Vom Super-Bowl-Helden zum Albtraum? Seattle droht bittere Walker-Rückkehr
Erst führte Kenneth Walker III die Seattle Seahawks zum Super-Bowl-Triumph, wenige Wochen später war er weg. Jetzt kehrt der Running Back mit den ungeschlagenen Kansas City Chiefs zurück - und könnte ausgerechnet gegen sein Ex-Team eine beeindruckende Defensivserie beenden, die seit 35 Spielen Bestand hat.

Im Februar noch Super-Bowl-Held in Seattle, jetzt Gegner: Kenneth Walker III trifft erstmals auf sein ehemaliges Team. Denny Medley
Im Februar war Kenneth Walker III noch der gefeierte Held von Seattle. Mit 135 Rushing Yards im Super Bowl gegen die New England Patriots hatte der Running Back entscheidenden Anteil am Titelgewinn der Seahawks und wurde zum wertvollsten Spieler des Endspiels gewählt. Nur wenige Wochen später verließ er das Franchise dennoch.
Am Sonntagabend kommt es nun zum Wiedersehen. Walker gastiert mit den Kansas City Chiefs im Lumen Field - ausgerechnet als bester Rusher der gesamten NFL. Die Voraussetzungen für ein besonderes "Revenge Game" könnten kaum besser sein.
Seattle ließ seinen Super-Bowl-Helden ziehen
Bemerkenswert ist vor allem, wie Walkers Abschied zustande kam. Obwohl der 26-Jährige Seattle gerade zum Titel verholfen hatte, erhielt er vor Beginn der Free Agency laut NFL-Berichten nicht einmal ein Vertragsangebot. Stattdessen setzte das Franchise auf andere Prioritäten.
Kansas City griff dankbar zu und stattete Walker mit einem Dreijahresvertrag über 43,05 Millionen Dollar aus. Eine Investition, die sich bislang mehr als bezahlt macht: In nur fünf Spielen erlief er 665 Yards und sechs Touchdowns. Mit durchschnittlich 6,3 Yards pro Lauf führt er die Liga an.
Zum Vergleich: Sämtliche Running Backs der Seahawks kamen in sechs Spielen zusammen bislang nur auf 539 Rushing Yards. Walker allein hat also bereits 126 Yards mehr gesammelt als die gesamte Running-Back-Gruppe seines ehemaligen Teams - und das trotz eines Spiels weniger.
Millionen für Shaheed statt Walker
Besonders brisant wird der Vergleich beim Blick auf Seattles Kaderplanung. Während Walker keinen neuen Vertrag erhielt, verlängerten die Seahawks mit Wide Receiver und Return-Spezialist Rashid Shaheed für drei Jahre und 51 Millionen Dollar.
Shaheed hatte mit seinen explosiven Returns ohne Frage großen Anteil am Super-Bowl-Lauf. Als Receiver blieb seine Ausbeute 2026 bislang allerdings überschaubar: Nach sechs Spielen stehen 14 Receptions für 162 Yards und kein Receiving-Touchdown zu Buche.
Natürlich erfüllen beide Spieler unterschiedliche Aufgaben. Dennoch wirft die Entwicklung die Frage auf, ob Seattle seine finanziellen Prioritäten wirklich richtig gesetzt hat. Während Walker die zuvor schwächelnde Chiefs-Laufattacke auf ein neues Niveau hebt, sucht der Titelverteidiger weiterhin nach Konstanz am Boden.

Seattle setzte auf Rashid Shaheed statt auf Kenneth Walker - eine Entscheidung, die angesichts der aktuellen Leistungen Fragen aufwirft. Kevin Ng-Imagn Images
Ein besonderes Duell unter Flutlicht
Von Rache wollte Walker selbst allerdings nichts wissen. "Ich konzentriere mich einfach darauf, die Fehler zu analysieren, die wir gemacht haben", erklärte der Running Back vor dem Wiedersehen. Patrick Mahomes erwartet dennoch einen besonderen Abend für seinen Teamkollegen: "Ich weiß, dass es für ihn ein besonderer Moment wird, an den Ort zurückzukehren, an dem er seine Karriere aufgebaut und einen Super Bowl gewonnen hat."
Einfach wird die Rückkehr allerdings nicht: Seattle hat seit 35 Spielen keinen gegnerischen Running Back mehr für mindestens 100 Yards laufen lassen. Ausgerechnet Walker, der aktuell durchschnittlich 133 Rushing Yards pro Partie erzielt, könnte diese Serie nun beenden.
Für die Seahawks wäre das eine besonders schmerzhafte Erinnerung daran, welchen Spieler sie im Frühjahr ziehen ließen.
Autor: Maximilian von Hoyningen-Huene
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