Warum es zum Thunberg-Fiasko in Zürich kam

Kaum Zuhörer am Podium des Film Festivals
Warum es zum Thunberg-Fiasko in Zürich kam
Beim 22. Zürich Film Festival blieben 260 von 300 Plätzen bei Greta Thunbergs Podiumsdiskussion leer. Der Grund: Eine mutmasslich gezielte Ticketblockade, die laut Thunberg von Marokko orchestriert worden sein könnte. Wir erklären den Hintergrund.
Publiziert: 02:52 Uhr
Aktualisiert: vor 11 Minuten
- Greta Thunbergs Talk am Zürich Film Festival lockte trotz Ausverkauf kaum Gäste
- 260 von 300 Plätzen blieben leer, wohl wegen einer Ticketaktion
- 170'000 Sahrawi leben seit den 1970er-Jahren in algerischen Flüchtlingslagern
Guido FelderAusland-Redaktor
Am 22. Zürich Film Festival bot sich ein ungewöhnliches Bild. Die Podiumsdiskussion mit der schwedischen Polit- und Umweltaktivistin Greta Thunberg (23) war zwar im Vorfeld online komplett ausverkauft. Dennoch blieben im Kino Corso 2 rund 260 der 300 Plätze leer, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete.
Grund dafür war wohl eine gezielte Aktion, bei der Tickets massenhaft reserviert wurden. Thunberg vermutete Marokko hinter dem Manöver, das damit die Debatte über den Westsaharakonflikt unterdrücken wolle.
Anlass der Runde war der Dokumentarfilm «My Home of Wind and Sand». Die Dokumentation beleuchtet das Schicksal der Sahrawi-Bevölkerung.
Der Hintergrund
Seit dem Abzug der Spanier als Kolonialmacht Mitte der 1970er-Jahre kontrolliert Marokko den Grossteil der ursprünglichen Heimat der Sahrawi. Das Königreich investiert dort massiv in Wind- und Solarparks. Die einheimische Bevölkerung hat jedoch keinen Zugriff auf diese Ressourcen.
Stattdessen leben rund 170'000 Sahrawi seit Jahrzehnten unter extremen Bedingungen in Flüchtlingslagern bei Tindouf in der algerischen Wüste. Trotz der isolierten Lage haben die Menschen dort eine eigene Selbstverwaltung und zivile Strukturen aufgebaut. Weltweit gibt es schätzungsweise eine halbe Million Sahrawi.
Referendum ausstehend
Greta Thunberg nutzte den Auftritt gemeinsam mit der Protagonistin Najla Mohamed Lamin (37). Sie prangerte die internationale Gleichgültigkeit gegenüber diesem vergessenen Konflikt an. Zudem wies Thunberg auf die enge Verknüpfung von Vertreibung und Klimaungerechtigkeit hin.
Ein von den Vereinten Nationen versprochenes Referendum über die Selbstbestimmung des Volkes steht seit Jahrzehnten aus. Marokko schlägt stattdessen eine Autonomie unter marokkanischer Souveränität vor. Dieser Plan findet zunehmend internationale Unterstützung, unter anderem von den USA, Frankreich und Spanien.
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