Donnerstag: Flächenbrand verwanzter Krypto-Wallets, Entlassungswelle bei Netflix
Jemand baut heimlich LTE-Modems in neue Hardware-Wallets ein, um die dort gespeicherte Kryptowährung abzugreifen. Diese wurden sogar in Deutschland verkauft. Käufer haben bereits über 100 Millionen US-Dollar verloren, doch Wallet-Hersteller Ledger kommuniziert wenig. Derweil will Netflix sparen und streicht 1000 Stellen, obwohl die Geschäfte wachsen. Die Kündigungen betreffen 6 Prozent aller Mitarbeiter. Als Grund wird der seit zwölf Monaten fast durchgehend sinkende Aktienkurs vermutet. Vor einem US-Gericht feiert Qualcomm einen Sieg gegen ARM. Doch auch ARM feiert einen Sieg vor Gericht gegen Qualcomm. Es ist dasselbe Urteil im Streit um verschiedene Lizenzvereinbarungen für Prozessordesigns. Allerdings steht noch eine Entscheidung aus – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.
Hardware-Wallets für Kryptowährungen sind bewusst offline, um das Sicherheitsrisiko zu reduzieren. Doch bauen Unbekannte solche Offline-Wallets des französischen Anbieters Ledger um, bevor sie in den Handel gelangen. Ein zusätzlicher Chip greift Bildschirminhalte ab, ein LTE-Modem mit eSIM überträgt die Informationen an den Täter, der damit Kontrolle über die dort „gesicherten“ Kryptowährungsbestände erhält. Das Ausmaß des Problems ist größer als zunächst angenommen. Denn es sind mehrere Modelle Ledgers betroffen, verwanzte Geräte sind schon länger in Umlauf und das Schadensausmaß ist größer. Mittlerweile sind manipulierte Ledger-Wallets auch in Deutschland aufgetaucht. Auf Ledgers Webseite ist dazu kaum etwas zu finden: Problem mit verwanzten Krypto-Wallets von Ledger größer als gedacht.
Rund 1000 Mitarbeiter von Netflix verlieren ihren Job, was auf etwa 6 Prozent der Belegschaft hinausläuft. Das geht aus einem Memo der Netflix-Führung an die Beschäftigten des Streaming-Dienstes hervor, das verschiedenen US-Medien zugespielt wurde. Am stärksten betroffen sind demnach die Produkt-, Technik-, Rechts- und Personalabteilungen. Es ist die größte Kündigungswelle bei Netflix seit 2022. Das wurde damals mit Kundenschwund und sinkendem Aktienkurs begründet. Letzteres dürfte auch zum jetzigen Stellenabbau beigetragen haben, denn die Netflix-Aktie hat in den letzten zwölf Monaten um mehr als 40 Prozent nachgegeben. Die Entlassungen wurden knapp eine Woche vor Bekanntgabe der nächsten Quartalszahlen verkündet: Netflix streicht rund 1000 Stellen in größter Entlassungsrunde seit 2022.
ARM hat Verpflichtungen gegenüber Qualcomm aus dem Lizenzvertrag für die Weiterentwicklung von Prozessordesigns verletzt. Außerdem hat ARM Geschäfte Qualcomms mit Meta Platforms rechtswidrig torpediert. Das haben am Dienstag Geschworene eines US-Bundesbezirksgerichts entschieden. Sie sprechen Qualcomm dafür Schadenersatz zu: zweimal einen US-Dollar. Gleichzeitig hat ARM seine Verpflichtung, Qualcomm Lizenzen für neue Prozessordesigns „von der Stange“ zu fairen Bedingungen anzubieten, nicht verletzt. Auch das haben die Geschworenen entschieden. Beide Streitparteien behaupten deshalb, vor Gericht gewonnen zu haben. Ganz ausgestanden ist die Sache damit aber nicht, denn eine Entscheidung über Verhandlungen neuer Lizenzen steht noch aus: Bei Qualcomm v ARM entscheiden Geschworene für beide.
Apple will im November seine neue Smart-Home-Zentrale HomeView auf den Markt bringen, allerdings nicht in der EU, sondern zunächst in einigen englischsprachigen Ländern. HomeView kann sowohl bildlich als auch sprachlich bis zu sechs registrierte Personen aus dem Haushalt erkennen. Dazu nutzt das Gerät Siri AI mit einer gegenüber der alten Siri erheblich verbesserten Spracherkennung. Die neue Siri AI ist zwar in einigen Ländern bereits auf Englisch verfügbar, befindet sich aber noch im Beta-Stadium. Trotzdem argumentiert Apple, dass die EU den Konzern daran hindere, Siri AI in der Union einzuführen. Doch die EU verbietet weder Siri AI noch den Verkauf neuer Apple-Geräte, sondern verlangt lediglich offene Schnittstellen, auch für das neue Apple TV 4K und HomeView: Wie Apple die EU unter Druck setzt.
In der heutigen Ausgabe der #heiseshow sprechen wir unter anderem über den Angriff der KI-Klone. Mithilfe von KI entstehen immer mehr kostenlose Nachbauten bekannter Software, die etablierten Anbietern Konkurrenz machen. Doch wie gut funktionieren diese Crafting-Apps und können sie teure Programme ersetzen? Hardware wird dagegen immer teurer. Die Preise für Arbeitsspeicher und SSDs steigen so weit, dass die PC-Verkäufe einbrechen. Wie lange könnte die Krise anhalten? Ein Grund dieser Krise ist die KI-Entwicklung, die OpenAI für KI-generierte Lösungen zu Hunderten mathematischen Problemen nutzt. Das hat heftige Kritik unter Mathematikern ausgelöst. Was genau werfen diese OpenAI vor? Das sind die Themen heute um 17 Uhr live in der #heiseshow: KI-Klone, PC-Markt, Mathematiker vs. OpenAI.
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Auch noch wichtig:
- In einem Konferenzraum von OpenAI wurde ein verstecktes Aufzeichnungsgerät entdeckt. Der Mann, der es angebracht haben soll, wurde festgenommen – und gefeuert. Er hat die Wanze in Konferenzraum versteckt: OpenAI-Angestellter festgenommen.
- Ohne Vorwarnung hat SpaceX Starlink-Funktionen für das ukrainische Militär eingeschränkt, Missionen wurden abgesagt. Dort will man an keinen Zufall glauben: Ukraine beklagt plötzliche Starlink-Beschränkungen ohne Vorwarnung.
- Microsoft hat mehr als 1400 Sicherheitslücken in Windows, Office & Co. geschlossen. Es laufen bereits Attacken, doch nun gibt es den Patchday: Angreifer nutzen Windows-Shell-Lücke aus.
- Seit Jahren versuchen Nordkoreaner, im Ausland als Remote-Angestellte Geld für das Regime zu verdienen. In Texas wurde jetzt Infrastruktur dafür ausgehoben: Laptop-Farmen für Remote-Angestellte aus Nordkorea in Texas ausgehoben.
- Wenn der Boom beim KI-Infrastrukturausbau so weitergeht, könnte es ein böses Erwachen geben. Das sagen Marktforscher von Gartner in ihrer Prognose: 80 Prozent der Neoclouds stellen bis 2030 Betrieb ein.
- Ein Chip unter der Netzhaut und eine Spezialbrille helfen Betroffenen mit fortgeschrittener Makuladegeneration wieder Buchstaben zu erkennen: Prima-Netzhautimplantat soll das Lesen wieder möglich machen.
- Nach unrechtmäßigen Tarifumstellungen haben Verbraucherschützer Starlink abgemahnt. Der Satelliteninternetanbieter hat nachgegeben: Verbraucherzentrale mahnt Starlink ab.
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- Rupert Stadler werden im Abgasbetrug rund 300 Millionen Euro Schaden zugerechnet, zahlen sollte er 4,1 Millionen. Nun ist das Ja der VW-Aktionäre unwirksam: Gericht kippt Volkswagens Deal mit früherem Audi-Chef.
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