Anschläge in Sri Lanka 2019 – Haftstrafen für 15 Männer nach Osteranschlägen

Bei Bombenanschlägen in Sri Lanka kamen am Ostersonntag 2019 rund 270 Menschen ums Leben. Hunderte wurden verletzt. Nun hat ein Gericht 15 Personen zu Haftstrafen von 200 bis 260 Jahren verurteilt. Der Prozess dauerte Jahre. Auch nach dem Urteil ist unklar, wer die Drahtzieher der Anschläge waren. Die Hintergründe der Urteile kennt Südasien-Korrespondentin Maren Peters.
Maren Peters
Südasien-Korrespondentin
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Maren Peters ist seit September 2022 Südasien-Korrespondentin für Radio SRF und berichtet von Indien aus über Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka, Nepal, Bhutan und die Malediven. Zuvor war sie Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. Dabei beschäftigte sie sich insbesondere mit internationaler Wirtschafts- und Entwicklungspolitik sowie mit Nachhaltigkeits- und Rohstofffragen.
Die Angeklagten haben hohe Gefängnisstrafen erhalten. Wofür wurden Sie verurteilt?
Sie wurden verurteilt, unter anderem wegen Mordes und Verschwörung mit dem Ziel, Terroranschläge zu begehen, aber auch, weil sie Waffen und Sprengstoff besessen haben, was nach dem srilankischen Antiterrorgesetz verboten ist. Neun weitere Angeklagte wurden freigesprochen, aus Mangel an Beweisen. Ein weiterer Angeklagter starb in Haft. Diese Bombenattentate im Jahr 2019 waren die tödlichsten Anschläge in Sri Lanka seit dem Ende des Bürgerkrieges 2009. Sie richteten sich vor allem gegen die christliche Minderheit im Land sowie gegen Touristinnen und Touristen und versetzten das Land in einen Schockzustand.
Alle Verurteilten sind Muslime. Die Terrormiliz IS hatte sich damals zu den Anschlägen bekannt. Was zeigt das Urteil über die Hintergründe der Bombenanschläge?
Dieses Urteil beschäftigt sich damit gar nicht. Es verurteilt nur 15 Männer, die mitgeholfen haben sollen, die Anschläge auszuführen. Die Attentäter selbst waren ja bei den Anschlägen ums Leben gekommen. Wer hinter diesen koordinierten Bombenanschlägen gesteckt hat, ist Gegenstand einer separaten Untersuchung, die noch nicht abgeschlossen ist. Die Behörden hatten unmittelbar nach den Anschlägen eine lokale, radikal-islamistische Gruppierung verantwortlich gemacht. Später bekannte sich dann der Islamische Staat IS zu den Anschlägen.
Es gibt schon länger die Vermutung, der damals regierende Rajapaksa-Clan könnte hinter den Attentaten stecken. Weiss man nach dem Gerichtsprozess mehr?
Nein, das wird noch untersucht. In dem zweiten Verfahren geht es um die mögliche Verwicklung von Geheimdiensten und politischen Eliten. Gleich nach den Attentaten wurden Gerüchte laut, dass die Attentäter mit den srilankischen Geheimdiensten zusammengearbeitet haben könnten. Auch eine Dokumentation des britischen Fernsehsenders «Channel4» von 2023 geht in diese Richtung. Darin beschuldigen hochrangige Informanten einen früheren Geheimdienstchef, er habe Kontakt gehabt zu den Attentätern und habe diese Attentate bewusst zugelassen mit dem Ziel, die Präsidentschaftswahlen 2019 zugunsten des Rajapaksa-Clans zu beeinflussen, was natürlich hoch brisant ist. Zwei Tage nach den Bombenanschlägen hatte sich der frühere Verteidigungsminister Gotabaya Rajapaksa seine Kandidatur für das einflussreiche Präsidentenamt angemeldet und versprochen, die Gewalt im Land zu bekämpfen. Er hatte später die Wahl gewonnen. Ein Parlamentsausschuss hat sich ebenfalls damit beschäftigt, kam inzwischen zum Ergebnis, dass Polizei und Geheimdienst zumindest Kenntnis hatten von den geplanten Anschlägen, aber nicht reagierten. Der frühere Geheimdienstchef Suresh Sallay sitzt inzwischen im Gefängnis. Ein früherer Polizeichef und einer früherer Verteidigungsminister wurden sogar vor ein paar Monaten zum Tode verurteilt, weil sie die Attacken nicht verhindert hatten. Gegen Gotabaya Rajapaksa, der vor vier Jahren nach Massendemonstrationen zurücktreten musste, wird inzwischen auch ermittelt.
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