Parmelins Vermächtnis: Das sagt die Bevölkerung zum Mercosur-Deal

- Eine erste Umfrage von 20 Minuten und Tamedia zeigt: Das Mercosur-Freihandelsabkommen hat in der Bevölkerung aktuell keine absolute Mehrheit.
- 42 Prozent sprechen sich dafür aus, 39 Prozent dagegen – knapp jeder Fünfte ist noch unentschieden.
- Grüne, SP und NGOs haben das Referendum ergriffen, womit die Stimmbevölkerung das letzte Wort haben dürfte.
Das Parlament hat dem Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten zugestimmt. Doch der Deal ist damit noch nicht in trockene Tücher gebracht. Zwar konnten die Bauern mit einer Kompensation von über 500 Millionen Franken in Form von Darlehen besänftigt werden.
Doch Grüne, SP und zahlreiche NGOs haben das Referendum ergriffen, nachdem die bürgerliche Mehrheit im Parlament flankierende Massnahmen gegen Zwangsarbeit und die Entwaldung des Amazonas ablehnte. Damit dürfte die Stimmbevölkerung das letzte Wort zum neuen Freihandelsabkommen haben.
Befürworter knapp vorne – viele noch unentschlossen
Eine erste Umfrage von 20 Minuten und Tamedia in Zusammenarbeit mit Leewas im Nachgang der Abstimmung vom Sonntag zeigt nun: Eine absolute Mehrheit erreicht der Deal in der Bevölkerung aktuell nicht.
Stand jetzt sprechen sich 42 Prozent eher oder ganz für das Freihandelsabkommen aus. Demgegenüber lehnen 39 Prozent den Mercosur-Deal eher oder sicher ab.
Auffällig ist die hohe Unsicherheit: Knapp jeder Fünfte gibt an, noch keine Angabe machen zu können. Dies dürfte auf die erst noch anlaufende Debatte über das Abkommen in der Bevölkerung zurückzuführen sein.
GLP- und Mitte-Wählende eher dafür – SVP-Basis dagegen
Bisher findet das Abkommen nur bei den Wählerschaften der GLP und der Mitte eine knappe Mehrheit. Interessant: Obwohl die FDP im Parlament an vorderster Front für eine Annahme des Mercosur-Deals kämpfte, findet das Abkommen in ihrer Basis keine Zustimmung über 50 Prozent.
Bei der linken Wählerschaft ist die Zustimmung zum Deal derweil grösser als die Ablehnung – obwohl die Grünen und SP ihre Forderungen nach Umwelt- und Sozialmassnahmen im Parlament nicht durchbrachten und nun das Referendum unterstützen. Zu beachten gilt dabei jedoch die hohe statistische Unschärfe bei der Grünen-Wählerschaft (±12).
Abgelehnt wird der Deal derzeit von einer Mehrheit der SVP-Basis: 56 Prozent sprechen sich eher oder ganz gegen das Freihandelsabkommen aus, welches ihr Bundesrat Guy Parmelin ausgehandelt hat.
So reagiert die Politik
Das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten sei für die Schweiz von «zentraler Bedeutung», sagt FDP-Co-Präsident und Ständerat Benjamin Mühlemann. Es erschliesse den hiesigen Unternehmen einen Markt mit 270 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten. «Wer das Abkommen bekämpft, gefährdet Wohlstand, Arbeitsplätze und den wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes», betont er. Dies wolle die FDP in den nächsten Monaten aufzeigen.
Dass ein Teil der FDP-Basis dem Abkommen derzeit kritisch gegenüberstehe, erklärt sich Mühlemann mit den anfänglichen Forderungen der Landwirtschaft nach zusätzlichen finanziellen Abfederungsmassnahmen. «Zum Glück ist sie davon inzwischen abgerückt», so der FDP-Co-Chef. Der nun gefundene Kompromiss sei für die FDP in der Gesamtabwägung tragbar.
Seitens der SVP verweist man auf Anfrage auf das eigene Parteiprogramm, nach welchem die SVP Freihandelsabkommen befürworte. «Die Abstimmungsparole entscheiden die Delegierten der SVP Schweiz», so Kommunikationschefin Andrea Sommer. Weiter äusserte sich die Partei nicht zu den Umfrageergebnissen.
Die Umfrage zeige, dass das Rennen um das Mercosur-Abkommen offen ist, sagt SP-Nationalrat Fabian Molina. «Im Referendumskampf müssen wir aufzeigen, dass das Freihandelsabkommen ohne die europäische Mindeststandards zum Schutz vor Regenwald-Abholzung und gegen Zwangsarbeit sich negativ auf Menschenrechte und Klima auswirkt», betont er im Namen seiner Partei.
Molina ergänzt: «Dass das Ja der Bauern bei diesem Deal mit mehr als einer halben Milliarde Franken gekauft werden muss, zeigt, wie wenig Argumente für das Abkommen sprechen.»
Zustimmung bei Männern und Ü65-Jährigen höher
Ein Blick auf die Geschlechterunterschiede zeigt: Männer sind dem Deal derzeit wohlgesinnter als Frauen. 48 Prozent der Männer sprechen sich für ein Ja aus, während es bei den Frauen nur 37 Prozent sind. Zudem gibt jede vierte Frau an, sich noch unsicher zu sein – bei den Männern sind es hingegen 13 Prozent.
Nicht zuletzt ist die Unsicherheit auch bei den jüngeren Altersgruppen noch gross. Bislang sind es nur über 65-Jährige, die sich mit 51 Prozent knapp für das Abkommen aussprechen. Bei den 18- bis 34-Jährigen sowie den 35- bis 49-Jährigen überwiegt derweil mit 38 respektive 42 Prozent ein leichter Nein-Trend.
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Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.
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