezifische Hyrox-Einheiten auf dem Programm. «Natürlich bin ich nach den intensiven Trainings oft müde und spüre die körperliche Belastung. Aber ich liebe es, über mich hinauszuwachsen. Es erfüllt mich, zu sehen, was man mit Disziplin und Einsatz alles erreichen kann», erzählt sie.
Hast du schon einmal Hyrox ausprobiert?
Chiara gibt Pilates-Kurse
Als Ambassador möchte sie vor allem Menschen ermutigen, die sich einen solchen Wettkampf bisher nicht zutrauen. «Ich bin überzeugt, dass jeder Hyrox schaffen kann. Aber man darf nicht unterschätzen, wie viel Disziplin, Geduld und Willensstärke dahinterstecken. Es ist nicht immer einfach, und man muss bereit sein, hart dafür zu arbeiten. Doch wenn man etwas wirklich will und dranbleibt, kann man unglaublich viel erreichen», erklärt sie.
Neben Hyrox hat Castelli auch Pilates für sich entdeckt. Inzwischen unterrichtet sie selbst regelmässig Kurse. Anders als beim intensiven Hyrox-Training gehe es ihr dabei vor allem darum, zur Ruhe zu kommen.
Der Sport sei für sie aber weit mehr als ein körperlicher Ausgleich. Sie habe sich bewusst nach einer Tätigkeit gesehnt, bei der sie mit anderen Menschen in Kontakt komme und das Handy weglegen könne.
Ihr Fokus gilt aber der Musik. Ihren Traum gibt Chiara nicht auf: «Ich muss einfach weitermachen und darf mich nicht runterkriegen lassen. Andere haben es auch geschafft.»
Leonie Projer (pro), Jahrgang 1997, ist stellvertretende Leiterin im Ressort People und arbeitet seit Oktober 2022 bei 20 Minuten. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie bei Tele M1 und «ArgoviaToday».
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