Auch diese Persönlichkeiten flunkerten bei ihrem Lebenslauf

- Trumps neue Sprecherin Katie Zacharia (41) steht wegen möglicher Falschangaben im Lebenslauf in der Kritik.
- Sie ist nicht die Erste: Auch Politiker, Musiker und Hochstapler erfanden Teile ihrer Biografie.
- So etwa der «falsche Doktor» Tiziano Sudaro, der es in Bundesbern in Spitzenpositionen schaffte.
Noch nicht einmal eine Woche im Amt wird Katie Zacharia, die neue Mediensprecherin des US-Präsidenten Donald Trump, der Falschaussage bezichtigt. Die 41-jährige frühere Kommentatorin des Senders Fox News bezeichnet sich als Anwältin. Dabei habe sie gar keine Zulassung in den USA, wie die «Washington Post» und andere US-Medien am Mittwoch berichteten. Zacharia habe zwar an der kalifornischen Pepperdine University Jura studiert, Hinweise auf eine Anwaltszulassung in den USA gebe es in ihrem Lebenslauf nicht.
Sollte Zacharia bei ihrem Lebenslauf tatsächlich gelogen haben, was aktuell nicht erwiesen ist, würde sie Teil eines ganz speziellen Clubs von Leuten, die vorgaben, etwas zu sein, was sie nicht waren. Dazu gehören Politikerinnen und Politiker, Celebrities, aber auch vermeintlich ganz normale Bürgerinnen und Bürger. Hier eine Auswahl besonders kurioser Lebenslaufschwindeleien:
George Santos – Politiker mit erfundener Karriere
Um sich selbst einen möglichst beeindruckenden Lebenslauf zu verpassen, legte der US-Politiker eine bemerkenswerte Dreistigkeit an den Tag. So behauptete George Santos, an der New York University und am Baruch College studiert zu haben – auch wenn sich bei beiden Hochschulen keinerlei entsprechende Studiennachweise finden liessen.
Doch damit nicht genug. Er behauptete in seinem Lebenslauf auch, für die Finanzkonzerne Goldman Sachs und Citigroup gearbeitet zu haben. Auch das ist reine Erfindung. Trotzdem brachte es der Republikaner bis zum Abgeordneten im US-Repräsentantenhaus, wo er 2023 den 3. Kongresswahlbezirk von New York vertrat. Dort stützten ihn seine Parteikollegen lange, doch im Dezember 2023 war er auch für sie untragbar geworden und wurde als erst sechstes Mitglied in der Geschichte des Repräsentantenhauses aus der Kammer ausgeschlossen.
Petra Hinz – Abgeordnete ohne Abitur und Staatsexamen
Nicht nur in den USA wird bisweilen gelogen, wenn es um den Lebenslauf geht. Vor zehn Jahren machte in Deutschland die SPD-Politikerin Petra Hinz Schlagzeilen. In ihrem Lebenslauf hatte sie angegeben, Abitur gemacht und Jura studiert zu haben. Zudem führte sie juristische Staatsexamen auf. Nichts davon stimmte.
Der Fall ist umso bemerkenswerter, weil Hinz seit 2005 elf Jahre lang unbehelligt im Bundestag sass. Und dies, obwohl laut Recherchen der «Zeit» die Unstimmigkeiten innerhalb der Essener SPD schon lange bekannt waren. Trotzdem beklagte Hinz noch Mitte Juli 2016 Versuche zur «verleumderischen Diffamierung meiner Person». Gut einen Monat später trat sie schliesslich als Bundestagsabgeordnete zurück.
Melissa Howard – verhängnisvolles Foto
Zurück in die USA. Dort kandidierte die republikanische Politikerin Melissa Howard 2018 für einen Sitz im Parlament des US-Bundesstaates Florida. Als Zweifel an ihrem angeblichen Universitätsabschluss auftauchten, reagierte sie offensiv: Sie veröffentlichte ein Foto, auf dem sie stolz ein gerahmtes Diplom präsentierte.
Doch die Miami University in Ohio stellte fest, dass Howard dort zwar studiert, aber keinen Abschluss erworben hatte. Noch peinlicher: Das präsentierte Diplom enthielt mehrere Fehler. Unter anderem war darauf ein Abschluss aufgeführt, den die Universität in dieser Form gar nicht vergab. Howard entschuldigte sich später und zog ihre Kandidatur zurück.
Tiziano Sudaro – der falsche Doktor bei der Bundeskriminalpolizei
In der Schweiz ging Tiziano Sudaro als «falscher Doktor» in die Geschichte ein. Der Tessiner hatte beim Militär und bei der Bundeskriminalpolizei Karriere gemacht und übernahm im November 2009 als Generalstabsoberst die Leitung eines Kommissariats für Criminal Intelligence. Dort führte er Voruntersuchungen durch zu Schwerstkriminalität wie Terrorismus und organisiertem Verbrechen.
Doch Recherchen des Schweizer Fernsehens enthüllten Anfang 2010: Sudaro hatte weder die angegebene Dissertation an einer Hochschule in Barcelona geschrieben noch das behauptete Lizenziat an der Universität Freiburg erworben. Pikant: Vor seinem Wechsel zur Bundeskriminalpolizei war Sudaro jahrelang beim VBS als «Chef Strategieplanung Verteidigung» tätig.
Nach Bekanntwerden des Schwindels hat Sudaro seinen Spitzenjob von sich aus gekündigt. Im anschliessenden Strafverfahren wurde Sudaro vergleichsweise mild bestraft. Obwohl er die Bundesverwaltung jahrelang an der Nase herumgeführt hatte, bekam er nur eine Busse von 1500 Franken und eine bedingte Geldstrafe von 10’000 Franken.
Vanilla Ice – der vermeintliche Strassenjunge
Vanilla Ice war der erste weisse Rapper, der es als Solokünstler in dem Musikgenre zu einigem Erfolg brachte. 1990 eroberte sein «Ice, Ice, Baby» weltweit die Charts. Um dem Rapper zu mehr Glaubwürdigkeit zu verhelfen, erfand seine Plattenfirma kurzerhand einen besonders abenteuerlichen Lebenslauf.
Demzufolge erlebte Vanilla Ice eine harte Jugend in Miamis Arbeitervierteln, die geprägt war von Gangs, Motorrädern und einem rauen Strassenleben. Zudem soll er dreifacher nationaler Champion im Motocross gewesen sein. Doch im November 1990 enthüllte die «Dallas Morning News», dass alles ganz anders war.
Zwar verbrachte Vanilla Ice, der mit bürgerlichem Namen Robert Van Winkle heisst, in seiner Jugend auch Zeit in Miami, in die Highschool ging er jedoch in einem wohlhabenden Vorort von Dallas. Team Honda hatte keinen Fahrer seines Namens, Motocross-Titel hatte er nur auf regionaler Ebene gewonnen. Der Rapper versicherte, dass die Plattenfirma seine Biografie ohne sein Einverständnis gepimpt habe. Doch der Schaden war angerichtet: Die Glaubwürdigkeit von Vanilla Ice rasselte in den Keller.
Gert Postel – vom Pöstler zum Oberarzt
Nicht nur Personen des öffentlichen Lebens basteln manchmal an ihren Lebensläufen. Manchmal fühlt sich auch der kleine Mann zu Höherem berufen. Bestes Beispiel ist der deutsche Pöstler Gert Postel, der sich jahrelang als Mediziner ausgab und es sogar in ärztliche Führungspositionen schaffte.
Dank gut gefälschter akademischer Zeugnisse und beruflicher Referenzen wurde er Anfang der 1980er-Jahre unter dem Namen Dr. Dr. Clemens Bartholdy stellvertretender Amtsarzt in Flensburg. Der Betrug flog durch einen Zufall auf: Postel verlor Unterlagen, darunter zwei Ausweise mit unterschiedlichen Namen.
1984 wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das hielt ihn aber nicht davon ab, später seine Karriere als «Mediziner» weiterzuverfolgen. Er heuerte unter anderem in einer bayerischen Privatklinik an und verfasste 1994 als angeblicher Facharzt Gutachten für das Berufsförderungswerk Berlin.
1995 wurde er Oberarzt an einer psychiatrischen Klinik nahe Leipzig, wo er zahlreiche psychiatrische Gutachten verfasste. 1999 wurde er schliesslich wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu vier Jahren Haft verurteilt.
Ferdinand Demara – der falsche Arzt, der tatsächlich operierte
Noch weiter als Postel ging der Amerikaner Ferdinand Demara, der als einer der fähigsten Hochstapler des 20. Jahrhunderts gilt. Nachdem er sich schon als Hochschuldozent, Gefängnisleiter, Mönch oder Sheriff-Stellvertreter ausgegeben hatte, gelang es ihm 1951, als Schiffsarzt bei der kanadischen Marine anzuheuern – obwohl der Amerikaner weder Medizin studiert noch eine ärztliche Ausbildung absolviert hatte.
Während des Koreakriegs wurde Demara auf dem Kriegsschiff HMCS Cayuga eingesetzt. Dort behandelte er verwundete Soldaten und führte sogar Operationen durch. Unter anderem soll er einem Verwundeten eine Kugel entfernt und einem anderen einen Fuss amputiert haben.
Seine Vorgesetzten waren von seiner Leistung so beeindruckt, dass sie ihn für eine Auszeichnung vorschlagen wollten. Ausgerechnet die dadurch entstandene öffentliche Aufmerksamkeit führte schliesslich zu seiner Enttarnung. Demara entging einer Strafe. Hollywood war beeindruckt und verfilmte seine Taten in «The Great Impostor» (1961) mit Tony Curtis in der Hauptrolle.
Hast du in deinem Lebenslauf geflunkert?
Abonniere den Wissen-Push!
Abonniere in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Du wirst über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhältst du Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.
So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten auf «Profil», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Benachrichtigungen». Wähle hier die gewünschten Themen aus.
Jean-Claude Gerber (jcg) arbeitet seit 2005 für 20 Minuten. Er ist seit 2013 Leiter des Ressorts Wissen, History und Digital und seit 2020 Blattmacher.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
