Viele wollen wohl bleiben: Russland könnte Einwohner von Oleschky zur Krim bringen

Viele wollen wohl bleibenRussland könnte Einwohner von Oleschky zur Krim bringen
28.10.2026, 15:04 Uhr

Im Gebiet der ukrainischen Stadt Oleschky gilt eine Waffenruhe. Wer will, soll sie verlassen können. Ein direkter Weg in ukrainisch kontrolliertes Gebiet ist jedoch anscheinend nicht möglich. Stattdessen wollen russische Vertreter die Menschen vorerst zur Krim bringen. Viele sind aber wohl nicht abreisewillig.
Die örtlich begrenzte Waffenruhe in der russisch besetzten südukrainischen Stadt Oleschky hält nach Angaben beider Seiten auch am zweiten Tag. "30 Stunden Waffenruhe in Oleschky sind ohne einen einzigen Zwischenfall vergangen", erklärte der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinets. Die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa bestätigte die Aussagen in einer ähnlich formulierten Stellungnahme.
Weiterhin unklar ist, wie viele Einwohner sich zur Ausreise entscheiden werden und welche Route sie nehmen müssen. Das Gebiet um Oleschky ist weitreichend vermint. Von Moskau eingesetzte Beamte haben erklärt, dass die Einwohner womöglich über die von Russland besetzte Halbinsel Krim ausreisen müssen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr hatte in dieser Woche dem Medium TSN gesagt, er glaube, dass die Russen die Minen so räumen, dass die Bewohner nach Osten gelenkt werden.
Das Institut für Kriegsstudien (ISW) schrieb, es sei unklar, wie die russischen Behörden mit den evakuierten Ukrainern umgehen werden. Der russische Präsident Wladimir Putin habe die ukrainische Stadt in seinem Telefonat mit dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb und dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Store ausdrücklich als "russische Siedlung" bezeichnet.
Das ISW gab zu bedenken, dass die russischen Behörden darauf bestehen könnten, dass ukrainische Staatsbürger, die unter russischer Besatzung in Oleschky leben und russische Pässe erhalten haben, nun russische Staatsbürger seien und keine rechtliche Möglichkeit hätten, in die Ukraine zurückzukehren.
Der russischen Seite zufolge hätten die meisten derjenigen, die fliehen wollten, dies bereits getan. Ein ranghoher ukrainischer Beamter teilte mit, dass viele Menschen in der Stadt bleiben wollten, weshalb die Waffenruhe so angelegt sei, dass humanitäre Lieferungen in die Stadt gebracht werden könnten.
Kaum Nahrungsmittel in der Stadt
Das Weiße Haus hatte die von US-First-Lady Melania Trump vermittelte Waffenruhe für Oleschky in der vergangenen Woche angekündigt. Die Feuerpause soll angesichts gravierender Engpässe bei Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten die Versorgung der Bevölkerung, Hilfslieferungen und die Evakuierung von Zivilisten ermöglichen.
Oleschky liegt am Ufer des Dnjepr in der Region Cherson im von Russland besetzten Süden der Ukraine und wird von beiden Armeen in die Zange genommen. Russland hatte die Stadt schon 2022 erobert. Von den ursprünglich 24.000 Einwohnern sollen sich noch etwa 2000 in Oleschky aufhalten. Einige der Menschen in der Stadt hätten wegen des Mangels an Nahrungsmitteln damit begonnen, Tauben zu jagen und zu essen, teilten ehemalige Bewohner mit.
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